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Dank einem Werbespot zum grossen Hit

«Waisch no früahner ...?» – ein Satz, der sofort alte Erinnerungen hervorruft. Da wird einem plötzlich ganz wohlig und eine gewisse Wehmut nach den «guten alten Zeiten» macht sich breit.

Jasmin
Schnider
30.07.22 - 04:30 Uhr
Kultur & Musik
Mehrere Profiteure: Werbung wie sie hier im Bild in London zu sehen ist, kann ein Sprungbrett für Musikerinnen und Musiker sein, wenn ihr Song in einem Spot verwendet wird.
Mehrere Profiteure: Werbung wie sie hier im Bild in London zu sehen ist, kann ein Sprungbrett für Musikerinnen und Musiker sein, wenn ihr Song in einem Spot verwendet wird.
Symbolbild Pixabay

In unserer losen Serie «Waisch no früahner ...?» geht es diese Woche um Songs, die durch Werbung bekannt wurden.

«Bacardi Feeling»

Über 30 Jahre ist es her, als «Bacardi Feeling» sämtliche Radiostationen und Strandbars dominiert hat – und das alles nur dank eines Werbespots für das alkoholische Getränk Bacardi. Doch in diesem Fall war nicht der Song zuerst, sondern die Werbung.

Nachdem der Werbespot so gut ankam, dachten sich die Produzenten, dass sie gleich einen ganzen Song daraus machen könnten, und schon war ein neuer Hit geboren. Gesungen wurde «Summer Dreaming – Bacardi Feeling» von Kate Yanai, die trotz des Megaerfolgs anschliessend eine Karriere als Backgroundsängerin anstrebte.

«Slow Down, Take It Easy»

Mit der Kampagne «Slow Down, Take It Easy» wollten die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU) und der Touringclub Schweiz (TCS) den Fahrzeuglenkenden helfen, am Steuer «cooler» und rücksichtsvoller zu sein, um die Zahl der Verkehrsunfälle zu senken. 

Dafür nahmen sie sich den Song «Slow Down, Take It Easy» der Schweizer Band Da Sign & the Opposite  und dem Produzenten Roman Camenzind zur Hilfe. Dieser hatte schon mit zahlreichen Schweizer Musikerinnen und Musikern wie Bligg, Baschi, Pegasus und Francine Jordi zusammen gearbeitet. Die Medienpräsenz verhalf der Single im Dezember 2009 zu einem Einstieg auf Platz 5 der Schweizer Hitparade. 

«I Love» und «Love»

Auch der Grossverteiler Coop setzt in seinen Werbungen auf die Kraft von guter Musik – wobei der Detailriese im Jahr 2012 mit «I Love» von Sons of Nature wohl mehr auf Unterhaltung setzte: mit einem Song, der auch aus der Küche des Schweizer Produzenten Roman Camenzind stammt. Und das Konzept funktionierte – der dreisprachige Song schaffte es bis auf Platz eins der Schweizer Single-Hitaparde. 

Nur kurze Zeit danach, im Jahr 2014, legte Coop mit einer neuen Version des Songs nach – diesmal in einer Akustikversion und auf Englisch – gesungen von zwei 10- und 14-jährigen kanadischen Mädchen. Der «Jöö»-Effekt war also garantiert. Kein Wunder, dass Coop auch mit diesem Song, der ebenfalls von Roman Camenzind stammt, ins Schwarze traf.

«Welcome Home»

Etwa zur selben Zeit landete die SBB mit «Welcome Home» ebenfalls einen Volltreffer, und auch bei diesem Song hatte Roman Camenzind seine Finger im Spiel. Gesungen wird der Song übrigens von Selina Beyler und Hanspeter Zweifel, die beide zur Zeit der Werbung bei der SBB tätig waren.

«Welcome Home» zum Zweiten

Ein weiterer Song namens «Welcome Home», der während Werbepausen jeweils über viele Fernsehlautsprecher zuhören war, stammt von Radical Face. Das Fototechnik-Unternehmen Nikon nutze ihn in der Werbekampagne «I am Nikon», die im Jahr 2010 auf der ganzen Welt über die Bildschirme flackerte.

«Too Close»

Der britische Sänger Alex Clare kann heute wirklich von Glück reden, dass Microsoft auf seinen Song «Too Close» aufmerksam wurde. Denn so richtig eingeschlagen hat der Song erst rund ein Jahr nach der Veröffentlichung, als Microsoft ihn für die Werbekampagne des neuen Internet Explorers 9 nutzte.

«Little Numbers»

Das deutsch-schweizerische Duo Boy ist ein weiteres Beispiel dafür, dass ein Werbespot hilfreich für die Karriere sein kann. Ihr Song «Little Numbers» war einst in einem Werbespot der Fluggesellschaft Lufthansa zu hören.

«Home»

«Home» von Edward Sharpe & The Magnetic Zeros zählt heute glatt zu den Werbeklassikern, denn nicht gerade selten lief das Lied in verschiedenen Spots im Hintergrund. Erstmals wurde das Lied im Jahr 2011 von der US-Krankenversicherungsorganisation Blue Cross Blue Shield Association für einen Werbespot genutzt. Im selber Jahr bediente sich auch der Möbelriese Ikea daran.

In der Schweiz war der Song dann erst im Jahr 2014 in einem Werbespot der Automarke Peugeot zu hören.

Run Boy Run

Der deutsche Netzanbieter Vodafone sorgte gleich mit mehreren Werbespots dafür, dass Songs bekannt wurden. So zum Beispiel im Jahr 2013, als das Unternehmen den Song «Run Boy Run» von Woodkid für einen Spot benutzte.

Ein ähnlich gutes Händchen hatte das Unternehmen, als es «WeAre The People» von Empire Of The Sun oder «Safe and Sound» von Capital Cities für Werbespots nutzte. 

«Another Love»

Nicht nur Vodafone machte sich gute Songs in ihren Werbespots zum Nutzen, sondern auch das deutsche Tele­kommunikations­unternehmen Telekom. Dank eines Werbespots von Telekom wurde Tom Odell über Nacht zum Star, ohne je ein Album veröffentlich zu haben. Sein Song «Another Love» war in einer Werbung für mobiles Internet zu hören und erreichte so Millionen von Menschen zu Hause.

«Jerk It Out»

Ein weiteres grosses Unternehmen mit einem guten Händchen für Werbesongs  ist Apple. Der Techkonzern sorgte beispielsweise im Jahr 2013 mit einer iPod-Werbung dafür, dass Ceasars «Jerk It Out» zum internationalen Hit wurde. 

«Wavin’ Flag»

Immer vor der Fussball-Weltmeisterschaft produziert Coca-Cola einen Werbespot. Im Hintergrund erklingt dann jeweils ein Lied, das den offiziellen WM-Song nicht selten in den Schatten stellt. So geschah das auch im Jahr 2010, als «Wavin’ Flag» von K’naan fast stündlich aus irgendeinem Lautsprecher zu hören war.

Jasmin Schnider produziert als redaktionelle Mitarbeiterin Beiträge und Interviews für Radio Südostschweiz, zudem schreibt sie Geschichten für die Zeitung «Südostschweiz» und für «suedostschweiz.ch». Sie kommt aus Obersaxen und ist seit August 2020 Teil der Medienfamilie Südostschweiz. Mehr Infos

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