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Auf Eiertutsch mit dem Tanzverbot am Karfreitag

Party ja, aber erst nach Mitternacht: So lautet die Ansage der Veranstalter am Karfreitag im «Holästei». Die Analyse eines kreativen Umgangs mit dem noch gültigen Tanzverbot im Kanton.

Südostschweiz
Dienstag, 23. April 2019, 04:30 Uhr Oster-Party
Für die Schokolade gibts einen Kuss auf die Backe: Auch ohne Tanz ist der Osterhase ein beliebter Geselle im «Holästei».
DELIA LANDOLT

von Delia Landolt

Spitzes oder stumpfes Ende voraus? Hinhalten oder zuschlagen? Taktik ist beim Eiertütschen wichtig, ebenso beim Auslegen des Gesetzes über öffentliche Ruhetage. Die des «Holästeis» ging auf. Das Prinzip ist einfach: Barbetrieb bis 23.59 Uhr, Tanz ab Mitternacht. Das ist Ausgehen am Karfreitag 2019 im Kanton Glarus.

Tanzverbot am Karfreitag scheint für manche absurder, als an diesem Tag auf Fleisch zu verzichten: «Viele Leute fragten ganz erstaunt, ob es bis um Mitternacht wirklich nur Barbetrieb gäbe. Keine Party? Das Tanzverbot ist kein Witz?», berichtet die «Holästei»-Geschäftsführerin Rebecca Leuzinger von den Reaktionen am Freitagabend. Seit Oktober des letzten Jahres führt sie zusammen mit ihrem Bruder Jonas Leuzinger das Kulturzentrum «Holästei» in Glarus.

Am Freitag mussten die beiden jungen Geschäftsführer ihre Tanzfläche bis genau null Uhr sperren. Dafür ist «Eiertütschen» angesagt. Auch ein Tutsch mit dem Gesetz?

Eier über die Bar

Die Tanzveranstaltung zeigt: Partykultur stützt auch christliche Traditionen. Oder zumindest deren moderne Interpretation davon. Im gut bevölkerten «Holästei» fühlt sich Ostern an wie zu Kindheitstagen. Denn in das Motto passt der Schokolade-vertickende Osterhase ebenso wie die Liebesschaukel und, natürlich, die gekochten Eier, farbig angemalt. Einen Stutz pro Ei.

Was die politischen Diskussionen anbelangt, halten sich die «Holästei»-Verantwortlichen jedoch zurück. Wichtig sei für sie Aufmerksamkeit, so Rebecca Leuzinger. Auf dem Ring anzutanzen, den blauen Zettel mit seiner breiten Seite nach vorne in die Höhe zu halten, Traktandum Nummer neun, das geht Partygänger wie auch -veranstalter etwas an: «Alle haben frei und sind in Feierlaune. Hohe Feiertage sind sehr umsatzstark», sagt Leuzinger.

«Vorher fanden immer wieder Partys an hohen Feiertagen statt, ohne dass etwas passierte.»

Der sperrende Vorhang vor der Tanzfläche letzten Freitag hat sicherlich für Aufmerksamkeit gesorgt, so wird es auch die Party «Tanzgemeinde» am Samstag vor der Abstimmung tun.

Auf ein vom Aussterben bedrohtes Gesetz muss zuerst aufmerksam gemacht werden, um es dann noch ein bisschen mehr zu vernichten. Aussperren. Denn in geschlossenen Räumen, so der Gegenvorschlag der des Glarner Land- und Regierungsrates, soll künftig an jedem Tag des Jahres getanzt werden dürfen. Fussballmatches hingegen blieben gesetzeswidrig.

Spitze Seite voraus

Glarus ist einer von sechs Kantonen, die noch ein Tanzverbot kennen. Zum Thema wurde es aber erst vor einem Jahr wieder, als ein Konzert im «Holästei» abgesagt werden musste. «Vorher fanden immer wieder Partys an hohen Feiertagen statt, ohne dass etwas passierte», sagt Rebecca Leuzinger. «Es ist gar nicht in den Köpfen der jungen Leute, dass wir ein solches Verbot kennen.»

Ein Verbot, das Kreativität fördert. Der «Veka», Verein zur Erweiterung des kulturellen Angebots, forderte: «Make Love not Tanzverbot». Der Spruch prangte auf dem Programm-Plakat vom letzten Jahr. Oder eben «Eiertütschen» im «Holästei»: Wer tanzen will, muss sich was ausdenken. So hängen Eier-Planeten von der Decke, Luftballone dazwischen. Das DJ-Pult ist in Stroh eingebettet, dazwischen Schoko-Häschen.

Musikgeschichtliche Nachhilfe kommt mit 60er-Sound von «Flower And The Machine», «Orange Sunshine Orchestra» führt die Tanzenden weiter bis ins Heute. Karfreitag 2019. Das Eiertütschen, das hat der Holästei für sich entschieden: spitze Seite voraus, zuschlagen.

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Für mich als ehemaliger Musikant Tanzmusik früher +dann Countrymusiker später, ist das Tanzmusikverbot ein alter Hut.Der grösste Teil der Kantone haben diesen alten Hut schon längst abgeschafft.Ich kann mich noch gut daran erinnern ,als uns vor circa 50 Jahren der Stecker gezogen wurde im GH Ennenda auf der Bühne von der Polizei am Vortag des eidgenössischen Bettages.