Ausstellung würdigt japanischen Regisseur der Anime-Serie «Heidi»
Die Anime-Serie «Heidi» ist das wohl bekannteste Werk des Regisseurs Isao Takahata. Das Design-Museum mudac in Lausanne widmet dem Japaner und Mitbegründer des Studio Ghibli eine Ausstellung.
Die Anime-Serie «Heidi» ist das wohl bekannteste Werk des Regisseurs Isao Takahata. Das Design-Museum mudac in Lausanne widmet dem Japaner und Mitbegründer des Studio Ghibli eine Ausstellung.
Die Schau «Isao Takahata. Pionier des zeitgenössischen Animationsfilms, von der Nachkriegszeit bis zum Studio Ghibli» zeichnet die Laufbahn des 2018 verstorbenen Filmemachers nach. Erzählt wird diese anhand von Skizzenbüchern und Storyboards, Originalzeichnungen, Zelluloidfolien, Filmausschnitten sowie audiovisuellen Dokumenten.
Laut dem Kurator der Ausstellung, Kazuyoshi Tanaka vom Studio Ghibli, ist Isao Takahata kein Zeichner. «Er hat keinerlei Ausbildung im Zeichnen. Aber er hatte die Gabe, genau die Zeichnungen zu erklären, die er wollte, und alle notwendigen Anweisungen zu geben», wiederholte der Kurator mehrmals mit einem Lächeln. "Er ist eher ein Literat und Intellektueller“, betonte er am Mittwochabend in Lausanne.
Zu Klassikern von Isao Takahata aus den 1970er-Jahren gehören «3000 Leagues in Search of Mother» (1976) und «Anne of Green Gables» (1979). Diese zeichnen sich gemäss den Presseunterlagen des Museums mudac durch aussergewöhnliche Lösungen auf, um trotz wöchentlichen Episoden den Alltag möglichst genau darzustellen - «von Kleidung, Esskultur und Wohnformen bis hin zu Beziehungen zur Natur.» So seien «zutiefst menschliche, dramatisch fein gearbeitete Erzählungen» entstanden, die Takahata und sein Team realisierten.
Westlicher Stoff als Anime
Zu diesen Werken gehört insbesondere die Serie «Heidi» (1974). Ein bislang unveröffentlichter Ausstellungsteil widmet sich denn auch dem Verhältnis des Japaners Isao Takahata zu Europa sowie der Herausforderung, westliche Stoffe im japanischen Animationsfilm zu erzählen. Die Ausstellung geht dem Anspruch des Regisseurs und Produzenten auf den Grund, westliche Erzählungen authentisch darzustellen.
Auch die Kultur Japans findet sich in seinem Werk mehrfach. Insbesondere in Filmen, die aus dem von ihm in Japan im Jahr 1985 mitbegründeten Studio Ghibli hervorgingen. Dort entstand sein wohl weltweit bekanntestes Werk, «Die letzten Glühwürmchen» (1988), das die tragische Geschichte zweier Kinder im zerbombten Japan gegen Ende des Zweiten Weltkrieges erzählt.
Isao Takahata wurde 1935 als siebtes Kind eines Lehrers in Japan geboren. Ende Juni 1945, er war damals neun Jahre alt, überlebte er einen schweren Bombenangriff. Die Erinnerungen daran haben sein späteres Werk tief beeinflusst. 2009 zeichnete ihn das Locarno Film Festival mit dem Ehrenleoparden für sein Lebenswerk aus, und 2015 war er mit seinem Film «Die Legende der Prinzessin Kaguya» für einen Oscar in der Kategorie Bester animierter Spielfilm nominiert.
Die Ausstellung im Lausanner Kunstquartier «Plateforme 10» kann ab Freitag (24. April) besucht werden und läuft bis 27. September.