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Junge Schauspielerin aus Rapperswil startet durch

Ailin Nolmans ist erst 23 Jahre alt und hat die Schauspielschule diesen Sommer beendet. Das Talent der Schauspielerin aus Rapperswil ist aber schon mehreren Regisseuren aufgefallen.

Südostschweiz
Mittwoch, 02. Oktober 2019, 07:11 Uhr Ein Leben für die Bühne
In ihrem Beruf angekommen: Die junge Schauspielerin Ailin Nolmans aus Rapperswil-Jona.
ANDRÉ SPRINGER

von Elvira Jäger

Sie sitzt aufrecht, spricht laut und deutlich, sucht den Augenkontakt mit ihrem Gegenüber. Ailin Nolmans hat einen anstrengenden Probentag und eine längere Bahnfahrt hinter sich, als sie zum Treffen erscheint. Doch von Müdigkeit oder Unkonzentriertheit keine Spur. «Ich habe das Gefühl, angekommen zu sein und fühle mich in diesem Beruf ausgesprochen wohl», sagt sie.

Shakespeares Magie

Im Juni hat sie die Schauspielschule in Zürich abgeschlossen, und schon Mitte Juli konnte man Nolmans in der Shakespeare-Verwechslungskomödie «Was ihr wollt» des renommierten Turbine-Theaters sehen. In der Freilichtaufführung im Sihlwald spielte sie neben Fernsehfrau Susanne Kunz und Patrick Frey die Viola. Eine tragende Rolle, nachdem die Jungschauspielerin schon ein Jahr zuvor im Stück «In 80 Tagen um die Welt» nach Jules Verne einen kleineren Auftritt hatte.

Zu Shakespeare fühle sie sich enorm hingezogen, verrät Nolmans und nennt die Sprache, aber auch die Magie in den Stücken als Gründe für ihre Faszination. Die junge Schauspielerin lebt in Rapperswil, wo sie auch aufgewachsen ist. Als sie sechs Jahre alt war, trat sie in die Ballettschule Lambert ein, bewegte sich später mehr Richtung modernen Tanz und sagt heute: «Das Bewusstsein für Bewegung hilft mir als Schauspielerin enorm.»

Ab Ende September ist Nolmans in einem weiteren Shakespeare-Stück zu sehen: «Liebes Leid und Lust» ist eine eher selten gespielte Verwechslungs- und Verwirrungskomödie um drei Männer, die einen Eid schwören, drei Jahre lang ein gesittetes Leben ohne Frauen zu führen. Nolmans spielt darin eine Prinzessin, die mit zwei Gefährtinnen den Plan fasst, diesen Eid aufzumischen. Das Stück ist die neuste Produktion des Winterthurer Theaters Ariane, gegründet und geleitet von Jordi Vilardaga, dem langjährigen Leiter des Theaters Kanton Zürich. Premiere ist in Visp, danach folgt eine Tournee durch verschiedene Schweizer Städte.

Vom Fleck weg engagiert

Nolmans spielt als Jüngste im Team neben Schauspielgrössen wie Rachel Matter und Antonio da Silva und kann, wie sie sagt, von diesen ungeheuer viel lernen. Das Gleiche gilt für Regisseur Vilardaga. Er fordere sie sehr, erklärt sie. «Er gibt so lange nicht auf, bis ich es schaffe, das zu liefern, was er will.» Das verlange ihr einerseits viel ab, helfe ihr aber bei ihrer Suche nach dem Echten, Authentischen.

Wenn Nolmans nicht auf der Bühne steht, moderiert sie Kinoabende oder Lesungen.

Über einen Dozenten an der Schauspielschule lernte sie Vilardaga kennen, dieser reiste extra an die Generalprobe im Sihlwald, sah sie dort spielen und engagierte sie sozusagen vom Fleck weg. «Ich hätte nie gedacht, dass es so schnell klappen würde», sagt Nolmans. Es sei beruhigend für sie, dass ihre Berufslaufbahn nach der Ausbildung so gut angelaufen sei. Als junge Schauspielerin verspüre man einen gewissen Druck. «Es hat niemand auf einen gewartet.»

Anstoss im Lernforum

Dass sie Schauspielerin werden möchte, war für Nolmans seit der Primarschule klar. Seit sie im Lernforum bei Kurt Lauterburg, einem ehemaligen Schauspieler, in die Theaterwelt eingeweiht wurde. Nach einem Probenbesuch am Schauspielhaus Zürich wusste Nolmans, dass das auch ihre Welt werden würde. Schon während der Sekundarschulzeit spielte sie am Jungen Schauspielhaus mit.

Ihr Ziel sei es, irgendwann fest an einem grossen Haus wie dem Zürcher Schauspielhaus oder der Berliner Volksbühne zu spielen, sagt sie. Vorerst freue sie sich aber über alle Begegnungen, Rollen und Stücke. Darüber, dass sie immer wieder in andere Köpfe und Welten schauen und dabei eine Menge über sich selbst lernen könne. Wo das geschehe, sei nicht so entscheidend.

Wenn Nolmans nicht auf der Theaterbühne probt und spielt, moderiert sie Anlässe wie die Frauenkino-Abende oder Lesungen mit ihrem Vater Erik Nolmans, der soeben einen neuen Roman veröffentlicht hat. Sie gehört auch zum Ensemble des Forumtheaters Schweiz, das interaktiv zu Themen wie Sterbehilfe oder Rassismus arbeitet. Mit dem Zweipersonenstück «Venus im Pelz», das im August in Zürich Premiere hatte, geht sie zudem im Winter auf Tournee. Nach einer guten Stunde Gespräch steht fest: Da ist eine junge Frau in ihrem Beruf angekommen.

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