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«Es geht darum, sich seiner Stärken bewusst zu werden»

Alle vier Jahre braucht der Kanton ein neues Konzept für die Kulturförderungspolitik. Am Donnerstag hat sie das Kulturdepartement angewiesen, ein solches auszuarbeiten. Wir haben uns mit «Südostschweiz»-Kulturredaktor Valerio Gerstlauer über Stärken der Bündner Kultur, stiefmütterliche Behandlung und Projekte mit grosser Strahlkraft unterhalten.

Gian Andrea
Accola
Donnerstag, 11. Januar 2018, 16:06 Uhr Interview mit Kulturredaktor
Die Regierung will ein neues Konzept für die kantonale Kulturförderung.
MARCO HARTMANN

Die Bündner Regierung hat das Erziehungs-, Kultur- und Umweltschutzdepartement (Ekud) – so, wie es das Gesetz nach dem Ablauf einer Phase von vier Jahren vorsieht – beauftragt, ein neues umfassendes Kulturförderungsprogramm auszuarbeiten. Bis Ende 2019 soll das Ekud – vorerst noch unter der Leitung des scheidenden Regierungsrats Martin Jäger – die derzeitige Ist-Situation abbilden, heisst es in einer Mitteilung vom Donnerstag.

Ausserdem fordert die Regierung vom Ekud, Schwerpunkte für die Förderungspolitik zu setzen. Ausserdem soll das Konzept Wege und Massnahmen aufzeigen, die zu einem zu definierenden Soll-Zustand führen. Um die Vorgaben der Regierung etwas fassbarer zu machen, hat sich «suedostschweiz.ch» mit Valerio Gerstlauer, Kulturredaktor der Zeitung «Südotschweiz», unterhalten.

Wie beurteilst Du den Status Quo in der kantonalen Kulturförderung?
VALERIO GERSTLAUER: Das Amt für Kultur und die Kulturkommission machen ihre Arbeit mit grossem Einsatz und mit Herzblut. Man hatte jedoch bis anhin das Gefühl, dass die professionellen Kulturschaffenden und grosse Veranstalter wie etwa das Festival da Jazz in St. Moritz bisweilen stiefmütterlich behandelt wurden. Ich vermute, dass Regierungsrat Martin Jäger sich mehr der Laienkultur verbunden fühlt.

Es gibt immer wieder Stimmen von Kulturschaffenden, die den Kanton dafür kritisieren, die Kultur nicht in ihrer ganzen Breite zu fördern und gewisse Projekte mit grosser Strahlkraft bevorzugt zu behandeln. Stichwort Giovanni Netzer und Origen.
Diese Stimmen sind meiner Meinung nach wenige und nicht gerechtfertigt. Wie gesagt, der Kanton förderte bisher vor allem in die Breite. Schwerpunkte setzte er nicht. Mit dem Konzept wird sich dies hoffentlich ändern. Punkto Origen muss man sagen, dass dieses Theaterfestival nicht nur von Jägers Departement gefördert wird, sondern auch vom Amt für Wirtschaft und Tourismus. Dies, weil Intendant Giovanni Netzer Infrastrukturprojekte voranbringen will.

Wie kann der Kanton sicherstellen, dass die Kultur in ihrer ganzen Breite gefördert wird?
Bei der Erarbeitung des neuen Konzepts werden laut Mitteilung Vertreter aller relevanten Kulturorganisationen - sowohl in der Projektgruppe als auch in der Begleitgruppe - Einsitz nehmen. Dadurch sollte sichergestellt sein, dass alle Kultursparten weiterhin angemessen gefördert werden.

Ein anderes Problem scheint zu sein, dass eine breite Förderung nicht für alle ersichtlich ist. Fehlt es dem Ekud an Transparenz?
In Sachen Transparenz hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. Die Abläufe, wie ein Förderungsgesuch bearbeitet wird, liegen offen.

Vom Konzept fordert die Regierung Wege und Massnahmen zum Erreichen einer zu bestimmenden Soll-Situation. Wie könnte diese Soll-Situation konkret aussehen?
Obwohl viele Kulturschaffende auf dieses Wort allergisch reagieren, würde ich es begrüssenswert finden, wenn man kulturelle Leuchttürme definieren würde. Das können aber auch übergeordnete Ziele sein, die der Kanton in Sachen Kultur innerhalb eines gewissen Zeitraums erreichen will. Grundsätzlich geht es darum, sich seiner Stärken bewusst zu werden.

Auch von Schwerpunkten für die Förderungspolitik ist die Rede. Welche Schwerpunkte sollten Deiner Meinung nach für die folgenden vier Jahre gesetzt werden?
In meinen Augen verfügt Graubünden vornehmlich über Stärken in der Bildenden Kunst, in der Architektur, im Theater und in der Chormusik. Diese Bereiche könnten dauerhaft und vorzugsweise gestärkt werden und nicht nur während einer Periode von vier Jahren. Mit Blick auf die Vierjahresperiode gilt es, einzelne Projekte und Institutionen zu identifizieren, die in diesem Zeitraum die grösste Strahlkraft entwickeln oder einer Region zum grössten Vorteil gereichen könnten.

 

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