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Die Glarner Musikschule macht Zirkusmusik

Vorhang auf, Manege frei: Die Glarner Musikschule hat für ihr Musiklager im Zirkus Mugg Gastrecht genossen. Am Samstag war Aufführung.

Südostschweiz
Montag, 12. August 2019, 04:30 Uhr Manege frei
Zirkuskinder und Musikschulkinder zeigen ihr Können.
SASI SUBRAMANIAM

von Linda Hottinger

Das Zelt in Betschwanden ist bis auf den letzten Platz besetzt. Angeregtes Gemurmel füllt den Raum, bis sich das Licht langsam verdunkelt und zwei Kinderstimmen aus dem Off ertönen. Sie erzählen den Besuchern, was sie in den kommenden zwei Stunden erwartet.

Die Stimmen gehören zu zwei von rund 100 Kindern, die am Musiklager der Glarner Musikschule und des Zirkus’ Mugg teilgenommen haben. Sie haben am Samstag ihren Angehörigen gezeigt, was sie fünf Tage lang intensiv geprobt hatten. Rund die Hälfte der Kinder erlebte ein solches Lager zum ersten Mal, manche Kinder waren schon zum sechsten Mal dabei.

Der Traum des Musikschulleiters

Für Jürg Wickihalder, den Leiter der Musikschule Glarus, war das diesjährige Lager die Gelegenheit, sich einen lange gehegten Traum zu erfüllen: «Ich wollte schon immer ein Live- Zirkus-Orchester mit Kindern.»

Um die Idee zu realisieren, ging er auf Stefan Muggli vom Zirkus Mugg zu. So kam es, dass ein 41-köpfiges Kinder-Orchester der Glarner Musikschule die Auftritte der Artisten begleitete. Simone Menozzi, Klavierlehrer an der Musikschule, komponierte eigens die Musik dafür. Für jede Nummer schrieb er ein Stück.

Jürg Wickihalder berichtet von den Proben: «Das Konzept unseres Zirkus’ war es – und das ist das Wunderbare daran – ganz entspannt mit den Kindern zu arbeiten. Wir lassen uns ein Stück weit mit den Kindern treiben.» Die Kinder würden in ihrer Verspieltheit Dinge anbieten, auf die kein Erwachsener kommen würde, erzählt Wickihalder.

Nur wenige Proben

Erst am Donnerstagabend ist entschieden worden, welche Kinder welche Nummer übernehmen. «Die Kinder aus dem Orchester haben die Noten erst in dieser Woche erhalten und dann die Stücke eingeübt», erzählt Wickihalder. Erst am Freitag wurden die Auftritte ein bis zwei Mal gemeinsam geprobt.

Die Musiker haben eng mit den Artisten zusammengearbeitet: «Wir fragten die Zirkusleute, wie die Stimmung sei. Zum Beispiel sollte der Seiltanz eher etwas Ruhiges, Langsames werden. Simone Menozzi versuchte mit seiner Musik, die Stimmung widerzuspiegeln», sagt Wickihalder. Die Kraft der Musik und der Artisten sei immens. «Wenn man das zusammenbringt, entsteht eine unglaubliche Magie.»

Eine grosse Herausforderung

Es war für die Musikschule eine Herausforderung, ein Projekt dieser Grösse zu organisieren. «Logistisch war es sehr anspruchsvoll. Von der Musikschule hatten wir ein Team aus neun Leitern, die Musik machten. Die Musikerkinder übernachteten in Braunwald und kamen tagsüber in die Zirkusstadt. Die Artistenkinder schliefen in verschiedenen Wohnwagen in der Zirkusstadt», berichtet Wickihalder.

Zum Üben sind die Kinder der Musikschule an verschiedenen Orten in Betschwanden untergebracht worden. Unter anderem wurden die Kirche sowie Saal, Küche und Keller des Pfarrhauses genutzt. «Wir haben etwas gebraucht, dass so nahe wie möglich am Zirkuszelt ist», so Wickihalder.

Der Leiter der Musikschule lobt seine Schüler: «Sie übten so viel wie sonst nie. Wir waren von morgens halb neun bis am Abend um sieben Uhr auf den Beinen. Die Kinder übten drei Stunden am Morgen und vier Stunden am Nachmittag.»

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