Ein Fabrikant namens Trümpy
Am 28. Oktober feiert das Theater Glarus mit dem Stück «Streikglocke» Premiere – eine alte Glarner Geschichte lebt wieder auf.
Am 28. Oktober feiert das Theater Glarus mit dem Stück «Streikglocke» Premiere – eine alte Glarner Geschichte lebt wieder auf.
Von Anja Mittner
Maurizio Piva, im normalen Leben sind Sie Leiter der Services im Werbemarkt bei der Somedia Promotion, doch schon bald stehen Sie im neuen Stück «Streikglocke» als Fabrikant Egydius Trümpy auf der Bühne. Sind Sie schon nervös?
Ich freue mich sehr, aber ein wenig angespannt und nervös bin ich natürlich schon. Ich glaube, das gehört auch ein bisschen zum Theaterspielen dazu.
Wie ist es denn dazu gekommen, dass Sie die Hauptrolle spielen?
Im März war das Casting – natürlich nicht so eins, wie bei Supertalent oder so – bei dem wir für verschiedene Rollen vorlesen mussten. Am Schluss musste man sagen, welche Rolle man am liebsten spielen würde, und da habe ich unter anderem Egydius Trümpy genannt. Was danach abgelaufen ist, weiss ich nicht – auf jeden Fall habe ich jetzt die Hauptrolle bekommen.
Wie viel Maurizio Piva steckt im Fabrikant Trümpy?
Eigentlich nicht viel. Ich bin ein ganz anderer Typ als Egydius Trümpy. Ich bin eher der ruhige, introvertierte Typ, der zwar ab und an auch gerne im Mittelpunkt steht – aber so wie Trümpy bin ich nicht. Ein Bild von Trümpy sollen sich die Zuschauerinnen und Zuschauer dann beim Besuch des Theaterstücks selber machen. So viel vorneweg: Auch er hat das Herz am rechten Fleck.
Entspricht das Stück der historischen Realität, oder ist viel Fantasie eingeflossen?
Die Geschichte entspricht grundsätzlich den historischen Gegebenheiten, aber sie wurde mit unterhaltenden Elementen gespickt, wie das im Theater meistens so üblich ist.
Wann haben Sie mit den Proben angefangen?
Mitte April wurden die Rollen verteilt und ab Mai wurde je nach Rolle ein- bis zweimal die Woche rund 21/2 Stunden geprobt. Dazwischen gab es ferienbedingt den einen oder anderen Unterbruch. Jetzt, so kurz vor der Premiere, proben wir fast täglich.
Wie haben Sie es geschafft, seitenlange Manuskripte auswendig zu lernen?
Ich bin am Morgen, vor der Arbeit, jeweils früher aufgestanden und habe meine Sätze eine Stunde lang gebüffelt. Auf dem Weg zur Arbeit, nach Chur, habe ich dann das Radio ausgeschaltet und versucht, die Sätze aus dem Gedächtnis aufzusagen. Mein Ziel ist es, denn Text nicht auswendig, sondern inwendig zu können. Und irgendwann konnte ich ihn dann auch nicht nur einfach aufsagen, sondern er kam aus tiefstem Inneren.
Was ist für Sie die grösste Schwierigkeit am Schauspielern?
Sich mit der Rolle zu identifizieren, wie jetzt bei Egydius Trümpy. Man schlüpft nicht in eine komplett neue Rolle, sondern man belebt sie durch die eigene Person. 20 Stunden Maurizio Piva und dann während vier Stunden in eine andere Rolle zu mutieren, ist spannend – aber auch anspruchsvoll. Übrigens kann ich nirgendwo so gut vom Alltagstrott abschalten wie beim Theaterspielen.
Warum sollten die Glarnerinnen und Glarner die «Streikglocke» unbedingt sehen?
Die Geschichte hat sich vor 180 Jahren im Glarnerland abgespielt. Die Besucher können durch die gegenüberstehenden Zuschauertribünen die Konflikte zwischen den Parteien, die bis zum ersten TextilarbeiterStreik in Europa geführt haben, hautnah miterleben. Humor und Unterhaltung kommen dabei sicher nicht zu kurz!
Die «Streikglocke»
Egydius Trümpy, seines Zeichens Inhaber und Patron der Stoffdruckerei «Schloss» in Glarus, liess im Jahr 1837 eine Glocke im Turm seiner Fabrik aufhängen. Nicht etwa aus ästhetischen Gründen, sondern damit seine Arbeiter endlich pünktlich am Arbeitsplatz erschienen. Wer nicht beim Glockenschlag am Platz war, dem wurde die Hälfte des noch so kleinen Tageslohns gestrichen. Für die Arbeiter, die meist mehr als eine Stunde zu Fuss zur Arbeit laufen mussten und mit ihrem Lohn nur knapp die Familie ernähren konnten, ging diese Bevormundung durch die Glocke zu weit. So zettelten sie einen Streik an – den ersten Streik europaweit. Eine überarbeitete, historisch fundierte Fassung des Theaterstücks von Kaspar Freuler kommt auf die Bühne des Theaters Glarus.
Premiere am Samstag, 28. Oktober, im Schützenhaus Glarus. Weitere Daten unter www.theater-glarus.ch. Vorverkauf bei der «Glarner Sach», Telefon 055 645 61 42.
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