ZZ Top und Depeche Mode spielen auf Churer Gitarren
Claudio Pagelli und seine Frau Claudia, die für die Designs verantwortlich ist, trafen Martin Gore erstmals vor ein paar Jahren. «Die Gitarre, die wir ihm damals präsentierten, gefiel ihm, aber nicht die Farbe. Und so verschob sich die ganze Sache», erzählt Pagelli. Später bot der Bündner dem Songschreiber und zweiten Sänger von Depeche Mode vor einem Konzert in Zürich zwei Gitarren an. «Eine davon, meine private Gitarre behagte ihm so sehr, dass er sie kaufte», sagt Pagelli weiter. Und so brachten sie das Stück -Anfang dieses Monats an die Konzerte der britischen Gruppe in Turin.
Eine andere Geschichte erlebten die Pagellis mit Billy Gibbons von der amerikanischen Rockgruppe ZZ Top. Dieser kam auf die Bündner zu und gab ihnen den Auftrag, eine Gitarre für ihn zu bauen. «Das dauerte dann entsprechend seine Zeit», verrät Pagelli, der seit mittlerweile bald 40 Jahren Gitarren baut. Je nach Auftragslage und Komplexität des Auftrags könne ein solcher auch einmal drei, vier Jahre dauern. Es sei aber jeder Auftrag so individuell, wie der Kunde selbst. «Es kamen schon Leute ganz ohne und andere mit konkreten Vorstellungen.» Und Pagelli ergänzt sogleich: «Aber wir machen nichts, das uns selbst nicht gefällt.» Bei Gibbons gab es nur als Vorgabe die Masse des Halses und dass die Gitarre leicht sein sollte. «Beim Rest wollte sich der Sammler überraschen lassen», so Pagelli. Deshalb sei es kein einfacher Auftrag gewesen. Claudio und Claudia trafen den Sänger und Gitarristen dreimal. Und nach drei Jahren übergaben sie ihm sein Werk. Aber nur temporär, denn abholen möchte Gibbons seine Gitarre persönlich in Chur.
Sowohl Gore als auch Gibbons seien sehr unkomplizierte Kunden gewesen, findet Pagelli. Die schwierigsten seien die mittelbekannten Musiker. «Mit 20 Jahren rannte ich den Stars nach, heute muss es sich ergeben, damit ich für jemanden eine Gitarre baue.» Er sei auch schon vor Musikern davongelaufen, wenn diese zu arrogant auftraten.
Trotz der prominenten Kunden relativiert Pagelli: «Uns ist der normale Kunde ebenso wichtig wie die Prominenz.» Die seien einfach gut fürs Ego. Und neben Gore und Gibbons gibt es da auch noch weitere bekannte Musiker, welche allerdings nicht genannt werden möchten. «Aber auch sie bezahlen regulär für ihre Instrumente», sagt Pagelli. Auch Gore und Gibbons hätten seine Arbeiten bezahlt. Die Preise würden sich zwischen 7000 und 30 000 Franken bewegen. Je nach Zeitaufwand, der je nach Werk zwischen 80 und 300 Stunden betrage.
Auch für international weniger bekannte Musiker wie den ehemaligen Gitarristen von Stevie Wonder, Djamel Laroussi, den Bündner Liedermacher Linard Bardill oder den Berner Songschreiber Schmidi Schmidhauser von Chica Torpedo hat Pagelli schon Instrumente gebaut. Darüber hinaus für zahlreiche Sammler aus der ganzen Welt. So geht auch eine zweite von Gibbons neuster Gitarre an einen Sammler in die USA.
Wie Pagellis über sich selbst sagen, stehen sie mit ihren Kreationen relativ schräg im Business. Diese sind nicht jedermanns Sache. Aber, und das betont Pagelli noch einmal: «Bei uns ist jeder willkommen.»
Im September war Luzi Bürkli mit seiner Sendung «BT in dr Beiz» Gast bei Gitarrenbauer Claudio Pagelli:
Philipp Wyss ist Wirtschaftsredaktor der gemeinsamen Redaktion der Zeitung «Südostschweiz» und der Internetseite «suedostschweiz.ch». Mehr Infos
Wir bitten um euer Verständnis, dass der Zugang zu den Kommentaren unseren Abonnenten vorbehalten ist. Registriere dich und erhalte Zugriff auf mehr Artikel oder erhalte unlimitierter Zugang zu allen Inhalten, indem du dich für eines unserer digitalen Abos entscheidest.
Bereits Abonnent? Dann schnell einloggen.