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Ein Literaturfestival widmet seine erste Ausgabe der Frau

Die Rumantschia erhält ein neues Literaturfestival. In Scuol findet am 29. und 30. September die erste Ausgabe von «Litteratura Nairs» statt.

Fadrina
Hofmann
Sonntag, 23. September 2018, 04:30 Uhr «Litteratura Nairs»
Das Kulturzentrum Nairs bei Scuol beherbergt das Festival «Litteratura Nairs».
ROLF CANAL

Das «Weibliche» im rätoromanischen Schreiben ist das Thema der ersten Ausgabe von «Litteratura Nairs». Das Wochenende vom 29. und 30. September steht ganz im Zeichen der Feuerlilie, dem Symbol für die Weiblichkeit. Daher auch der Titel in Vallader: «Machöas».

«Dieser Titel war schnell gesetzt, denn die Feuerlilie ist eigentlich eine Gartenlilie, die aber als Feuerlilie auch einzeln wild wächst – das ist eine schöne Metapher für eine starke Frau», erläutert Flurina Badel, die Co-Kuratorin des neuen Literaturfestivals. Gleichzeitig töne «machöa» nach Macho, was wunderbar frech sei.

Namhafte Ladins in Nairs

Entstanden ist die Idee zu «Litteratura Nairs» im Zusammenhang mit dem 30-Jahr-Jubiläum des Zentrums für Gegenwartskunst Nairs bei Scuol. Das Jubiläumsjahr ist der Frau in der Kunst gewidmet. Es ist also kein Zufall, dass die zweitägige rätoromanische Literaturveranstaltung im Zentrum für Gegenwartskunst Nairs ebenfalls der Frau gewidmet ist – und gleich noch von zwei Frauen kuratiert wird. Flurina Badel aus Guarda und Bettina Vital aus Ardez haben das zweisprachige Programm mit Vorträgen, Gesprächen, Liedern und Lesungen auf die Beine gestellt. Und sie konnten namhafte Persönlichkeiten für ihr Festival gewinnen.

Rico F. Valär, Professor für rätoromanische Literatur und Kultur an der Universität Zürich, wird mit Experten über Stereotypien und Klischees weiblicher Protagonistinnen in rätoromanischen Werken diskutieren. Die Verlegerin Mevina Puorger spricht über den literarischen Schatz von Selina Chönz, der weit über die Kindergeschichte «Schellen-Ursli» hinausgeht.

Der Musiker Men Steiner referiert konzertant über die Rolle der Frau in den Volksliedern des Unterengadins. Und auch eine zeitgenössische Annäherung an die «ritscha», die im Engadin vielverbreitete Wasserfrau, steht auf dem Programm.

Weiter lesen Autorinnen und Autoren zum Thema, darunter Jessica Zuan, Gianna Olinda Cadonau, Dumenic Andry oder Leta Semadeni. Am Samstagabend wagen die rätoromanische Schriftstellerin Rut Plouda und die deutsche Schriftstellerin Angelika Overath sogar ein Improvisationsexperiment gemeinsam mit der Schlagzeugerin Valeria Zangger.

Reflexion steht im Mittelpunkt

Das neue rätoromanische Literaturfestival in Nairs findet nur rund einen Monat vor den etablierten «Dis da litteratura» in Domat/Ems statt. «Wir wollen in keinem Fall etwas machen, das konkurrenziert», betont Badel. «Im Gegenteil: ‹Literattura Nairs› soll ergänzen.» Deswegen habe das Festival in Nairs auch ein anderes Konzept. Es ist eng thematisch gebündelt. Es gleicht damit einem Kolloquium mit Vorträgen und Lesungen. Hinzu kommt die Zweisprachigkeit.

«Wir haben ganz bewusst einen zweisprachigen Block gesetzt», sagt Badel. Unter anderem wurde Franziska Frei Gerlach eingeladen, die über aktuelle Projekte der literaturwissenschaftlichen Genderforschung spricht. «Wir wollen die Reflexion der Texte in den Mittelpunkt stellen, kritische Gespräche lancieren, und wir wollen inspirieren», so Badel. «Literattura Nairs» setze stark auf den Diskurs. «Es hat durchaus Platz für mehr als einen grossen Literaturanlass in der Rumantschia.»

Anlass für ein breites Publikum

Mit dem wissenschaftlich-literarischen Ansatz bietet «Litteratura Nairs» eine Plattform für eine thematische Auseinandersetzung auf hohem Niveau an. «Das Ziel ist natürlich, ein breiteres Publikum anzusprechen», sagt Badel. Im Bereich der rätoromanischen Literatur gebe es allerdings mehr Leute, die zur Elite gehörten, als in einer anderen Sprachgemeinschaft. «Wer sich mit der rätoromanischen Literatur auseinandersetzt, tut dies vertieft.»

Das detaillierte Programm findet sich unter www.nairs.ch.

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