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«Es sind absurde Zeiten»

Heute Freitag tritt Tim Bendzko am Musikfestival Sound of Glarus auf. Die «Glarner Nachrichten» haben mit dem Popkünstler über seinen Werdegang und die Vorfreude auf das Konzert gesprochen.

Südostschweiz
27.08.21 - 04:30 Uhr
Kultur & Musik
«Es ist einfach ein wunderbares Gefühl»: Popstar Tim Bendzko freut sich, wieder auf der Bühne zu stehen.
«Es ist einfach ein wunderbares Gefühl»: Popstar Tim Bendzko freut sich, wieder auf der Bühne zu stehen.
Pressebild

Mit Tim Bendzko sprach Johanna Burger.

Sie haben einen spannenden Weg hinter sich: begonnenes Studium der evangelischen Theologie, Autohandel, Musiktalentwettbewerb. Was nehmen Sie aus Ihrer Zeit vor der Musikkarriere mit?

Tim Bendzko: Ich glaube, ich habe aus allem irgendwie etwas mit­genommen. Beim Studium habe ich gelernt, alles zu hinterfragen, beim Auktionieren vor grossen Menschenmengen zu sprechen und bei diesem Wettbewerb habe ich am Ende final für mich beschlossen, dass der Beruf des Musikers genau das Richtige für mich ist.

Nach Ihrer «musikalischen Ent­deckung» gewannen Sie zahl­reiche Preise. Welcher bedeutet Ihnen bis heute am meisten?

Das kann ich, um ehrlich zu sein, nicht wirklich sagen. Ich habe mich über jeden einzelnen sehr gefreut, aber gerade in diesen Zeiten merkt man, dass der Applaus immer noch der beste Preis ist, den man als Musiker bekommen kann.

Sie begleiteten als Musiker unter anderem Joe Cocker auf einer seiner Tourneen. Welchen Musiker oder welche Musikerin würden Sie künftig gerne einmal begleiten oder sich von ihm oder ihr begleiten lassen?

Ich habe da jetzt nicht wirklich eine Liste in meinem Kopf. So was muss sich einfach ergeben. Für mich ist tatsächlich mittlerweile eher die Frage, wen ich mit auf Tour nehmen könnte. Es gibt so unglaublich viele spannende Talente da draussen.

Für deren Entdeckung sind Sie mitverantwortlich: Einst selbst an einem Talentwettbewerb als Teilnehmer, kennen Sie mittlerweile etwa als einstiger Juror bei The Voice Kids oder Starmania auch die andere Seite von Wettbewerben. Fiel Ihnen dieser Seitenwechsel einfach?

Am Anfang bin ich schon immer sehr aufgeregt und überlege mir, auf was genau ich jetzt alles achten möchte. Aber es dauert meistens nicht lang und ich höre nur noch auf mein Bauchgefühl. Die grösste Herausforderung ist dann eher zu formulieren, was ich fühle. Weil es mir schon immer sehr wichtig ist, die Kandidatinnen und Kandidaten respektvoll zu behandeln.

Sie bleiben nun aber nicht auf der Seite der Jury, sondern bringen immer wieder neue eigene Musik heraus. Können sich Ihre Fans nach dem Album Filter von 2019 bald auf neue Musik von Ihnen freuen, war die Single «Kein Problem» ein Vorgeschmack dafür?

Es wird auf jeden Fall bald neue Songs geben. Ich schreibe gerade Songs und bald startet dann auch die Album­produktion.

Dann kriegen wir wohl bald wieder einen Hit wie Ihr «Nur noch kurz die Welt retten» zu hören. Wie fühlen Sie sich denn aktuell, wenn «nur noch kurz die Welt retten» vielleicht surrealer klingt als je zuvor?

Es sind absurde Zeiten und ich versuche, irgendwie einen klaren Kopf zu behalten und positiv zu bleiben. Der Song beschreibt ja jemanden, der nur vorgibt die Welt zu retten, es aber eigentlich nicht tut und sich stattdessen um belanglose Dinge kümmert. Ich sage es mal so: Er war in den letzten Monaten oft sehr passend.

Sie waren Teil der Studie Restart-19 der Martin-Luther-Universität Halle, die zum Ziel hat, das Risiko eines Covid-19-Ausbruchs bei Grossveranstaltungen errechnen zu können. Wie war das?

Bei der Studie wurden über einen ganzen Tag Bewegungsdaten der Studienteilnehmer gesammelt und geschaut, wie viele kritische Kontakte sie haben. Selbstverständlich sind alle Probanden gesund und getestet gewesen und mussten den ganzen Tag Maske tragen. Und dann wurden drei verschiedene Szenarien mit unterschiedlichen Auslastungen und Sitzabständen durchgespielt. Meine Band und ich haben währenddessen immer wieder kurze Konzerte gespielt, um einen echten Konzerttag zu simulieren. Die Ergebnisse waren erfreulich, weil es offenbar möglich scheint mit entsprechendem Hygienekonzept auch während einer Pandemie Konzerte zu spielen, die für alle Beteiligten sicher sind.

Wie ist es, nun wieder Konzerte – auch ausserhalb von Studienanordnungen – spielen zu dürfen und was erwarten Sie von Ihrem Konzert in Glarus?

Es ist einfach ein wunderbares Gefühl. Nach Monaten der Unsicherheit, ob es überhaupt noch mal halbwegs normale Konzerte geben wird, wird es einfach sensationell, wieder vor echten Menschen zu spielen und deren Energie zu spüren.

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