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Zwei Musiker, ein Ziel

Die beiden Glarner Rapper Radical und YT haben einander gefunden – für eine gemeinsame Platte. Sie sehen aber auch sonst einiges gleich.

Südostschweiz
Dienstag, 04. September 2018, 04:30 Uhr Glarner Rapper
Die Glarner Rapper YT (links) und Radical haben den Song zur Aktion geliefert.
PRESSEBILD

Die beiden Glarner Rapper Radical aka Peter Baumgartner und YT aka Yannick Tinner taufen am Freitag im Holästei ihr gemeinsames Album «Vrenelisgärtli». Die «Südostschweiz» gesellte sich mit den beiden in den Bandraum ins Holensteinareal, stellte Fragen, lauschte aber grösstenteils einfach dem angeregten Gespräch der beiden.

War der Entstehungsprozess des Albums ein langer, oder ging das zügig?

Ich würde sagen normal. Elf Songs in einem Jahr schreiben, aufnehmen, mixen, das finde ich kein schlechtes Tempo. Zumal wir beide ja auch arbeiten und das Studio nicht um die Ecke liegt. Das ist schon ganz okay. Du kannst das andererseits auch nicht mit einem Soloalbum vergleichen. Dort musst du noch mehr beitragen. An meinem letzten Solo-Album habe ich fast zweieinhalb Jahre gearbeitet. Das waren 17 Songs. Da schreibst du logischerweise fast doppelt so viel.

Dafür muss mehr Kommunikation zwischen euch beiden stattfinden, da kann ja nicht jeder einfach sein Ding machen, oder?

Ja, klar. Wobei, das habe ich nie als Zeitfressen empfunden.

Der Input des anderen ist auch immer eine Unterstützung. Du bist ja auch zu zweit mit Ideen.

Stimmt, das beschleunigt den Prozess. Das macht die Zeit locker wett, die man länger braucht, wenn man mal auf einen Part vom anderen warten muss. Aber gross aufeinander warten mussten wir eh nie.

Die Voraussetzung ist, dass es funktioniert. Und das tut es bei uns.

Es funktioniert so gut, dass es zum Song «#Herbschtimschlitz» auch eine Kampagne geben wird, könnt ihr dazu schon etwas verraten?

Ja, da konnten wir eine coole Geschichte mit dem Kanton aufgleisen. Die Idee war zunächst nur, mit einem Hashtag für den Song zu werben, wenn es dann auch wirklich Herbst im Schlitz ist. Irgendwann kamen wir drauf, dass das für das Kantonsmarketing und den Tourismus auch spannend sein könnte. Eine Medienmitteilung folgt noch, so viel kann ich vorwegnehmen: Es wird eine Ausstellung zum Thema «Bergwelt» in der Kantonalbank geben. Unser Song wird dort eine Rolle spielen.

Dazu wird es auch noch ein Video geben, das wäre dann das vierte, drei gibt es ja bereits.

Ja. Das erste war zu «Tränämeer», was ein recht tiefgründiger Song ist.

Da war schon beim Schreiben klar, dass wir ein Video machen wollen.

Und das Video hat cliptechnisch auch am meisten Resonanz bekommen. Das zweite Video war zu «Status». Da wurde das Video auch super.

Etwas ganz anderes halt.

Ja, mehr Battlerap.

Natürlich vom Song her ganz anders, aber auch vom Video her: nicht Landschaft und draussen und schön. Das war bei meinen Videos in der Vergangenheit meist der Fall.

Hier jetzt auch mit schnellen Schnitten und vielen Effekten.

Das war auch ein cooler Drehtag!

Absolut. Dann haben wir noch das Video zum Song «Sturm». Hier gingen wir wieder raus, in die Landschaft.

Das ist ein optisch geiles Video. Wir müssen nicht irgendwelche Ghettoblockvideos machen. Wir wohnen hier und verheimlichen das auch nicht. Es ist hier eben einfach schön. Warum nicht das nach aussen tragen?

Vor allem passt das Video zum Song. Wir hätten zwar noch ein paar Sturmaufnahmen mehr gebrauchen können.

