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Musikadel beehrt das Blues‘n’Jazz

Mit Bob Geldof spielte ein «Adliger» am Rapperswiler Festival. Im totalen Kontrast zum Iren stand Gitarrenvirtuose Popa Chubby: ein Musiker aus der Bronx. Doch beide vermochten zu begeistern. Das taten auch unbekannte Bands wie etwa SoulVirus.

Südostschweiz
Samstag, 01. Juli 2017, 14:57 Uhr Rapperswil

Nach Jan Delays unwiderstehlichem Auftakt-Gig vom Donnerstag standen gestern Freitag weitere Grössen auf der Hauptbühne auf dem Rapperswiler Fischmarktplatz: Insbesondere der Gitarrenvirtuose Popa Chubby brachte das ans Festival, für das dieses in seinem Namen wirbt: den Blues. Und zwar knallharten, kompromisslosen Bluesrock, mit sägenden Sounds und dem unverkennbaren Gitarrenspiel eines der gewichtigsten Blueser der Gegenwart. Wobei eines von Chubbys Markenzeichen eben gerade ist: Den Blues ungehemmt und ohne Berührungsängste zu mischen mit den verschiedensten Einflüssen, die der Musiker aus der New Yorker Bronx in sich aufgesogen hat wie ein Schwamm.

Und Jimi ging zum Regenbogen

Insbesondere ist dabei Jimi Hendrix als einer der wichtigsten – und hörbarsten – Einflüsse des Gitarristen zu erwähnen. Dessen «Hey Joe» spielte Chubby bereits als dritte Nummer. Nach einem Intro – bei welchem er unter anderem «Some-where over the Rainbow» auf seine ureigentümliche Weise zum Besten gab.

Trotz des inzwischen einsetzenden Regens verzückte Popa Chubby das gut gelaunte Publikum mit seinem schnör-kellosen Bluesrock. Froh war, wer einen Gehörschutz dabei hatte. Denn Popa Chubby ist kein Mann der leisen Töne. Das war schon bei seinem letzten Auftritt am Blues‘n’Jazz 2012 so. Auch heuer knallte er ein Brett auf den Fischmarktplatz, das sich gewaschen hatte. Etwas durchatmen konnten die Bluesliebhaber eigentlich nur bei Chubbys eindrücklicher Version von Leonard Cohens «Halleluja». Neben «Hey Joe» immer eines der Highlights an Chubbys Konzerten.

Sanfte Klänge auf Curtiplatz

Wer sich sanfteren Klängen zuwenden wollte, konnte dies unter anderem auf der Bühne beim Curtiplatz: Die vielfach ausgezeichnete Emily Bear zeigte dort im Trio, dass sie nicht einfach so oft als Wunderkind bezeichnet wurde. Mit ihrem Kontrabassisten und Schlagzeuger lieferte sie ein präzises und treibendes Set ab, das viele Besucher begeisterte. Auch hier liessen sich die Musikliebhaber die Laune nicht vom Regen vermiesen, der nun stärker aufs Blues‘n’Jazz niederprasselte.

Starker «einheimischer» Soul

Da hatte die Zürcher Band SoulVirus mehr Glück. Die Band hatte sich extra fürs Blues‘n’Jazz mit einer Sängerin und einem Sänger verstärkt. Sie spielte um 19 Uhr am Fischmarktplatz – zunächst nur vor einem versprengten Zuschauertrüppchen. Ihr präziser und treibender Funk und Soul zog jedoch immer mehr Leute an, die sich überrascht, aber auch dankbar zeigten, bereits um diese Uhrzeit das Tanzbein schwingen zu können. SoulVirus gelten als eine der besten Schweizer Soulbands – und das haben sie eindrücklich unter Beweis gestellt.

In den Gassen, an den Ess- und Getränkeständen liess die gute Stimmung trotz des vielen Wassers von oben nicht nach. Und die entspannte Menge schien sich – jetzt erst recht – auf den Headliner des Abends zu freuen: Bob Geldof.

Die Iren und der Regen

Zwar wird Bob Geldof oft als Sir vorgestellt – als Ire darf er sich jedoch nach britischem Recht gar nicht als solcher bezeichnen. Knight Commander bedeutet aber dasselbe. Und adelig ist er damit auch. Das ist eh unerheblich, denn Geldof zählt längst zum Musikadel. Und er zeigte sich in erstaunlicher Spiellaune und äusserst witzig: «Wir sind Iren – also haben wir euch den Regen mitgebracht», rief er ins Publikum. Optisch gemahnten seine Musiker an eine Altherrenband. Die allerdings hatte es in sich. Hochvirtuos und nicht zu bremsen vor lauter Spielfreude holten sie das immer noch zahlreich dem Regen trotzende Publikum ab. Und wie.

Wer sich derweil lieber urtümlichen Chicago Blues anhören mochte, war vor der Curtibühne bestens bedient, wo Toronzo Cannon, der Busfahrer aus Chicago, das zahlreiche Publikum mitriss.

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