×

Jetzt kommt Magie in die Stadt

Das neue Gemeinschaftsprojekt der Tanzschulen entführt in die Welt der Trolle und Elfen. Für professionelle Qualität sorgt ein Argentinier. Ohne seine schwedische Tänzerin wäre er im Wald aber verloren.

Ruth
Spitzenpfeil
Montag, 01. Mai 2017, 19:18 Uhr Chur tanzt
Tanzschule Chur tanzt Nordwärts Theater
Proben des Tanzprojekts 'Chur tanzt' zur Produktion Nordwärts fotografiert am 26.4.17 im Theater Chur.
OLIVIA ITEM

Aufgeregte Kobolde toben über die Bühne, Elfen schweben aus Bäumen herab, aus der Felswand lösen sich gelenkige Steintrolle, verführerische Waldfeen lassen die Hüften kreisen – und mittendrin steht ein stämmiger junger Mann im Trikot von Juventus Turin. «Bravissimo» ruft er begeistert. Exequiel Barreras ist Argentinier und so wie seine fussballspielenden Landsleute den europäischen Vereinen auf dem Rasen Beine machen, bringt er seit 2009 Bühnen in Deutschland und der Schweiz zum Vibrieren. Jetzt arbeitet der Tänzer und Choreograf in Chur am jährlichen Tanzwunder, das sich bereits zum achten Mal entfaltet.

Babyspeck und Bohnenstange

Seit 2005 bringt es der Verein Chur tanzt immer wieder fertig, alles, was sich in Stadt und Umgebung zur Musik bewegt, in einem grossen, professionell aufgezogenem Projekt zusammenzuführen. Es ist eine schweizweit einmalige Initiative, auf welche die neun beteiligten Tanzschulen stolz sein dürfen. An der Probe vom Mittwoch waren erstmals alle 70 Mitwirkenden – ein Rekord in der Vereinsgeschichte – vereint auf der Bühne des Theaters Chur. Und es zeigte sich wieder einmal das Hinreissende dieser Idee. Alle Tanzstile, vom klassischen Ballett über Modern Dance bis zu Hip-Hop, Rock ‘n’ Roll und orientalischem Tanz, finden zueinander. Eine 52-jährige Treuhänderin steppt neben einer zehnjährigen Schülerin, ein Teenager bewegt seinen etwas üppigen Babyspeck mit der gleichen Verve wie die Kollegin mit der Bohnenstangenfigur. Musikalisch Tiefgründiges wird von fröhlichem Quietschen abgelöst.

Dass man für die künstlerische Leitung der neuen Produktion wieder auf Barreras zurückgegriffen hat, liegt nicht zuletzt an der Liebe, mit der er die Tänzer aus so unterschiedlichen Lagern anleitet und antreibt. Insofern hat er tatsächlich etwas vom Coach eines Nationalteams, der den zimperlichen Star genauso integrieren muss wie den Dribbelkünstler und den brachialen Haudegen.

 

Tanzschule Chur tanzt Nordwärts
Emma Skyllbäck tanzt die Hauptrolle Emma.
OLIVIA ITEM

Geschichten aus dem Wald

Die Stütze der zusammengewürfelten Mannschaft, quasi der Lionel Messi in Barreras Team, ist die Profitänzerin Emma Skyllbäck. Sie ist Schwedin, und auf ihren Input geht vieles zurück, was die Zuschauer am ersten Mai-Wochenende zu sehen bekommen. Am Anfang des neuen Projekts stand zwar die Musik der nordischen Komponisten, allen voran Edvard Griegs «Holberg-Suite», dazu die G-Dur-Serenade von Dag Wiren. Gespielt werden diese vom Orchester «Le Phénix» unter der Leitung von Clau Scherrer. Aber wie diese Klänge mit einer Geschichte füllen? «Ich habe keine Ahnung vom Norden», gibt Barreras zu. Umso dankbarer war er, dass ihn Skyllbäck mit ihrer überbordenden Fantasie sicher «Nordwärts» führte – so auch der Titel des Stücks.

Skyllbäck tanzt die Solopartie der Emma und kehrt damit in ihre eigene Kindheit in den Wäldern Nordschwedens zurück. «Meine Grosseltern haben die Geschichten von den Trollen und Pixies noch geglaubt», erzählt sie. Und so nimmt sie das Ensemble mit auf die Reise eines Mädchens in die Stadt, wo sich die magische Welt aber immer wieder bemerkbar macht. Die Tänzer folgen ihr mit Hingabe.

«Nordwärts». Produktion von Chur tanzt. Premiere: Samstag, 6. Mai, 20 Uhr. Weitere Aufführungen: Sonntag, 7. Mai, 13.30 Uhr und 17 Uhr. Theater Chur.

Kommentar schreiben

Kommentar senden