Das «Who is Who» der Schweizer Popmusik
Vom 6. bis 21. Dezember findet zum 17. Mal das Songbird Festival Davos statt. Mit «The Gardener & the Tree», Marc Sway, Dodo Hug, Loco Escrito, Nickless, 77 Bombay Street, Dodo und vielen mehr. Die Davoser Zeitung sprach mit Festivalgründer und -direktor Michel Pernet über das diesjährige Festival, seine Highlights und persönlichen Anekdoten zu den Acts.
Vom 6. bis 21. Dezember findet zum 17. Mal das Songbird Festival Davos statt. Mit «The Gardener & the Tree», Marc Sway, Dodo Hug, Loco Escrito, Nickless, 77 Bombay Street, Dodo und vielen mehr. Die Davoser Zeitung sprach mit Festivalgründer und -direktor Michel Pernet über das diesjährige Festival, seine Highlights und persönlichen Anekdoten zu den Acts.
DZ: Das Programm des diesjährigen Songbird Festival Davos liest sich wie das «Who is Who» der Schweizer Pop Musik. Wie kommt das?
Michel Pernet: Seit Gründung des Festivals 2008 fokussieren wir uns auf Schweizer Künstlerinnen und Künstler. Viele Stars von heute hatten bei uns als Newcomer ihre ersten Auftritte. Das sorgt in Künstlerkreisen für viel Wohlwollen, Respekt und Reputation – und hilft beim Zusammenstellen eines Programms, auch wenn unsere finanziellen Möglichkeiten beschränkt sind.
Haben Sie hierfür Beispiele?
Ja, Dutzende. Black Sea Dahu, James Gruntz oder Bastian Baker etwa. Oder aus dem diesjährigen Line-up Dodo, Nickless und Marc Sway.
Zu Marc Sway, der heuer das Eröffnungskonzert spielt, haben Sie sowieso eine spezielle Beziehung.
Ja, das stimmt. Wir sind seit über 20 Jahren befreundet. Es gibt Bilder, wie er meinen Sohn, der heute 18 Jahre alt ist, noch als Baby auf dem Arm trägt. Und ich mag mich auch noch gut an die feucht-fröhlichen «Baby Shower Monate» davor erinnern.
Sie waren aber auch zu Beginn seiner Karriere sein Manager.
Da haben Sie gut recherchiert. Von Haus aus bin ich Jurist und habe Marc, als er – nach einem ersten Hype in Deutschland – ein wenig desillusioniert in die Schweiz zurückgekehrt war, temporär als Manager begleitet, die Verträge mit seiner damaligen Plattenfirma gemacht und ihn in professionelle Booking-Hände übergeben.
Heute ist Marc Sway ein Schweizer Superstar und spielt am Songbird Festival das Eröffnungskonzert. Was können wir erwarten?
Marc Sway ist für mich eine der besten und spektakulärsten Schweizer Soulstimmen und einfach ein begnadeter Entertainer. Seine Konzerte sind also nicht nur musikalische Leckerbissen, sondern man lacht sich auch ob der vielen Anekdoten zwischen den Songs kaputt. Er improvisiert ganz einfach – was sein letztes Songbird-Konzert vor fünf Jahren zu einem dreistündigen Happening werden liess.
«Eine der besten und spektakulärsten Schweizer Soulstimmen»
Das Eröffnungsweekend des Festivals findet traditionell im Alpengold Hotel statt. Neben Marc Sway spielt da auch Dodo Hug. Ein ziemlicher Gegensatz, nicht?
Nur auf den ersten Blick. Wie wahrscheinlich keine zweite Künstlerin steht Dodo Hug für Musik im Kontext von Kleinkunst und Poesie. Sie hat die Schweizer Kleinkunst geprägt und stellt extra für das Songbird Festival ein «Best of» Programm zusammen, mit dem wir auch sie und ihr nun 50-jähriges Lebenswerk würdigen wollen. Aber – und hier kommt die Brücke – Dodo Hug hat immer wieder mit Marc Sway gearbeitet, die beiden haben Songs zusammen geschrieben und sind auch immer wieder zusammen aufgetreten.
