Seit Gesetzesänderung: Einheimische Pflanzen haben Vortritt
Seit dem 1. September ist ein neues Neophyten-Gesetz in Kraft: Was das bedeutet und welche Alternativen es gibt, zeigt ein Besuch beim Gartenzentrum Schutz in Filisur.
Seit dem 1. September ist ein neues Neophyten-Gesetz in Kraft: Was das bedeutet und welche Alternativen es gibt, zeigt ein Besuch beim Gartenzentrum Schutz in Filisur.
Von Cindy Ziegler
Er steht in so manchem Garten. Bietet Schutz vor ungewollten Blicken. Ist immergrün. Weisse Blüten. Dunkelrote Beeren. Glänzende Blätter. Der Kirschlorbeer ist eine der beliebtesten Heckenpflanzen in der Schweiz. Nun aber sind der Verkauf und die Zucht von eben diesem Gewächs, das das Bild in Schweizer Gärten mitprägt, verboten. Seit dem 1. September ist ein neues Neophyten-Gesetz in Kraft. In die Kategorie der verbotenen Arten fallen wie der Kirschlorbeer übrigens auch der Sommerflieder und die Tessiner Palme.
Um zu verstehen, wie dieses Verbot zustande kam und was das nun bedeutet, besuchen wir Markus Schutz vom alpinen Gartenzentrum Schutz Filisur. Der Gärtner geht durch die Baumschule und zeigt auf eine Eibe. «Das hier wäre eine einheimische Alternative zum Kirschlorbeer», meint er. Und fügt an: «Sie ist aber sehr giftig.» Kurz überlegt er und deutet dann auf verschiedene Sträucher, die in intensivem Rot und Grün leuchten. «Am besten wäre tatsächlich, man würde eine Hecke aus verschiedenen, ökologisch wertvollen Wildstauden pflanzen. Haselnuss, Pfaffenhut und Liguster zum Beispiel.»
Als Neophyten werden grundsätzlich Pflanzen bezeichnet, die nach der Entdeckung Amerikas im Jahr 1492 eingeführt wurden und in der Lage sind, sich ohne die Hilfe des Menschen in der Natur zu vermehren. In der Schweiz gibt es mindestens 800 solche gebietsfremde Arten; von diesen gelten 107 als invasiv. 58 von Letzteren sind im Kanton Graubünden nachgewiesen. «Neophyten sind nicht per se problematisch», erklärt Markus Schutz. Eine Bedrohung seien diese Pflanzen nämlich nur dann, wenn sie sich stark ausbreiten, die einheimische Flora verdrängen oder anderweitig Schäden verursachen. «Was als einheimisch gilt, verändert sich auch mit der Zeit. Das Edelweiss zum Beispiel kommt ganz ursprünglich aus Asien», so der Fachmann. Ausserdem würden viele der eingebrachten Arten ohne menschliches Zutun wieder verschwinden oder sich problemlos in die heimische Pflanzenwelt einfügen.
Wir stehen vor zwei grossen Tessiner Palmen. Diese muss Markus Schutz nun entsorgen. Nicht so Pflanzen, die schon im Garten gepflanzt sind. Dort sollten die Besitzerinnen und Besitzer lediglich dafür sorgen, dass sie sich nicht weiter vermehren. Die Anpassung der Freisetzungsverordnung, die den Umgang mit Neophyten regelt, soll laut Bund verhindern, dass zusätzliche invasive gebietsfremde Arten in die Umwelt gelangen und sich dort ausbreiten. Das Problem mit der Tessiner Palme? Die Chinesische Hanfpalme, wie sie offiziell heisst, behindert mit ihren grossen Blättern das Wachstum von anderen Pflanzen und erschwert dadurch die Verjüngung im Schweizer Wald.
Für die Firma Schutz Filisur bedeutet die Gesetzesanpassung Umstellung. Und Suchen nach Alternativen. Letzteres ist gar nicht immer so einfach. Denn was das Gefährliche an Neophyten ist, sei im Gartenbau von Vorteil: das schnelle Wachstum. «Einheimische Alternativen wachsen langsamer und sind dementsprechend teurer», erklärt Markus Schutz. Er zeigt auf Arvenbäume, etwa fünf Meter hoch. «Diese Bäume sind über 50 Jahre alt. Andere Bäume sind im gleichen Alter zehnmal so gross.»
Und doch. Die Schweiz ist keine Insel. Während hierzulande strenge Gesetze gelten, ist man beispielsweise in Italien liberaler. Eine Ausbreitung invasiver Arten zu verhindern ist wichtig, aber schwierig. Pflanzen zu verbieten sei zwar relativ einfach, löse aber das Grundsatzproblem nicht, meint Markus Schutz. «Ich finde es auch wichtig, dass wir hierzulande gefährdete Pflanzen besser fördern.» Er blättert in einem Prospekt und zeigt auf ein Bild. Es zeigt ein Projekt zur Baustellenbegrünung, im Zuge dessen Schutz Filisur Samen der Berganemone in der Natur sammelte, im Gartenzentrum vermehrte und dann wieder in den Boden gepflanzt hat. Ein langwieriges, kompliziertes Projekt. «Da braucht man Geduld. Und das fehlt heute oft in der schnelllebigen Zeit», gibt der Gärtner zu bedenken.
In den letzten Jahren hätte dennoch grundsätzlich ein Umdenken stattgefunden. Die Kundinnen und Kunden von Schutz Filisur fragen immer öfter nach einheimischen Pflanzen, die der Natur guttun. Das freut Markus Schutz. Wenn es ihn auch ein bisschen schmerzt, die beiden schönen, grossen Palmen zu entsorgen.
Unter maps.pollenn.ch können invasive Arten gemeldet werden. Für einige Neophyten gilt eine Meldepflicht.
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