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Es regt sich was in Mili Webers Wunderwelt

Die neue Leitung will das zauberhafte Museum im Wald bei St. Moritz vorwärtsbringen. Dafür wird jetzt einiges unternommen.

Ruth
Spitzenpfeil
11.07.18 - 04:30 Uhr
Kultur
Kindliche Fabelwesen bevölkern Mili Webers Fantasiewelt
Kindliche Fabelwesen bevölkern Mili Webers Fantasiewelt
ARCHIVBILD MILI WEBER

Es ist das vielleicht wundersamste Museum im ganzen Kanton. Wer in St. Moritz den Weg zum versteckt liegenden Haus der Mili Weber findet, hat das Gefühl, ein Märchenbuch zu betreten. Die Künstlerin, die hier 60 Jahre lebte, wirkte selbst wie eine Fee. Sie erschuf sich eine Welt, in der die Natur von kindlichen Wesen bevölkert ist, die glücklich in Blumenkelchen oder unter Plizhüten leben.

Mit der Zeit gestaltete die in München ausgebildete Malerin alle Räume ihres Heims ganz nach dieser Fantasie um. Kein Zentimeter des verwinkelten Chalets blieb von ihrem Pinsel unberührt. Dazu fertigte sie Tausende von weiteren Objekten. Eines ihrer Ölbilder wurde jüngst für 44 000 Franken ersteigert. Ihre Aquarelle sind als Postkarten ein beliebtes Souvenir.

«Wir sind definitiv aus dem Dornröschenschlaf erwacht»

Das von einer Stiftung gehütete Gesamtkunstwerk war lange ein Geheimtipp, die Zeit schien mit dem Todesjahr Webers 1978 stehengeblieben. Seit Oktober hat die Stiftung aber eine neue Leitung. Sibylla Degiacomi bringt tüchtig Schwung in die Angelegenheit. Die erfahrene Touristikerin erarbeitete mit der kantonalen Denkmalpflege ein sanftes Sanierungskonzept, stiess die Sicherung und Aufarbeitung des künstlerischen Nachlasses an und unternimmt viel, um das einzigartige Werk bekannter zu machen.

Am Mittwoch, 11. Juli, wird in St. Moritz ein ordentlicher Förderverein gegründet, in dem das Engagement der vielen Freunde des zauberhaften Museums gebündelt wird. Zum Ärger von Degiacomi ist das Mili-Weber-Haus Anfang Jahr bei der Verteilung der 600'000 Franken für regionale Kulturinstitutionen vom Kanton übergangen worden. Sie kämpft jetzt um Alternativen. «Wir sind definitiv aus dem Dornröschenschlaf erwacht», sagt sie.

Ruth Spitzenpfeil ist Kulturredaktorin der «Südostschweiz» und betreut mit einem kleinen Pensum auch regionale Themen, die sich nicht selten um historische Bauten drehen. Die Wahl-St.-Moritzerin entschloss sich nach einer langen Karriere in der Zürcher Medienwelt 2017, ihr Tätigkeitsfeld ganz nach Graubünden zu verlegen. Mehr Infos

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