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Wenn Dörfler zu Ermittlern werden

Die Maseiner Autorin Rita Juon legt mit «Tod in der Viamala» ihren zweiten Kriminalroman vor. Morgen Mittwoch wird die Geschichte um einen ermordeten Altersheimbewohner in Thusis vorgestellt.

Jano Felice
Pajarola
Dienstag, 10. September 2019, 08:35 Uhr Krimi
Rita Juon posiert in der Viamala.
Pressebild

Nein, die Polizei trägt auch diesmal nicht die wirklich entscheidenden Erkenntnisse zur Aufklärung des Falles bei. Oder besser: der Fälle, denn eigentlich sind es zwei. Wie schon in ihrem Debüt «Tod am Piz Beverin» lässt Rita Juon auch in «Tod in der Viamala», ihrem zweiten Kriminalroman, die ganz normalen Dorfbewohner aus dem Umfeld der Mordopfer mitermitteln. Wobei «ganz normal» auf Rösli Sjögren-Tscharner wohl nicht zutrifft. Sie, die geistig noch fitte Dame aus dem Thusner Altersheim, ist eine der zentralen Figuren im Buch, und dass ihr Mitbewohner Gerardo Mazzotta unter mysteriösen Umständen das Zeitliche gesegnet hat, ist ihr nicht Anlass zu Trauer, sondern zu Freude. Erstens, weil sie Mazzotta nie ausstehen konnte – und zweitens, weil der Todesfall im Heim einige Abwechslung im eher öden Alltag verheisst.

Zwei Tote nach elf Seiten

Die Maseiner Autorin Juon, von Beruf Software-Entwicklerin, spinnt in ihrem Zweitling erneut einen äusserst spannenden und komplex verwobenen Plot – und wer sich beim Erstling allenfalls noch darüber enerviert hat, der Mord geschehe erst nach beinahe 100 Seiten, kann beruhigt sein: In «Tod in der Viamala» sterben nur schon auf den ersten elf Seiten zwei Männer. Es ist – in der kurzen Einstiegsszene – ein Frühsommertag anno 1975, als Angelo Tataranni in der Viamala einen Mord beobachtet, vom Mörder entdeckt wird und diesem schwören muss, niemals davon zu erzählen. Und es ist ein Morgen 43 Jahre später, als die junge Pflegerin Julia im Thusner Heim den toten Mazzotta entdeckt. Und sofort merkt: Irgendetwas stimmt hier nicht.

Nicht friedlich eingeschlafen

Ihr Verdacht bestätigt sich rasch: Mazzotta, in seinen letzten Jahren geistig zunehmend verwirrt und seltsame Dinge aus der Zeit vor 40 Jahren erzählend, ist nicht friedlich eingeschlafen, er wurde erstickt. Ein Polizistenteam um Walter Buess und Meta Schäfer, beide dem Lesenden schon bekannt aus «Tod am Piz Beverin», nimmt die Ermittlungen auf. Bald stellt sich heraus, dass Mazzotta einen unehelichen Sohn hatte. Kommt dieser als Mörder infrage, weil er auf das Erbe des vermögenden, aber im Ort unbeliebten Alten spekulierte? Oder gar die legitime Tochter, die mit ihrer Firma in akuten Geldnöten steckt? Warum lässt sich Lucilla, die Frau des mittlerweile verstorbenen Angelo, zu Mazzotta nur entlocken, er sei «ein böser Mensch» gewesen? Hat es mit dessen Verhältnis zu seinem Sohn Robert zu tun, der an der Nadel hing und an einer Überdosis starb? Oder gibt es andere Gründe?

Urenkel recherchiert im Netz

Unter die Ermittler geht aber auch Sjögren-Tscharner, für sich im Altersheim. Sie lässt ihren Urenkel im Internet recherchieren, beginnt sich ihr eigenes Puzzle zusammenzusetzen. Wie der Lesende selbst auch: Juon füttert ihn immer wieder geschickt mit einer neuen Portion Informationen, lässt die Dorfbewohner zu Wort kommen, von denen fast jeder etwas zu wissen meint und sich seine Gedanken über Mazzottas Ableben macht. Vor allem dessen erstaunlicher Aufstieg vom Vorarbeiter auf dem Bau zum Immobilienverwalter einer grossen Thusner Süsswarenfirma führt im Nachhinein zu Spekulationen, oder der von Mazzotta geleitete Hochhausbau vor – ebenfalls – 40 Jahren.

Mafiöse Zustände in Thusis?

War es zu Mauscheleien gekommen, zu Betrug, mafiösen Zuständen? Am Schluss, das sei verraten, wird Mazzottas Mörder verhaftet. Die Antwort auf die Frage, ob damit auch der Richtige im Gefängnis sitzt, steht auf einem anderen Blatt.

Die Buchpräsentation mit Autorin Juon findet am Mittwoch, 11. September, um 20.15 Uhr im Buachlada Kunfermann in Thusis statt. Anmeldung ist erwünscht unter info@buachlada-kunfermann.ch oder 081 651 34 20.

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