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Kirchner. Picasso: Zwei Künstler, eine Epoche und ein Dialog, der erst jetzt Wirklichkeit wird

Ab Mitte Februar trifft im Kirchner Museum zusammen, was sich zu Lebzeiten nur aus der Ferne beobachtete: Ernst Ludwig Kirchner und Pablo Picasso. Zwei Künstler, die das Bild der Moderne entscheidend geprägt haben, auf sehr unterschied­liche Weise. Die Ausstellung «Kirchner. Picasso», die vom 15. Februar bis 3. Mai zu sehen ist, stellt ihre Werke erstmals in einen direkten Dialog. Es ist zugleich die erste Ausstellung mit Werken Picassos in der Ostschweiz.

Davoser
Zeitung
01.01.26 - 07:00 Uhr
Kultur
Porträt von Pablo Picasso aus dem Jahr 1908.
Porträt von Pablo Picasso aus dem Jahr 1908.
Photo (C) RMN-Grand Palais, Public Domain
Picasso, der rastlose Erneuerer, der mit dem Kubismus Sehgewohnheiten zerlegte und neu zusammensetzte. Kirchner, der Expressionist, der mit Farbe, Linie und Rhythmus innere Zustände sichtbar machte. Beide arbeiteten an radikalen Bildsprachen, beide reagierten auf eine Welt im Umbruch, auf Grossstadt, Beschleunigung und gesellschaftliche Verunsicherung. Und doch gingen sie unterschiedliche Wege.

Während Picasso das Motiv analysierte, zerlegte und aus verschiedenen Blickwinkeln neu formte, suchte Kirchner nach unmittelbarem Ausdruck. Seine Figuren wirken angespannt, verletzlich, oft roh. Picassos Werke erscheinen konstruiert, durchdacht, spielerisch.

Kirchners Bilder dagegen wirken emotional aufgeladen und existenziell. Gerade in dieser Differenz liegt eine der Spannungen, die die Ausstellung sichtbar macht.

Ein Wunsch, der Jahrzehnte später erfüllt wird

Gemeinsam ist beiden Künstlern die intensive Auseinandersetzung mit Themen wie Identität, Körper und Geschlecht, mit der Rolle des Künstlers und dem Selbstverständnis der Moderne. Vom rauschenden Leben der Grossstadt über die Intimität des Ateliers bis hin zur Stille der Berge erzählen ihre Werke von Aufbruch, Krisen und Leidenschaft. Von einer ­Epoche, die alte Gewissheiten hinter sich liess.

Das Kirchner Museum Davos greift mit dieser Ausstellung einen Wunsch des Künstlers selbst auf. Kirchner verstand sich als moderne, internationale Position und wollte seine Werke im direkten Vergleich mit Picasso sehen. «Eine internationale Ausstellung erwarte ich, wo Picasso und ich nebeneinander hängen sollen», schrieb er einst. Mit «Kirchner. Picasso» wird dieser Anspruch nun, Jahrzehnte nach Kirchners Tod, erstmals eingelöst.

Eine internationale Zusammenarbeit

Die Ausstellung ist das Ergebnis einer grossen internationalen Kooperation zwischen dem Kirchner Museum Davos und dem LWL Museum für Kunst und Kultur in Münster, wo sie zuvor zu sehen ist. Rund 100 Werke aus bedeutenden europäischen Sammlungen zeigen Gemälde, ergänzt durch Skulpturen, grafische Arbeiten und Zeichnungen.

Die Ausstellung ist nicht nur ein kulturelles Highlight, sondern auch eine Einladung zum Vergleich: zwischen Nähe und Distanz, Ausdruck und Konstruktion, Rückzug und Weltbezug. Und zwischen zwei Künstlern, die sich nie begegneten, deren Werke aber bis heute miteinander sprechen.

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