Frisch von der Leber
Sommer, Sonne, Sonnenschein. Die Nächte sind lang, die Hosen kurz. Ja, der Sommer ist eine Zeit der Euphorie. Und wo wir mit dieser hin sollten, das wissen die Medien nur zu gut. Gibt es doch immer einen Grossanlass, denn es gemeinsam zu feiern gilt.
Sommer, Sonne, Sonnenschein. Die Nächte sind lang, die Hosen kurz. Ja, der Sommer ist eine Zeit der Euphorie. Und wo wir mit dieser hin sollten, das wissen die Medien nur zu gut. Gibt es doch immer einen Grossanlass, denn es gemeinsam zu feiern gilt.
«The greatest tournament»
Ja, klar es ging um Geld, und so grossartig kann es nicht gewesen sein, wenn man Killian-Mbappé-Fans in die Bilder reinretuschieren muss. Doch war der «greatest president of all time» dermassen stolz auf das Erreichte, dass er, zur Verwirrung aller, mit den Spielern von Chelsea den Pokal – ok, sicher die Kopie davon, denn das Original hat er ja verdientermassen behalten – in den Himmel von New Jersey reckte. Persönlich gesehen war die Club-WM ein Schlag in die Weichteile für jeden Fussballromantiker. Und so haben sich die Schweizer Medienhäuser glücklicherweise auf eine andere Veranstaltung konzentriert. Dafür mussten sie nicht mal über die Landesgrenzen hinausblicken, denn die Fussball-Europameisterschaft der Frauen fand direkt vor der Haustüre statt.
Mehr als eine Randerscheinung
Das Turnier in heimischen Gefilden ist zugegeben bisher ein grossartiger Anlass. Es purzeln Zuschauerrekorde, es gibt Fanmärsche mit Tausenden von Menschen und gute Einschaltquoten im TV. So ist die EM nicht nur für den Frauenfussball selbst, sondern auch für die Schweiz ein gelungenes Fest. Als alter Fussballromantiker bin ich begeistert von dem, was das Turnier ausstrahlt. Die vollen Stadien, hochstehende Partien und keine Gewalt rund um die Stadien. Da kann auch der Männerfussball noch einiges lernen. So ist die Entwicklung sehr schön mitanzusehen. An der ersten EM 1984 kamen noch im Schnitt rund 3500 Zuschauende zu den Spielen. An der letzten Durchführung 2022 in England pilgerten 18 500 in die Stadien, und das Turnier in der Schweiz wird auch diese Marke pulverisieren. Es sind schöne Zahlen, die eindrücklich zeigen, dass der Frauenfussball längst nicht mehr nur eine Randerscheinung ist. Und das ist auch gut so.
Die falschen Fragen
Doch werden, meiner Meinung nach, noch nicht die richtigen Fragen gestellt. Gerade in puncto Bezahlung wird das Ganze gerne falsch betrachtet. Sollten Frauen gleich viel verdienen wie Männer? Definitiv ja! Allerdings nur, was die Privatwirtschaft angeht. Und da stimmt es mich erst recht traurig, dass wir in der heutigen Zeit, wo wir uns doch als so weit fortgeschritten ansehen, überhaupt noch von einem «Gender-Pay-Gap» reden müssen. Aber in der Unterhaltungsindustrie, wo der Sport definitiv reingehört, gilt schlicht und einfach die Regel: Was konsumiert wird, bringt Geld. Ich meine, wenn ich ein Buch schreibe, dass niemand lesen will, sollte ich so viel verdienen wie J. K. Rowling? Wären dann ja beide Autoren. So generiert die EM der Frauen zurzeit noch einen tiefen dreistelligen Millionenbetrag, während bei den Männern von Milliarden gesprochen wird.
Fokus auf Förderung
Und doch gibt es neben all dem Guten, das rund um das Turnier passiert, auch Schattenseiten. Wie eigentlich bei allem, was in den Fokus der Öffentlichkeit rutscht, gibt es – aus welchen Gründen auch immer – Menschen, die alles schlecht machen wollen. Vielleicht ist es Langeweile oder einfach die eigene Unzufriedenheit mit dem Leben. Und so passiert dies auch bei der EM. Logisch ist das Niveau noch anders. Wer sich allerdings wirklich mit dem Sportlichen auseinandersetzt, der merkt schnell, dass die Spiele sehr attraktiv anzusehen sind. Es ist etwas Anderes als der Männerfussball. Aber ist es nicht auch schön, dass Männer und Frauen verschieden sind? Und wenn der Frauenfussball weiter gefördert wird, kann er sich in den nächsten Jahren noch um einiges weiterentwickeln. Dafür braucht es aber auch das Spotlight der Medien. So bin ich ganz zufrieden, welchen Anlass sich die Medienhäuser diesen Sommer ausgesucht haben, und wer weiss, vielleicht sitzen wir in zehn Jahren voller Euphorie vor dem TV, schauen uns Frauenfussball an, ganz ohne Diskussion über Gehalt, misogyne Kommentare, und sind bei Sommer, Sonne, Sonnenschein einfach voller Euphorie für den Sport.
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