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Der Somedia-Preis wird zum Preis des Kunstvereins

An der Vernissage der Jahresausstellung in Chur hat Chris Hunter den Somedia-Kunstpreis erhalten. Nun wechselt die Trägerschaft. Ende Januar 2019 wird der nächste geehrte Künstler benannt.

Carsten
Michels
Montag, 10. Dezember 2018, 04:30 Uhr Jahresausstellung in Chur
Andrea Meuli (rechts) übergibt die Buchpublikation an Chris Hunter.
YANIK BÜRKLI

Der Vorabrundgang für die Medien durch die «Jahresausstellung der Bündner Künstlerinnen und Künstler» im Bündner Kunstmuseum in Chur hat es jedes Mal in sich. Im Schlepptau von Hausherr Stephan Kunz nehmen die Medienvertreter in gebotener Eile die zahlreichen Exponate ins Visier. Was ins Auge springt, findet Erwähnung in den Berichten. So auch 2017. Zwei vermeintlich unscheinbare Werke hatten es damals nicht in die Berichte geschafft: «25° I + II». Die beiden von der Sonne gebleichten, in Rahmen gefassten blassroten Kissenbezüge stammten von Chris Hunter. Fundstücke von der Strasse, wie sie Hunter immer wieder gern aufliest und zu Kunstwerken macht.

Die Jury des Somedia-Kunstpreises war auf ihrem eigenen Rundgang aufmerksamer als der Medientross. Von dessen künstlerischem Impetus restlos überzeugt, erkor die Jury den damals 34-jährigen Chris Hunter zum nächsten Preisträger. Ein Jahr brauchte es, bis der Künstler seinen Bildband – darin bestand der mit 30 000 Franken dotierte Preis – in Händen halten konnte. Am Samstag wurde die Publikation öffentlich überreicht. Im Rahmen der Vernissage zur aktuellen Jahresausstellung im Bündner Kunstmuseum (siehe auch Besprechung in der Ausgabe vom Samstag).

Eher melancholisch

Das Buch aus der Reihe «Kunst in der Südostschweiz» umfasst rund 60 Abbildungen von Hunters Arbeiten, Fotos der Auffindesituationen und iPhone-Zeichnungen sowie Texte von Lynn Kost, Stephan Kunz und Andrea Meuli. In seinem Essay verortet Kost das Schaffen Hunters in der Tradition von Marcel Duchamps’ Readymades, aber auch von Daniel Spoerris «Fallenbildern». «Die konzeptuelle Klarheit von Hunters Arbeitsweise», betont Kost, «sein Sinn für Humor und dafür Inhalte auf den Punkt zu bringen, nehmen seinen Werken die intellektuelle Schwere.» Der Künstler selber – er kommt im Buch in einem Gespräch mit Meuli zu Wort – betrachtet seine Arbeiten nicht unbedingt augenzwinkernd. Humor könne hilfreich sein, meint Hunter dazu, er könne «Aufmerksamkeit wecken und vertiefen», aber gerade dadurch auch in Melancholie kippen.

Meuli, Chefredaktor der Zeitschrift «Musik & Theater», überreichte Hunter am Samstag die noch druckfrische Buchpublikation. Hunter, sichtlich erfreut, dankte in offenherzigen Worten. «Ich bin unerwartet nervös, was ich sonst nicht so bin», sagte. Er freue sich über den Preis, besonders freue ihn aber, dass es im kommenden Jahr wohl doch eine ähnliche Ehrung gebe. Hunters Nachfolge wird an der Finissage Ende Januar benannt.

Buchpublikation läuft weiter

Tatsächlich wird Hunter der letzte Preisträger des Somedia-Kunstpreises sein. Wie Kunstmuseums-Co-Direktor Kunz dem Publikum verriet, ist der Bündner Kunstverein in die Bresche gesprungen, nachdem Somedia im Herbst verkündet hatte, den Preis nicht fortzuführen. Die Buchreihe werde weiterhin erscheinen, sagte Kunz.

2006 hatte das Bündner Medienhaus die Aktion «Kunst in der Südostschweiz» ins Leben gerufen, gemeinsam mit den Churer Galerien Vonlanthen, Fasciati und Crameri. Ziel war es, zeitgenössische Bündner Kunst zu fördern – durch den jährlichen Ankauf von Kunstwerken und Einzelausstellungen. 2011 ging daraus der Somedia-Kunstpreis hervor respektive die Buchpublikation in Zusammenarbeit mit dem Bündner Kunstmuseum. Preisträger seit 2006 waren Stefan Rüesch, Georg Tannò, Gabriela Gerber/Lukas Bardill, Stephan Schenk, Martin J. Meier, Jules Spinatsch, Isabelle Huber-Kappeler, Peter A. Dettling, Javier Miguel Verme, Evelina Cajacob, Ester Vonplon, Remo Albert Alig, Katharina Vonow, Miguela Tamo – und Chris Hunter.

Grussbotschaft à coup perdu

Turbulenz zu Beginn des Abends: Als der scheidende Regierungsrat Martin Jäger seine Ansprache zur Ausstellungseröffnung hielt, wurde er kurzzeitig von einem alten Bekannten unterbrochen. Wolfram Frank, Theaterregisseur der einstigen Künstlergruppe In Situ (1986–2012), wollte den Anlass offenbar nutzen, um alte Rechnungen mit dem Kulturminister zu begleichen. Was Frank vorbrachte, blieb unverständlich. Auch weil das genervte Publikum ihn schon bald lautstark übertönte.

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