×

«Das gibt genug Heu für meine beiden Stiere»

«Das gibt genug Heu für meine beiden Stiere»

Das Festival, das nie stattfand, hat über eine Million Franken eingespielt. Ein Erfolg, von dem Organisatoren und Künstler träumten.

Tanja
Egli
vor 1 Monat in
Kultur & Musik
Bianca Mayer Bibi Vaplan Sängerin Zmorgamit Zmorga mit
Die Bündnerin Bianca Mayer alias Bibi Vaplan hat ebenfalls beim Festival mitgemacht.
OLIVIA AEBLI-ITEM

Solidarität in schwierigen Zeiten, das hat im vergangenen Jahr für alle an Bedeutung gewonnen, insbesondere auch für die Musikschaffenden. Die Coronapandemie hat den Künstlerinnen und Künstlern die Grundlage für ihr Einkommen genommen. Von Auftritten, Open Airs und Festivals wird nur noch in der Vergangenheitsform gesprochen. Bis jetzt zumindest. Denn am vergangenen Wochenende fand das Ghost Festival statt – oder eben nicht. Die Idee: Mit dem Ticketverkauf und weiteren Beiträgen die Schweizer Musikszene zu unterstützen. Das stiess auf ganz viele offene Ohren und spendable Menschen. 

Die erträumte siebenstellige Zahl 

Über 30'000 Menschen haben sich durch das Ghost Festival mit den Musikschaffenden solidarisiert. «Es ist so schön, dass durch die Ticketverkäufe von einem Festival, das es gar nie gegeben hat, und durch die Unterstützungsbeiträge bis jetzt 1,2 Millionen Franken zusammengekommen sind», sagt Mitinitiantin Regula Frey gegenüber Radio Südostschweiz.

Das bedeutet, dass sämtlichen 1299 involvierten Musikschaffenden (Musikerinnen und Musiker, Ton- und Lichttechnikerinnen und -techniker, Booker, Manager und weiteren Dienstleistenden) mindestens 1000 Franken ausbezahlt werden können.

Damit werden Stiere gefüttert

«Das Ghost Festival ist eine sehr coole Sache, es stärkt das Bewusstsein für unsere Branche bei den Menschen», sagt die Bündner Musikerin Bibi Vaplan. Auch ihr Name stand auf dem Line Up des Ghost Festivals. Sie habe zudem gehofft, dass sie so noch zu etwas Geld komme. «Das Geld werde ich in Futter für meine beiden Stiere Roccobello und Leon investieren.» Sie spricht damit ihr neuestes Projekt an. Auf diesem kann den zwei Stieren, Roccobello und Leon, etwas Lebenszeit geschenkt werden, bevor sie zum Metzger müssen.

Mit dabei bei diesem einmaligen Festival waren mit 77 Bombay Street, Bibi Vaplan, Chiara, Gimma, Kaufmann, Pascal Gamboni & Rees Coray und Ursina weitere Bündner Musikschaffende. 

Es dürfte wohl noch mehr Geld zusammenkommen

«Ganz fertig sind wir allerdings noch nicht», betont Mitinitiantin Frey. Bis Mitte März sollen unter anderem weiterhin Spenden gesammelt und verschiedene Artikel verkauft werden. Anfang April werde dann die definitive Schlussrechnung präsentiert. Ob es ab April noch irgendwie weitergeht mit dem Ghost Festival? «Das steht in den Sternen», sagt Frey.

Noch fast wichtiger als der finanzielle Aspekt scheint den Festivalorganisatoren aber die Anerkennung, welche die Schweizer Bevölkerung ihren Musikschaffenden entgegengebrachte. Im Zeitalter von digitaler Gratiskultur durchaus keine Selbstverständlichkeit, schreibt das Ghost Festival in der Medienmitteilung abschliessend.

Kommentieren

Kommentar senden