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Konzert für Orgel und Orchester in Davos

Begeisternde Darbietung in der Kirche St. Theodul

Davoser
Zeitung
13.10.25 - 16:49 Uhr
Kultur
Ulrich Weissert war unter den Darbietenden.
Ulrich Weissert war unter den Darbietenden.
Archiv SO 
Die Anlässe der Davos Abendmusik übers Jahr verteilt haben es in sich, bestechen sie doch durch hochstehende Werke, interpretiert durch ebensolche Solisten, Ensembles und Orchester. So verhiess auch das Programm mit der Überschrift «Orgel, Pauken und Orchester» einen ausgesprochenen Hörgenuss – was denn auch kein leeres Versprechen war und das Publikum, das sei gleich vorweg­genommen, voll begeisterte.

Fulminanter Auftakt

Das Orgelkonzert F – Dur op. 4, Nr. 4 für Orgel und Streicher von Georg Friedrich Händel (1685–1759) startete mit dem ­zügig vorgetragenen Allegro, das mit seinem durch Dreiklangbrechungen entstandenen Thema zu einem der einprägsamsten Melodien Händels gehört, wie überhaupt dieses Werk in der Händel-Literatur zu den am häufigsten gespielten Orgelkonzerten dieses Komponisten gezählt wird. Mit gewohnter Meisterschaft hat Organist Ulrich Weissert die facettenreichen Klangfarben des viersätzigen Werkes herausgeholt, und die Cappella Vivace Rottweil – in Davos von früheren Auftritten bekannt – überzeugte einmal mehr mit ihrer —herausragenden Qualität und Perfektion im Zusammenspiel mit der Orgel.

Cellokonzert und Streichersinfonie

Im anschliessenden Cellokonzert d-moll von Johann Anton Reichenauer (1694–1730), einem Zeitgenossen Händels, trat eine andere Meisterin ihres Faches auf: die japanische Cellistin Izumi Fujii, —Assistentin an der Staatlichen Hochschule für Musik und darstellender Kunst Mannheim, Trägerin verschiedener Auszeichnungen mit regelmässigen deutschlandweiter Konzerttätigkeit. Wie schon im vorausgehenden Orgelkonzert von Händel startete auch diese Komposition mit einem hörgefälligen, klangvollen Allegro. Im bedächtigen Adagio kam die Charakteristik des Cellos mit der warmen, dunklen Tonfarbe besonders schön zur Geltung. Das abschliessende «Fresco» machte seinem Namen alle Ehre und sorgte für ein erfrischendes Finale.

Die etwas weitläufige Streichersinfonie Nr. 12, g-moll, des Romantikers Felix Mendelssohn-Bartholdy weist so ziemlich alle Stilelemente des Komponisten auf. Das Orchester interpretierte die unterschiedlichen Themen differenziert und mit dynamischem Schwung, sodass man alles andere als einen Einheitsbrei zu hören bekam.

Die Kunst der Improvisation

Als Frucht der Improvisationswoche im Juli 2025 in Romainmotier VD nannte Ulrich Weissert (1960) seine Improvisation über das Kirchenlied «Sollt ich meinem Gott nicht singen?» (RG 725). Die Improvisation darf als Hohe Schule der Musik bezeichnet werden, ist zwar lernbar; aber eine natürliche Begabung dafür erleichtert die Beherrschung dieser Kunst, die (nebst dem Jazz) vor allem in der Kirchenmusik gefragt ist und zur Anwendung kommt. Das war bei diesem Spitzenorganisten zu spüren, der die Ressourcen der Prachtsorgel ausnützte, um die verschiedenen Klangfarben des improvisierten, abgewandelten, aber immer durchschimmernden Themas der Grundmelodie aufscheinen liess – von der sanften Meditation bis zum gewaltigen Finale.

Abschluss mit Tutti und Paukenschlägen

Der Hit dieses Konzertabends war wohl das Konzert für Orgel, Streichorchester und Pauken g-moll des französischen Komponisten Francis Poulenc (1899 –1963). «Clarté und Elégance, spielerischer geistreicher Umgang mit musikalischen Vorbildern aus Jazz, Varieté und der ernsten Musikliteratur (Bezüge zu Johann Sebastian Bach) zeichnen viele seiner Werke aus» schrieb ein Musikkritiker. Dies habe ihm den Ruf eingetragen «ein musikalischer Clown erster Güte, ein brillanter musikalischer Nachahmer» zu sein. Die zu einer heterogenen Sammlung zusammengefügten musikalischen Stile fanden denn auch in diesem ungewöhnlichen Konzert ihren Ausdruck. Nebst friedlichen lyrischen Phasen oder klagenden Streicherfiguren auf dem Untergrund der sanft registrierten Orgel gab es immer wieder wie aus heiterem Himmel unerwartete aufpeitschende ­Orgelakkorde, begleitet von heftigen ­Paukenschlägen, sodass gelegentlich ­Zuhörende zusammenzuckten. Ganz zum Schluss kam es zu einem unvermittelten, orgelgewaltigen Finale mit dem von ­Johann Sebastian Bach adaptierten kraftvollen Anfang der berühmten Toccata in d-moll – samt letztem heftigem Paukenschlag.

Das begeisterte Publikum spendete einen frenetischen Schlussapplaus mit verdienter Standing Ovation, die mit einer herausgeklatschten Zugabe beantwortet wurde. Nebst den Solisten und Instrumentalisten darf an dieser Stelle auch dem Leiter dieses sehr anspruchsvollen Konzerts, Cornelius Weissert, ein Kränzchen gewunden werden, der über eine reiche kirchenmusikalische Ausbildung (unter anderem Master im Chordirigieren) verfügt und in der Nähe von Ulm ­tätig ist. (von Hans Hidber, pensionierter Journalist)

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