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Im Glarner Nachtleben gehen drei Lichter aus

Die Glarner Nachtbeizen-Szene wird derzeit durchgeschüttelt. Zwei Wirte in Glarus und einer in Netstal hören auf. Wie die Zukunft der Lokale aussieht, ist ungewiss.

Martin
Meier
Donnerstag, 07. Dezember 2017, 04:30 Uhr Glarner Nachtbeizen-Szene
«Ausgebeizt» im «Ochsen»: Pächterin Zorica möchte sich beruflich weiterentwickeln.
SASI SUBRAMANIAM

In einer Ecke steht David; aus Stein gehauen, kleiner als der echte und weitaus bescheidener als die bedeutendste Skulptur der Kunstgeschichte, die Künstler Michelangelo aus Carrara-Marmor in Form gebracht hat. «David» ist denn auch das einzige Italienische, das in der «Linde» anzutreffen ist – nebst einigen Gästen. Hinter der Theke steht seit zehn Jahren eine Ungarin: Zsanett. Aus den Boxen klingt Radio Swiss Pop, ohrwurmt die Norwegerin Maria Mena mit «All This Time». Geredet wird auf den Hockern über Alltagsdinge wie die nächste Island-Tour von «Tödi-Reisen», gelacht wird über die Glarner Witze von Richi Bertini.

Zsanett schenkt jetzt Kaffee und anderes aus ...

Aber diese kleine Kneipe gibt es schon morgen nicht mehr. Am 8. Dezember ist Schluss. Ab dann mixt Zsanett in der «Linden-Bar» abends keine Drinks mehr. Ab dem 26. Februar 2018 schenkt sie dafür in ihrem Bistro Kaffee und anderes aus – zwischen 6 und 17 Uhr, gegenüber der Migros in Niederurnen, bei «Zsanett». Wie es mit der «Linde» weitergeht, weiss sie nicht.

... Zorica möchte sich beruflich weiterentwickeln ...

Nur einige Gehminuten von der «Linden-Bar» entfernt, auf dem Platz, auf dem Anfang Mai Politik gemacht wird, macht es jetzt «hip und hop». Eine gelb-, grün-, rot- und blau scheinende Lichterkette animiert zum Einkehren. In der «Ochsen-Bar» trifft sich die jüngere Generation. Geredet wird auch hier über das Alltägliche. Die Möchtegern-Machos reden vor allem über Frauen, der Maler über die Nuss, die er heute mit seiner Farbwahl knacken musste, und der Bahnangestellte über die regelmässigen Zugverspätungen, die er zu erklären weiss, als ob die SBB ihm gehörten. Der Ärmste wird aber auch regelmässig gehänselt, wenn die Züge nicht fahrplanmässig ankommen.

Und auch der Marlboro-Man gastiert im «Ochsen». Viele qualmen wie die Bürstenbinder. Den Rauch zieht es durch die Lüftung ab, in der er verschwindet wie ein Polarlicht am Himmelszelt. Und verschwinden wird auch hier jemand nach dem 6. Januar 2018. Pächterin Zorica hat genug: Sie möchte sich beruflich weiterentwickeln, vielleicht in Zukunft mehr mit Kindern als mit erwachsenen Teenagern arbeiten.

Wie es mit dem «Ochsen» weitergeht, weiss sie nicht. Das weiss auch Hausbesitzer Fritz Vögeli noch nicht so genau. «Es soll aber weitergehen», sagt er. «Nur wie steht noch in den Sternen.»

... und «Black» geht in die wohlverdiente Pension

Von wegen «aller guten Dinge sind drei»: Ausgespielt haben bald auch die Gäste des «Sternen» in Netstal – wenigstens am «Töggelikasten» des einstigen FCZ-Kickers «Black». «Ich gehe in Pension», meint Pächter Albert Wyss, der sich darauf freut, in Zukunft mehr im Garten zu arbeiten und zu kochen. Und dann gibt «Black» die gute Nachricht bekannt: «Nach einem Umbau soll die ‘Sternen’-Bar wieder aufgehen.»

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