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Giacobbo/Müller unterziehen sich einer Therapie

Im Bühnenprogramm «In Therapie» – einer Art Spin-off der Late-Night-Show auf SRF zwischen 2008 und 2016 – stellen sich Viktor Giacobbo und Mike Müller ihren angeblichen Neurosen und gehen auf Konfrontationskurs mit dem Publikum im Joner «Kreuz». Dieses amüsierte sich dabei bestens.

Linth-Zeitung
Montag, 26. November 2018, 04:31 Uhr Zwei Spassvögel im «Kreuz»
Viktor Giacobbo und Mike Müller zeigen sich in Jona in Bestform und sorgen für viele Lacher.
ALEXANDRA GREEFF

von Alexandra Greeff

Verunsichert und unbeholfen traten Viktor Giacobbo und Mike Müller am vergangenen Samstagabend vors applaudierende Publikum, das den grossen Saal im «Kreuz» in Jona bis auf den letzten Stuhl besetzte. Damit nahm die zweistündige Therapiesitzung mit Coach Dominique Müller und Musiker Daniel Ziegler ihren Anfang. Seit Giacobbo und Müller nämlich nicht mehr auf Sendung sind, leiden sie an der Neurose «Giacobbo/Müller». Sie haben Minderwertigkeitskomplexe, Grössenwahn, Angst vor der Kamera und merken, dass sie jeden Tag älter werden.

Beissende Selbstkritik

Nachdem alle klassischen Therapien versagt haben, verspricht der therapeutische Ansatz von Dominique Müller endlich Abhilfe und Besserung: Dominique Müller, der als Coach durch die Therapiesitzung leitet, ist überzeugt, dass die beiden Künstler nur geheilt werden können, wenn sie den Verursachern ihrer Neurosen – also dem Publikum – ins Angesicht sehen.

Gleich mehrere Anläufe brauchten Giacobbo und Müller, um ihre Verunsicherung abzulegen und ihren verdienten Platz auf der Bühne einzunehmen. «Die Künstler glauben, dass sie ohne Sendung keine Spannung erzeugen können», erklärte Therapeut Dominique Müller das seltsame Verhalten.

Dreimal hintereinander, wie in einer Übungssequenz, traten die beiden vors Publikum, um dann wieder im Streit oder beschämt hinter dem Vorhang zu verschwinden. Als dann endlich zwei bequeme Büro- oder Therapiestühle und Giacobbos heiss geliebte Kaffeemaschine herbeigebracht wurden, konnten Giacobbo und Müller endlich einigermassen beruhigt Platz nehmen und sich auf die zweistündige Therapie einlassen.

Mit beissender Selbstkritik und der gleichzeitigen hoffenden Erwartung, gross rauszukommen, analysierten und kommentierten Giacobbo und Müller ihre künstlerische Karriere, nahmen sich gegenseitig hoch und erlaubten dabei auch mal einen Blick in die alltäglichen Probleme und Sorgen hinter der offiziellen Sendungskulisse. Hin und wieder wagten sie sich sogar bis zum Rand der Bühne und warfen einen Blick in den Abgrund: ins voyeuristische Publikum, das jedes Wort und jede Bewegung mitverfolgte und lachend, klatschend oder mit beunruhigender Stille quittierte.

Spannung während der Pause

Als der Therapeut eine 15-minütige Pause ankündigte und die Bühne verliess, blieben Giacobbo und Müller gespielt irritiert und trotzig auf der Bühne stehen: «In den Fernsehsendungen gab es nie Pausen.» Giacobbo und Müller nutzten die 15 Minuten Pause gekonnt als Gelegenheit, mit dem Publikum – das seinerseits belustigt bis verwirrt sitzen blieb – auf Tuchfühlung zu gehen. «Können Sie die Spannung während der Pause auch nicht aushalten?», fragten die Künstler mit Blick auf die Uhr. «Jetzt haben Sie nur noch wenige Minuten. Wer weiterhin sitzen bleibt, muss sicher sein, dass es bei ihm nachher nicht unten rauströpfelt.» Als ein älterer Herr nach diesem Kommentar mutig aufstand und in Richtung Tür marschierte, reagierte das Publikum spontan mit lautem Lachen und Applaus.

Endlich kamen die «Egoisten», die sich von der grossen Mehrheit absonderten und aus der Pause tatsächlich eine Pause machten, zurück und richteten sich auf ihren Stühlen wieder ein. Ein mitleidiger «Rückkehrer» aus den mittleren Reihen warf den hungernden Künstlern auf der Bühne einen Schokoriegel zu. Dieser flog jedoch sogleich in hohem Bogen wieder zurück: «Danke, aber zwischen uns liegt eine dicke Trennwand», erklärten die Künstler und fielen zurück in ihre Publikumsneurose.

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