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Bündnerisches zum Abschluss im Richisau

Zum Ende des Richisauer Literatursommers haben Schauspieler René Schnoz, die Musikerin Kathrin von Cube und Musiker Clot Buchli das Klöntal besucht. Auf dem Programm standen Sagen aus dem Bündnerland.

Südostschweiz
Mittwoch, 02. Oktober 2019, 04:30 Uhr Literatursommer
Vielseitig: René Schnoz zitiert sogar in romanischer Sprache.
PETER MEIER

von Peter Meier

Die letzte der vier von der Buchhandlung Baeschlin organisierten Begegnungen im Rahmen des diesjährigen Richisauer Literatursommers gehörte René Schnoz, Schauspieler, Erzähler und Sprachkünstler. Weiter den ungemein wechselvoll musizierenden Kathrin von Cube mit der Violine und Clot Buchli auf der Klarinette.

Es standen Sagen aus dem Bündnerland und Stücke von Flurin Caviezel, Domenic Janett, Satie, Bartok und anderen Komponisten auf dem Programm. Die musikalischen Inhalte nahmen Bezug auf die schaurig schönen, leicht derben, dann wieder ungemein lieblichen Inhalte der verschiedenen Sagen.

Damit ging es im Klöntal wirblig, keck, beschwingt, mit gebührender Dramatik, romantisch und gar lebhaft zu und her.

Eine Puppe aus Sacktuch

Hansruedi Frey, Miterfinder des Richisauer Literatursommers, begrüsste zum Schluss des nunmehr fünften Literatursommers. Er deutete dabei das Weiterführen an. René Schnoz wiederum kannte das Richisau ein klein wenig. Vor 15 Jahren habe er mit Ludwig Hohls «Bergfahrt» an diesem Ort gastiert.

Und schon nahm man Kenntnis vom Geisshirten, der vor langer Zeit unter widrigsten Umständen nach Einsiedeln gepilgert war. Man erfuhr, dass die Medelser einst beinahe Grossbauern geworden wären, oder dass ihr Galgen nicht für jeden hergelaufenen Gauner bestimmt war und wie zwei halbnackte Helfer auf einer Alp die Sonne einzufangen hatten.

Aus einem Buch mit eisernem Schloss, wohlverwahrt im Pfarrhaus, konnte man vor- und rückwärts drei ganz bestimmte Zeilen lesen, es erschien oder verschwand der Gehörnte. Ein riesiger, starker Müller bastelte sich im Val Lumnezia eine Puppe aus Sacktuch. Die war ungemein gefrässig und terrorisierte den Müller. Man habe sie nach einem harten Winter beim Mühlrad erfroren wiedergefunden.

Wundervoll und melodiös

Auf der Alp Ranasca bei Panix – ein weiteres grausliches Schicksal – habe ein Hirte 7000 Schafe gehütet. Die Arbeit wuchs ihm über den Kopf. Er fand einen hübschen Jungen, einen gar zuverlässigen Helfer. Aus ihm wurde ein bildhübsches Mädchen, wenn es aus den Flammen des Herdlochs emporstieg. Vom nunmehr liebestollen Schafhirten wollte es gar nichts wissen. Er und die Schafe wurden in Steine verwandelt, die viel zu klagen hatten. So ging es mit Tod und Verderben, Gruseligem und Schönem während einer wechselvollen Stunde zu und her. Zuweilen zitierte René Schnoz in romanischer Sprache; wundervoll melodiös, schwungvoll und leidenschaftlich. Dass sich Schlangen zuweilen aus Steinen herauslösen und Lebenden das Brot wegfressen, erfuhr man als Laie mit nicht geringer Verwunderung.

In den sonnigen Alltag wurden die Zuhörer alsdann entlassen, schauten sich aber doch heimlich um, ob am Wegesrand nicht irgendetwas Verwunschenes auf der Lauer liege. Beispielsweise blutrote, klitzekleine, flinke und berggewohnte Schafe, wie sie in einer der Sagen aufgetaucht waren.

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