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Ein Jungtalent spielt in Glarus

Mit dem 30-jährigen Andrew Tyson kommt heute Samstag ein amerikanischer Pianist in die Kanti-Aula, der zu den Besten seines Fachs gehört.

Südostschweiz
23.09.17 - 13:53 Uhr
Kultur
Er gehört zu den Besten seines Fachs: der Pianist Andrew Tyson.
Er gehört zu den Besten seines Fachs: der Pianist Andrew Tyson.
PRESSEBILD

von Martin Zimmermann

Er ist einer der härtesten Klavierwettbewerbe überhaupt: der Concours Géza Anda, der alle drei Jahre in Zürich stattfindet. Volle fünf Stunden Klaviermusik von höchstem Schwierigkeitsgrad, darunter zwei Klavierkonzerte mit Orchester, müssen die jungen Künstlerinnen und Künstler vorbereiten und innert wenigen Tagen in vier öffentlichen Konzerten aufführen – selbstverständlich auswendig und so gut wie fehlerfrei.

Das Finale in der Tonhalle Zürich ist jeweils ein langer Konzertabend – und spannend wie ein Krimi. Das Publikum fiebert mit den jungen Kandidatinnen und Kandidaten mit und darf sogar per Abstimmung einen Sonderpreis, den Publikumspreis, verleihen.

Ein Amerikaner räumt ab

Das bisher letzte Finale im Juni 2015 war denkwürdiger Moment: Der junge Amerikaner Andrew Tyson entschied nicht nur den Wettbewerb klar für sich, sondern gewann auch den Sonderpreis für die beste Mozart-Interpretation und den Publikumspreis.

Zuvor hatte er mit dem Tonhalle- Orchester Frédéric Chopins erstes Klavierkonzert auf höchst poetische und ideenreiche Art und Weise gespielt. So überzeugend hat man das oft aufgeführte Konzert selten gehört.

Nun kommt der gefeierte Preisträger nach Glarus. Im Gepäck hat er ein buntes Soloprogramm, an dem er seinen Ideenreichtum wird ausleben können. Die erste Programmhälfte besteht aus Werken, die sich stetig zwischen feinem Klangsinn und jähen Ausbrüchen hin- und her bewegen: Den Auftakt bildet Franz Schuberts Klaviersonate D 644, die in Tonart A-Dur fein perlende Melodien überaus lieblich präsentiert – wären da nicht die plötzlichen Zäsuren, welche die über dem ganzen Stück liegende Anmut immer wieder infrage stellen.

Böhmisches und Zerrissenes …

Dann Leoš Janáček, der Zeitgenosse und Landsmann von Antonín Dvořák: Die böhmische Musiksprache ist beiden eigen, bei Janáček kommen noch bruchstückhafte expressionistische Momente hinzu. So auch bei der Klaviersonate 1. X. 1905 – auf der Strasse: Janáček reagierte mit dieser Sonate auf den gewaltsamen Tod eines einfachen Handwerkers im Zug von politischen Demonstrationen in Brünn. Das zweisätzige dramatische Werk lebt von einer inneren Zerrissenheit, die sich in schwelgerischen böhmischen Heimatklängen einerseits und schroffen, repetitiven Elementen andererseits zeigt – ein eindrückliches Werk jener wirtschaftlich und politisch schwierigen Zeit.

… und Atemberaubendes

Noch vor der Pause spielt Tyson ein kurzes, atemberaubendes Werk des zeitgenössischen armenisch-französischen Komponisten Michel Petrossian, «La lutte ardente du vert et de l’or». Auch es bewegt sich zwischen dem für französische Musik so typisch feinen Klangsinn und dem Effekt lauter und virtuoser Passagen.

Nach der Pause kann sich Tyson von seiner ur-pianistischen Seite präsentieren: So richtig beliebte und bekannte Klavierwerke wird er aufführen: Je eine Nocturne, eine Mazurka und eine Etüde von Chopin und als fulminanten Abschluss Franz Liszts Rhapsodie espagnole, die der Komponist nach spanischen Themen, aber ganz in seiner Manier komponierte – sprich: pianistisch und klanglich höchst delikat und vor allem halsbrecherisch schwierig.

Andrew Tyson hat seine Ausbildung an der Universität von North Carolina bei Thomas Otten begonnen. Später besuchte er das Curtis Institute of Music in Philadelphia in der Klasse von Claude Frank. Seine Abschlüsse absolvierte er an der Juilliard School in New York bei Robert McDonald. Der Gewinner des Concours Géza Anda und Preisträger im renommierten internationalen Leeds-Klavierwettbewerb sowie im Concours Reine Elisabeth in Brüssel trat mit verschiedenen amerikanischen und europäischen Orchestern auf und war an Klavierabenden und Festivals in Nord- und Mittelamerika sowie in zahlreichen Ländern Europas zu hören. CD-Aufnahmen sind mit Werken von Chopin, Skrijabin und Ravel erschienen.

Heute Samstag um 20 Uhr in der Aula der Kantonsschule Glarus

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