Das Wetter kannst du halt nicht beeinflussen. Wir hatten ein enges Zeitfenster von zwei Wochenenden für das Video – und es war halt schön, nur schön.

Da darf man sich ja auch nicht beklagen. Das Video wurde trotzdem gut.

Lasst uns auch noch ein bisschen über die Stücke sprechen.

Gut, der erste Song zum Beispiel: «Sturm». Das ist ein Lied, das ich jetzt noch besonders cool finde.

Wenn jemand fragen würde, was typisch für uns ist, würde ich sicher auch «Sturm» nennen. Er hat einen gewissen Inhalt und ist voll authentisch, weil unser beider Geschichten im Text sind. Vom Beat her hat er schöne Melodien, ist trotzdem modern. Das widerspiegelt wohl den Sound von uns beiden nicht schlecht.

Ging das Schreiben immer flüssig, oder harzte es manchmal auch?

Na, es gab einen Song, der lange auf der Kippe stand. Wir waren uns nicht sicher, ob er es auf das Album soll. Aber eigentlich musste er.

Ich nehme an, du meinst «Vrenelisgärtli».

Ja. Das Endprodukt hatte nicht diesen Wow-Effekt, wie alle anderen Songs von Beginn weg hatten. Das hatte aber auch damit zu tun, dass der Beat in jener Version, die wir beim Schreiben hatten, eine Rohfassung war. Dann gab es aber auch Songs, die anspruchsvoll zu schreiben waren, und wir hatten trotzdem nicht ewig. «Jedä kännt jedä» ist der Song, bei dem wir anfangs längere Parts einzeln haben und uns am Schluss teilweise sogar nach jedem Wort abwechseln. Das war zum Schreiben relativ komplex.

Das wäre nicht möglich gewesen, wenn wir zum Schreiben nicht zusammengesessen wären. Live wird es bestimmt auch geil, dieser schnelle Wechsel zwischen uns auf der Bühne.

Ja, das kommt bestimmt noch besser zur Geltung als auf der CD.

Schauen wir uns doch noch schnell an, welche Songs am meisten oder am wenigsten auf der Musikplattform Spotify gehört werden.

Am wenigsten wird, glaube ich, «#Herbschtimschlitz» oder «Jedä kännt jedä» gehört.

Ich sage, es ist «Keis Problem» (schaut auf seinem Handy nach). Das ist der zweitletzte, der letzte ist «Jedä kännt jedä» – in den letzten 28 Tagen.»

Ja genau. Ich habe die Statistik letzthin angeschaut.

Ich kann diese Rangliste aber auch nachvollziehen. «Jedä kännt jedä» ist für Leute, die nicht so oft Rap hören, vielleicht etwas zu viel. Mit all den Wechseln ist das wohl etwas zu komplex.

Oder die Hook gefällt nicht.

Und der Beat ist auch speziell. Daher kann ich das schon ein Stück weit verstehen. «Keis Problem» gefällt mir persönlich. Aber ich kann nachvollziehen, dass er nicht jedem gefällt. Der Text kommt etwas abgehoben rüber so à la «scheiss auf euch, wir sind krass».

Der Song ist eben nicht so tiefgründig und einfach ein Raptrack.

Ich finde, er pumpt geil.

«Ja! Aber es ist schon seltsam mit dem Ranking. Dass «Vrenelisgärtli» auf Platz 4 ist, hätte ich nie gedacht. Der Song stand lange auf der Kippe. «Countdown» ist auch so weit vorne, das erstaunt mich ebenfalls.

Das erstaunt mich überhaupt nicht, der pumpt einfach.

Ja, logisch pumpt er, und der Beat ist nicht voll trappig. Geschmäcker sind eben verschieden. Spannend ist es aber jeweils schon zu sehen, welche Favoriten sich bei den Hörern heraus kristallisieren.

Live wird es am Freitag auch spannend zu sehen sein, welche Songs beim Publikum ankommen. Die Vorfreude ist bei mir gross.

«Spannend ist es aber jeweils schon zu sehen, welche Favoriten sich bei den Hörern heraus- kristallisieren.»

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