Heisst das, Marc Sway wird das Konzert von Dodo Hug crashen?
Die Möglichkeit besteht zumindest. Marc Sway wird mit seiner Familie das ganze Weekend über in Davos zum Skifahren bleiben. Vielleicht hatte ich ja so was gar im Hinterkopf.
Das absolute Festivalhighlight ist das Abschlusskonzert von «The Gardener & the Tree» in der Fabrikationshalle der Künzli Holz. Warum «The Gardener & the Tree»?
Ungelogen seit fast 10 Jahren versuche ich, The Gardener & the Tree ans Songbird nach Davos zu locken. Irgendwie hat es nie gepasst. Ich kenne keine Schweizer Band, die live so eine Kraft entwickeln kann, was wohl seinen Ursprung in der unglaublichen Stimme von Frontmann Manu Felder hat. Für mich live das Beste, das es in diesem Land gibt. Und ich mag halt auch Indie-Folk sehr gerne.
Spektakulär ist auch immer das Gratis-Konzert auf der Jatzhütte. Habt ihr schönes Wetter gebucht?
Bislang hatten wir tatsächlich immer Glück mit dem Wetter. Unvergessen das letztjährige Konzert von Eurovision-Gewinner Nemo, bei T-Shirt-Wetter gab Nemo das erste Konzert nach fünfjähriger Pause. Für uns ein Glücksgriff. Aber Loco Escrito wird heuer auch einheizen, bei garantiert schönem Wetter. Und wenn es dann halt doch schneit, gibt es den Loco Escrito in der Jatz zu Älplermagronen.
«Wenn es schneit, gibt es Loco Escrito zu Älplermagronen»
Ihr kooperiert auch mit Davos Nordic und präsentiert gemeinsam zum 50-Jahre-Jubiläum 77 Bombay Street im Festzelt. Macht ihr jetzt auch Festzelt-Konzerte?
Nein, das ist eine einmalige Ausnahme. Wir haben es lieber schön «cosy» – da drückt der Unterländer durch. Aber ich habe grössten Respekt vor der Leistung, einen Event wie Davos Nordic derart lange und auf so unglaublich professionellem Niveau etablieren zu können. Da können wir noch viel lernen. Und wir freuen uns extrem, gemeinsam die immer noch bekannteste Bündner Band zu präsentieren.
Ganz speziell sind heuer die Konzerte der beiden Hiphop-Legenden Larry F und Achtung, Niemand (aka Jürg Halter oder Kutti MC) im Kulturplatz. Warum?
Sowohl Lars wie Jürg sind Sprachkünstler, die älter und reifer geworden sind. Lars alias Larry F ist auch ein herausragender Videoclip- und Filmemacher und hat sein letztes Album als Film mit 13 Episoden und Songs herausgebracht. Wir kombinieren diesen Film, den wir zeigen, mit der Livemusik. Und Jürg ist für mich der wichtigste Slam-Poet der Schweiz geworden. Er kommentiert mit Livemusik das Weltgeschehen, wie es Lukas Bärfuss nicht besser könnte.
Die DNA des Songbird Festivals sind Konzerte junger Talente. Ihre Geheimtipps für dieses Jahr?
Da habe ich drei: Linda Elys, deren Song «House on Fire» jede und jeder kennt, aber einem internationalen Superstar zuordnet und nicht einer Newcomerin aus Schwyz. Dann die Mundartband Port Polar, die viele schon mit Hecht vergleichen. Und Martina Linn, die zwar nicht mehr so recht als Newcomerin durchgeht, nun aber rätoromanische Songs schreibt und singt, was mir persönlich einfach unglaublich gut gefällt.
Das gesamte Programm und alle Informationen zum Songbird Festival findet man unter:
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