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Im Göldi-Museum wird gefeiert

Im Anna-Göldi-Museum in Ennenda wird dessen fünfjähriges Bestehen am nächsten Wochenende gefeiert – mit einem Tag der offenen Tür und verschiedenen Anlässen.

Südostschweiz
20.09.22 - 04:30 Uhr
Kultur & Musik
Zwei runde Geburtstage: Die Anna-Göldi-Stiftung gibt es seit 15 Jahren, das Museum in Ennenda seit 5 Jahren. 
Zwei runde Geburtstage: Die Anna-Göldi-Stiftung gibt es seit 15 Jahren, das Museum in Ennenda seit 5 Jahren. 
Bid Sasi Subramaniam

Am nächsten Freitag und Samstag, 23.und 24. September, gibt es gleich zwei runde Geburtstage zu feiern: jenen der Anna-Göldi-Stiftung, die Anna Göldis offizielle Rehabilitierung erwirkt hatte und nun auf ihr 15-jähriges Bestehen zurückblicken kann, und jenen des Ana-Göldi-Museums, das vor fünf Jahren vom Schweizer Autor Walter Hauser mitgegründet wurde. Er verfasste unter anderem das Werk «Anna Göldi – geliebt, verteufelt, enthauptet». Mit Literatur wird denn auch der Auftakt zum Fest-Wochenende gemacht (siehe Box).

Drei Bücher zu Hexenverfolgung

Hexenverfolgung sei nicht nur Thema der Geschichtsschreibung, steht in einer Medienmitteilung der Anna-Göldi-Stiftung. Hexenverfolgung habe auch Spuren in Malerei, Film, Musik, aber auch immer wieder auch in der Literatur hinterlassen.

Die Menschenrechtsaktivistin Antonia Bertschinger und die Gymnasiastin Sarah Meier erzählen am Freitag im Anna-Göldi-Museum, was sie dazu bewegt hat, sich als Buchautorinnen mit dem Schicksal von zu Hexen gestempelten Frauen auseinanderzusetzen. Ein drittes Buch – zur Hexenjagd im Prättigau – hat Holger Finze-Michaelsen verfasst. Eva Zopfi-Höfer vom Somedia Buchverlag wird dieses Buch vorstellen.

Klavierrezital und Festvortrag

Ein extra für das Anna-Göldi-Museum zusammengestelltes Konzert des bekannten Musikforschers, Kurators und Kulturpublizisten Walter Labhart geht dem Hexenthema in der Musik nach.

Die Stücke von Walter Niemann, Josef Hellmesberger, Claude Debussy, Werner Wehrli, Frédéric Chopin, Eduard Holst, Georg Jokl und Robert Schumann werden vom jungen Glarner Pianisten Roman Staubli gespielt.

Elif Askin forscht zum Thema Menschenrechte an der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Zürich und am Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht in Heidelberg. Die Entwicklung des universellen Menschenrechtsschutzes gehöre zu den bedeutendsten Errungenschaften der Menschheit, steht dazu in der Mitteilung. «Kaum ein Staat würde sich öffentlich gegen diesen aussprechen.»

Zugleich würden Menschenrechte jedoch weltweit systematisch verletzt, Zweifel an der universellen Geltung der Menschenrechte geäussert und dem internationalen Menschenrechtsschutz werde vorgeworfen, ein aus der Sicht des Westens erstelltes Konzept zu sein. Elif Askin erläutert in ihrem Vortrag, wie es trotzdem möglich ist, die Verbindlichkeit der Menschenrechte zu bewahren und wie sich die aus der Verschiedenheit der Kulturen resultierenden Konflikte in diesem Zusammenhang überwinden lassen.

250-jähriges Objekt kehrt zurück

Wie aus der Mitteilung weiter hervorgeht, trug sich der Glarner Hauptmann und Ratsherr Fridolin Jenny von Ennenda (1754 bis 1819) am 24. September auf den Tag genau vor 240 Jahren in das Stammbuch des gleichaltrigen Publizisten Heinrich Ludwig Lehmann (1754 bis 1828) ein. Dieser hatte das Buch zehn Jahre zuvor in Göttingen erworben.

Im Rahmen einer kleinen Werkstattausstellung mit Exponaten aus dem schriftlichen Nachlass von Heinrich Ludwig Lehmann zeigt das Anna-Göldi-Museum das weit gereiste Objekt. Mit den handschriftlichen Eintragungen von insgesamt 25 Glarnerinnen und Glarnern, die an dem Prozess gegen Anna Göldi beteiligt waren oder diesen miterlebt haben, gewährt das Stammbuch nicht nur Einblick in eine im 18. Jahrhundert verbreitete soziale Vernetzungspraxis, sondern stellt zugleich eine wichtige Quelle für die Anna-Göldi-Forschung dar.

(eing)

Das Programm

Das läuft im Göldi- Museum an der Fabrikstrasse 9 in Ennenda:

Freitag, 23. September, um 18 Uhr: Vorstellungen der literarischen Neuerscheinungen zum Thema Hexenverfolgung
um 19.30 Uhr: Klavierrezital zum Thema Hexen und Teufel

Samstag, 24. September, um 10 Uhr: Grussworte der Museumsleitung von Ursula Helg; des Präsidenten der Anna-Göldi-Stiftung, Walter Hauser, und von Regierungsrat Markus Heer
um 11 Uhr, Festvortrag von Elif Askin «Universalität der Menschenrechte und kulturelle Vielfalt»
um 12 Uhr: Eröffnung der Werkstattausstellung «Welcome Back!»
um 12.30 Uhr: Buffet mit Ethio-Eritreischen Spezialitäten von Ghenet Mebrahtu
ab 13.30 Uhr Tag der offenen Tür, ganzer Nachmittag freier Eintritt ins Museum
ab 16 Uhr: Führungen durch die Dauer- und Wechselausstellung

Weitere Informationen zum Programm findet ihr auf der Webseite des Anna-Göldi-Museums

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