×

Jürg Gautschi ist fit für drei

Im Ein-Mann-Theaterstück «Fitness» geht es um den Selbstoptimierungswahn unserer Zeit. Nächsten Dienstag ist in der Klibühni Premiere.

Ruth
Spitzenpfeil
05.01.19 - 04:30 Uhr
Kultur
In der Rolle des Frank zelebriert Jürg Gautschi den Körperkult.
In der Rolle des Frank zelebriert Jürg Gautschi den Körperkult.
OLIVIA ITEM

Sein Personal Trainer wäre bestimmt zufrieden. Jürg Gautschis Liegestütze sind immer noch tadellos. Beim Probenbesuch in der Klibühni in Chur macht diese Szene des Ein-Mann-Theaterstücks besonders Laune. Man ist gespannt, was sich der aus Trun stammende Fernsehjournalist und Autor noch alles hat einfallen lassen, um uns die Welt der Fitnesscenter, der sich selbst optimierenden Manager und der Robotermenschen näher zu bringen. Sein eigenes Gym-Abonnement hat Gautschi inzwischen zwar gekündigt, aber die dort beobachteten Geschichten hat er mitgenommen – und auch die hart erarbeiteten Muskeln.

«Fitness – the Art of Being the Best», das am Dienstag Premiere hat, geht im Kern zurück auf die Kurzgeschichten, die Gautschi schon seit Langem für Radiotelevisiun Svizra Rumantscha (RTR) in der beliebten morgendlichen Reihe zum Besten gibt. Damit aus diesen nur lose zusammenhängenden Mini-Dramen ein ganzes Theaterstück wird, hat sich Gautschi die Hilfe der Theaterfrau Magdalena Nadolska gesichert. Die Regisseurin und Dramaturgin verpasste den nötigen Spannungsbogen und verflocht drei Geschichtenstränge zu einer durchgehenden Handlung.

Zwei Männer und eine Frau

Eindimensional wird es dadurch gewiss nicht. Denn der Autor ist auch sein eigener Darsteller, und dieses Ich sind eigentlich drei. So beobachten wir nicht nur den Hantel drückenden Frank, der sein Training lückenlos multimedial dokumentiert. Wir folgen dem gestressten Speedy durch seinen durchgetakteten Alltag. Und wie Gautschi verrät, treffen wir auch noch die von den modernen Zeiten etwas verängstigte Marilyn, welche mit beiden Männern ein Verhältnis hat.

Ja, auch seine weibliche Seite spielt Gautschi aus. Es soll aber keinen fliegenden Kostümwechsel geben. «Das würde bloss zur Karikatur, und das interessiert mich nicht», so der multiple Selbstdarsteller. Auch für die Szenenwechsel kommt Gautschi mit ganz sparsamen Mitteln aus. Es sind die Töne, die anzeigen, wo wir gerade sind. Für das Stöhnen waren ganz viele der tadellosen Liegestützen nötig.

«Fitness – the Art of Being the Best» Premiere am Dienstag, 8. Januar, 20.30 Uhr. Weitere Aufführungen in der Klibühni in Chur: Donnerstag, 10. Januar, Freitag, 11. Januar und Samstag 12. Januar. Im Cinema Sil Plaz in Ilanz: Donnerstag, 17. Januar, und Freitag, 18. Januar, um 20 Uhr.

Ruth Spitzenpfeil ist Kulturredaktorin der «Südostschweiz» und betreut mit einem kleinen Pensum auch regionale Themen, die sich nicht selten um historische Bauten drehen. Die Wahl-St.-Moritzerin entschloss sich nach einer langen Karriere in der Zürcher Medienwelt 2017, ihr Tätigkeitsfeld ganz nach Graubünden zu verlegen. Mehr Infos

Kommentieren
Wir bitten um euer Verständnis, dass der Zugang zu den Kommentaren unseren Abonnenten vorbehalten ist. Registriere dich und erhalte Zugriff auf mehr Artikel oder erhalte unlimitierter Zugang zu allen Inhalten, indem du dich für eines unserer digitalen Abos entscheidest.
Könnte euch auch interessieren
Mehr zu Kultur MEHR