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Lokale DJs bringen das Schloss mit Techno-Beats zum Beben

Wummernde Bässe und Partygänger, die im Innenhof des Schlosses Rapperswil tanzen – diese Vision haben drei Jungs aus der Region Wirklichkeit werden lassen. Bald steht die nächste «Verrückte Kassette» im Schloss an.

Daniel
Graf
Donnerstag, 29. August 2019, 04:30 Uhr «Verrückte Kassette im Schloss»

Kürzlich ging in Zürich die Streetparade über die Bühne, rund 850 000 Menschen tanzten ausgelassen zu Techno-Beats ums Seebecken. Mit dabei waren auch Simon Rüdisüli (28) und Manu Rüegg (29) aus Rapperswil-Jona sowie Florian Thalmann (26) aus Wiedikon. Rüegg und Thalmann sind die Gründer des Musiklabels «Tonfall Kreis 8 Tausend» für elektronische Musik, das 2017 entstanden ist(siehe Infokasten).

An diesem verregneten Mittwochabend sitzen sie in der Bar «Door 5» auf dem Zeughausareal. «Hier hat mit dem eigenen Label alles angefangen», erinnert sich Rüegg: «Thali und ich sassen beim Bier und kamen auf die Idee, unserer Liebe für die elektronische Musik mit einer gemeinsamen Plattform Ausdruck zu verleihen.» Denn bereits 2014 bespielt das Duo Manu und Rüdi unter dem Namen «KauzAudio» diverse Partys und veröffentlichte eigene Tracks auf Plattformen wie Soundcloud. Kurze Zeit später begann auch Thalmann unter dem Künstlernamen «FløRiån» mit dem Auflegen.

Lange vom Schloss-Rave geträumt

«Manu und ich sind in Rapperswil-Jona aufgewachsen. Seit wir Musik machen, schlummerte in uns die Idee, eines Tages im Schloss eine Party zu veranstalten», erzählt Rüdisüli. Eine erste Gelegenheit dazu erhielten die drei im Rahmen des Seenachtfests letztes Jahr: «Wir konnten während einigen Stunden im überdachten Innenhof des Schlosses elektronische Musik spielen.» Nach dem Auftritt war für alle klar: «Das hat unglaublich Spass gemacht und hat Potenzial für mehr.»

Also fragten sie bei Fabian Schnyder, Wirt und Geschäftsführer des Gastrolokals im Schloss an, ob sie einen Daydance veranstalten könnten – eine Tanzparty mit Techno, die am frühen Nachmittag beginnt und dafür bereits um 23 Uhr endet. «Trotz zentraler Lage ist die Lärmemission für die Anwohner dank der Schlossmauern gering», erklärt Rüegg. Ohnehin hätten sie versucht, den Nachbarn und Altstadtbewohnern möglichst nicht zur Last zu fallen, indem sie nicht bis spät in die Nacht feierten. Anfangs sei der Pächter der Schloss-Gastronomie skeptisch gewesen. «Es brauchte ein wenig Überzeugungsarbeit», sagt Rüdisüli und schmunzelt.

400 Leute tanzten im Schloss

Rund ein halbes Jahr investierten die Jungs in die Vorbereitungen: «Die aufwendige Dekoration, das Booking der DJs, Organisation einer Soundanlage, der Ticketverkauf, das Promoten der Party – all das hat viel Zeit und Energie gekostet, sich letztlich aber zu 100 Prozent gelohnt», sind die DJs sich einig. Denn: «Der Anlass war ein voller Erfolg, an die 400 Leute tanzten ausgelassen, das Gastrokonzept von Schnyder ging hervorragend auf und auch die DJs genossen die Möglichkeit, in dieser einzigartigen Location zu spielen.» Die Rückmeldungen auf den ersten Schlossrave seien durchwegs positiv und euphorisch gewesen.

«Tanzen für eine bessere Welt»

Oder zumindest fast durchwegs, wie Thalmann einräumt: «Wir hatten leider die eine oder andere Lärmbeschwerde.» Deshalb hätten sie sich überlegt, wie sie den Anwohnern, die nichts mit Techno am Hut haben, etwas zurückgeben könnten. «Unsere nächste Party wird darum ein Benefiz-Anlass, ein «Solirave». Nach Abzug der Gagen für die DJs und der Unkosten für die Organisation der Party, spenden wir den Gewinn der Joner Stiftung Balm für Menschen mit einer Beeinträchtigung», erklärt Thalmann.

Überhaupt liege es ihnen fern, mit der Musik das grosse Geld zu machen: «Wir können mit grossen, kommerziellen Labels und Partys nicht viel anfangen», sagt Rüegg. Deshalb veranstalteten sie mit ihrem Partylabel «Verrückte Kassette» auch nur alle zwei Monate eine Party in der Zürcher «Schneiderei». «Weniger ist manchmal mehr», sind sie überzeugt.

Dass das Geld der Balm zufliesse, komme nicht von ungefähr: Thalmann befindet sich im Masterstudium Heilpädagogik. In diesem Bereich ist die Stiftung Balm tätig. Zudem sei es ihnen wichtig, mit dem Ertrag eine sinnvolle Einrichtung zu unterstützen: «Die Mitarbeiter der Balm leisten in Rapperswil-Jona seit Jahren extrem wertvolle Arbeit für Menschen, die es im Leben vielleicht nicht immer so leicht haben wie wir», begründet Rüdisüli. So passe der Entscheid hervorragend zu einer der Grundideen des Techno: «Techno ist Tanzen für eine bessere Welt, das war für uns schon immer so», sagen die drei übereinstimmend.

Verrückte Kassette im Schloss
28. September, 14 bis 23 Uhr
Schloss Rapperswil
Tickets gibt es hier. 

Ein Label von DJs aus der Region für DJs aus der Region
Tonfall Kreis 8 Tausend heisst das Label von Simon Rüdisüli, Manuel Rüegg und Florian Thalmann. Die drei Techno-DJs releasen darauf ihre eigenen Tracks, wobei ihr Musikgeschmack sich laufend weiterentwickle: «Wir wechseln uns irgendwie immer ein wenig ab», sagt Thalmann. «Mal spielen sie eher langsameren Deephouse und ich härteren Sound dann wieder umgekehrt – und oft fliessen dabei auch Elemente verschiedenster anderer Stilrichtungen ein.» Neben den eigenen Releases sei es den drei DJs wichtig, auch anderen Künstlern, hauptsächlich solchen aus der Region, eine Plattform zu bieten: «Kreis 8 Tausend steht für die Ortschaften, deren Postleitzahl zwischen 8000 und 8999 liegt», erklärt Rüegg. Dazu zählten diverse Gemeinden zwischen Zürich, Winterthur, Schaffhausen und Rapperswil-Jona. «Jeden Monat veröffentlichen wir einen Podcast eines Künstlers aus dieser Region und stellen ihn mit einem Interview kurz vor», erläutert Rüegg das Label-Konzept. 

GEWINNSPIEL
Schicke bis am 14. September eine E-Mail mit dem Betreff «Verrückte Kassette im Schloss» an tk8tlabel@gmail.com und nenn den Grund, weshalb genau du im Schloss tanzen solltest. Unter allen Teilnehmern werden am 18. September 2x2 Tickets verlost und an der Abendkasse hinterlegt. 

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