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Weiterbauen?

Das Forum Bau+Kultur und der Bündner Heimatschutz laden am Samstag im Gedenken an Lucius Burckhardt (1925 bis 2003) zum Anlass «Weiter­bauen?» in den Kulturplatz.

Davoser
Zeitung
08.11.25 - 07:00 Uhr
Kultur
Lucius Burckhardt.
Lucius Burckhardt.
zVg
Mit einer Lesung, verschiedenen Referaten, einem filmischen Porträt und einem Gespräch mit einem seiner Wegbegleiter soll sich dem Wesen und Wirken dieser facettenreichen Persönlichkeit aus unterschiedlichen Perspektiven angenähert und die Bedeutung Burckhardts für die Gegenwart ausgelotet werden.

Lucius Burckhardt entstammt dem Basler Grossbürgertum, geboren und aufgewachsen aber ist er in Davos. Kürzlich wurde er von der Neuen Zürcher Zeitung als einer der «originellsten und kreativsten Intellektuellen, die die Schweiz in den letzten hundert Jahren hervorgebracht hat» bezeichnet. Er, der umtriebige Denker, der so recht in keine Schublade passt. Lucius Burckhardt war Ökonom, Soziologe, Theoretiker, Professor, Begründer der Spaziergangwissenschaft, Autor, Redner und Aktivist – und er gilt als Doyen helvetischer Planungskritik. Mit seiner Frau Annemarie Burckhardt-Wackernagel (1930 bis 2012) als Sparringspartnerin hat er über ein halbes Jahrhundert lang die Entwicklung in Architektur und Städtebau kritisch begleitet.

Moderne Klinik in alten Häusern

Der Umgang mit dem gebauten Bestand beschäftigte Lucius Burckhardt stark. In einer Zeit, in der die konsumgetriebene Wegwerfmentalität auch das Bauen erfasste und der Ersatzneubau (sprich: Abriss) von der Ausnahme zum Normalfall mutierte, setzte er sich für ein behutsames und daher auch nachhaltigeres Weiterbauen und die kontinuierliche Nutzung des bereits Vorhandenen ein. Seine Forderung nach einem ressourcenbewussten Bauen brachte er in der Schlagzeile vom «kleinstmöglichen Eingriff» auf den Punkt. Burckhardts Positionen sind heute aktueller denn je. Bauen war für ihn immer Weiterbauen. Was damit gemeint ist, lässt sich gegenwärtig am Beispiel der ehemaligen Davoser Pro-Juventute-Klinik zeigen, deren Begründer und erster Direktor Lucius’ Vater Jean Louis Burckhardt (1883 bis 1943) war. Ab 1922 nahm das Kindersanatorium nach und nach ein von Gaudenz Issler in Etappen errichtetes Gebäudeensemble von sechs Häusern am «Tschuggen» oberhalb der Buolstrasse in Beschlag, von den Burckhardts liebevoll «Dörfli» genannt. Die ­Bestandsbauten wurden nicht abge­brochen, sondern durch den «Haus­architekten» Rudolf Gaberel den Bedürfnissen der Klinik angepasst.

Schützen statt Abreissen

Bis zu ihrem Ende war die Kinderklinik in den alten Gebäuden untergebracht. Um den Betrieb zu retten, wurde 2009 ein grosser Teil des Klinikareals umgezont und vier der geschichtsträchtigen Klinikbauten abgerissen und durch architektonisch fragwürdige Renditeobjekte ersetzt. Doch der Konkurs kam, ohne dass in die Rettung der alten Klinikbauten investiert worden wäre. Nun steht ein weiteres Kapitel an: Ein kürzlich aufgelegter Quartierplan sieht vor, das seit 2011 als Gruppenhaus genutzte Waldschlössli durch einen Hotelneubau zu ersetzen und die 23 Personalzimmer/-studios im ehemaligen Haus Thümmler zu vier luxuriösen Zweitwohnungen (2½ Zimmer mit 90 bis 150 Quadratmetern) auszubauen und mit vier weiteren neuen Zweitwohnungen in einem Neubaublock zu ergänzen. Anwohner und der Bündner Heimatschutz wehren sich mit Einsprachen gegen den Abriss und die neuen Zweitwohnungen.

Bauen ist Weiterbauen

Seine Forderung nach einem ressourcenbewussten Bauen brachte Lucius Burckhardt in der Schlagzeile vom «kleinstmöglichen Eingriff» auf den Punkt. Das Beispiel Waldschlössli macht deutlich: Die progressiven Thesen von Lucius Burckhardt sind heute noch immer brandaktuell. Was 1929 möglich war, nämlich die Anpassung eines bestehenden Gebäudes an eine neue Nutzung und die neuen Anforderungen der Zeit, sollte 2025 angesichts der riesigen Herausforderung der Klimakrise eigentlich selbstverständlich sein.

Der Anlass findet am 8. November von 13.30 bis 17 Uhr im Anschluss an die Jahresversammlung des Bündner Heimatschutzes im Kulturplatz Davos statt. Die Veranstaltung ist öffentlich und kostenlos.

Das originale Ensemble des «Dörfli».
Das originale Ensemble des «Dörfli».
zVg
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