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Warten auf Musik

Der griechische Philosoph Platon (428 bis 348 v. C.) beschäftigte sich in seinem Werk «Politeia» (also «der Staat» in Altgriechisch) eingehend mit der Utopie. Im Dialog liess er seinen eigenen Lehrer Sokrates mit anderen Denkern für ihn stellvertretend philosophieren, in welcher Art und Weise ein idealer Staat gestaltet werden könnte.

Davoser
Zeitung
14.08.24 - 17:00 Uhr
Kultur
Dmitry Smirnov und Samuel Niederhauser in «Marslandung» in den Räumlichkeiten des PMOD/WRC.
Dmitry Smirnov und Samuel Niederhauser in «Marslandung» in den Räumlichkeiten des PMOD/WRC.
zVg/Davos Festival (Akvilė Šileikaitė)
Für ihn war klar, dass dabei die Philosophen an der Spitze zu stehen haben und alle anderen gemäss ihren Fähigkeiten irgendwo unter ihnen. Auch über die Musik hatte er einiges an Meinung zu bieten: In seinem idealen Staat sind diverse Tonarten und Rhythmen unerwünscht, weil sie in der Erziehung einen schlechten Einfluss auf die Schüler hat. Bis heute bleibt die Frage: Wie sinnvoll ist Exklusion in der Musik?

Unter dem Titel «Politeia» steht auch ein Konzert des Davos Festival am 14. August. Im Zentrum steht das Quintett des polnisch-schweizerischen Komponisten Constantin Regamey, aufgeführt von Ann Lepage (Klarinette), Jeremy Bager (Fagott), Dmitry Smirnov (Violine), Samuel Niederhauser (Cello) und Denis Linnik (Klavier). Letzterer führt anschliessend das «Intermezzo» von Arthur Lourié auf; abgerundet wird das Konzert vom Klaviertrio der schwedischen Komponistin Amanda Maier, gespielt vom Trio Orelon. Das Konzert wird von Radio SRF2 Kultur aufgezeichnet und um 19.30 Uhr gibt es einen Talk vor dem Konzert.

Ebenfalls politisch, aber etwas zeitgenössischer als Platons Schrift ist das Labor-Konzert unter dem Namen «KI-Topia», das am Dienstag, 13. August vom Collide Quartett um Sophia Körber (Sopran), Benjamin Hewat-Craw (Bariton), Franziska Staubach (Klavier) und Lara Süss (Performance) aufgeführt wird. Die vier jungen Künstlerinnen und Künstler entführen ihr Publikum in eine utopische Zukunftsszenerie, in der das klassische Kunstlied durch szenische Bewegung, Texte und Videos erweitert wird. Das Ergebnis ist eine immersive Aufführung, in der das Publikum und die Künstlerinnen und Künstler auf einzigartige Weise miteinander verbunden werden.

Nach all den grossen Gedanken und Zukunftsvisionen heisst es dann am Donnerstag, dem 15. August, erst einmal: Durchatmen – und warten. Das Kollektiv «{sic}nals» um die Schwestern Lea und Nora Sobbe inszeniert um 15 Uhr im Berghotel Schatzalp ein Wartezimmer, in dem Musik auf die sogenannte Licht- und Lufttherapie trifft, die Anfang des 20. Jahrhunderts im Kurort als Heilmittel gegen die Tuberkulose angeboten wurde. Neben Werken von Franchino Gaffurio, John Baldwin und Heinz Holliger interagieren die Musikerinnen und Musiker auch mit Kunstobjekten, die eigens für das Konzert angefertigt wurden.

Wer selbst mit sich und der Musik interagieren möchte, kann sich während des ganzen Festivals auf den Imagine-Soundwalk begeben, der im Kurpark Davos eingerichtet wurde. Der Spaziergang beschäftigt sich mit dem eigenen Werte-panorama. Wer das nicht alleine tun möchte, hat am 15. August um 15 Uhr die Möglichkeit, gemeinsam mit den Künstlerinnen Josefa und Vera Schmidt auf die Reise zu gehen. Der Treffpunkt dafür befindet sich beim Kongresszentrum Davos.

Weiteres Gemeinschaftsgefühl bietet das Konzert mit dem Titel «Verbunden» am 13. August um 15.30 Uhr in der Kirche St. Martin in Filisur. Die Kirche ist mittels einer kleinen Festivalwanderung erreichbar, die auch Nicht-Mitgliedern nach Anmeldung (siehe davosfestival.ch) offensteht. Das Modulor Quartet und weitere junge Musizierende zeigen dabei auf, dass Utopien nur gemeinsam verwirklicht werden können. Neben dem Streichquartett in C-Dur von Joseph Haydn steht unter anderem auch das «Phantasy Quartet» von Benjamin Britten auf dem Programm, das dieser mit nur einmal 18 Jahren schrieb.

*Anna-Barbara Winzeler schreibt für Davos Festival

Timo Waldmeier beim Offenen Singen in «Milch und Honig».
Timo Waldmeier beim Offenen Singen in «Milch und Honig».
zVg/Davos Festival (Akvilė Šileikaitė)
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