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Die Singing City Davos ist das Mekka der Strassenmusik

Vom 4. bis 21. Dezember verwandelt sich Davos zum dritten Mal in die «Singing City». 30 Musikerinnen und Musiker aus der ganzen Welt treten während dieser Zeit in unterschiedlichsten Lokalen und Institutionen der Gemeinde auf – von Restaurants und Bars über Geschäfte, Schulen und Kirchen bis hin zu privaten Wohnzimmern. Ermöglicht wird die «Singing City» durch ein Lead-Engagement der Davos Klosters Bergbahnen, die Unterkunft und Verpflegung der Artists übernehmen.

Davoser
Zeitung
26.11.25 - 07:00 Uhr
Kultur
Jam Session im Mountain Plaza Hotel im 2024 mit Jasper, Pablo Rubio, Tim Gallegus, Meri Lu Jacket und David Stoker.
Jam Session im Mountain Plaza Hotel im 2024 mit Jasper, Pablo Rubio, Tim Gallegus, Meri Lu Jacket und David Stoker.
zVg/Johannes Frigg
Die Welt musikalisch zusammenbringen, das ist die Idee der «Singing City Davos», die im Dezember zum dritten Mal stattfinden wird. Eingeladen werden 30 Strassenmusikerinnen und Strassenmusiker aus 15 Ländern, die alle in Davos für Konzerte buchen können, egal ob Restaurant, Bar oder Sportgeschäft, ob Brockenstube, Bioladen oder Inneneinrichtungsagentur, ob Schule, Kirche oder Spital. Oder gar Privatpersonen, als Advents-Apéro oder einfach im Wohnzimmer. «Fast 150 Konzerte kamen so letztes Jahr zustande», erklärt Mit-Organisatorin Selina Widmer. Möglich macht dies eine eigens programmierte Matching-App, eine Art Tinder für Strassenmusik. «Die Reaktionen waren und sind äusserst positiv. Die Singing City-Hosts schätzen die unkomplizierte, kuratierte, musikalische Belebung. Und die Bevölkerung den Zugang zu Musikerinnen und Musikern aus der ganzen Welt.» So ist ein musikalisches Netzwerk entstanden, das Davos in die ganze Welt transportiert. «Die Strassenmusikerinnen und Strassenmusiker werden zu Influencern. Ihr Vorteil: Ihre Glaubwürdigkeit und ihre Interaktion sind höher als die konventioneller Influencer.»

Der Ursprung liegt im Songbird Festival Davos

Die Wurzeln der «Singing City» liegen im Jahr 2018. Anlässlich des 10-Jahr-Jubiläums des Songbird Festivals Davos schenkte die Gemeinde Davos dem Festival – und zugleich sich selbst – ein Strassenmusik-Festival mit damals 33 Strassenmusikerinnen und -musikern aus aller Welt. Davos wurde so zum Klangraum, der weit über die üblichen Festivalbühnen hinausging. Musik ertönte in kleinen Läden, auf sonnigen Plätzen, in Hotellobbys, auf Bergstationen und in Cafés. Diese Energie überzeugte Michel Pernet, Gründer des Songbird Festival Davos, die Idee später weiterzuentwickeln. 2023 – nach pandemiebedingter Pause – entstand die Idee, die «Singing City» zum eigenen Festival zu entwickeln. «Während wir am Songbird Festival Schweizer Künstlerinnen und Künstlern eine Plattform bieten, wollen wir mit dem Singing City Festival das Tor zur Welt öffnen», meint Pernet. Dem aufkommenden Nationalismus sei am besten mit den Mitteln der Kultur entgegenzutreten.

«Unsere Singing City Musikerinnen und Musiker bringen ganz viele verschiedene Kulturen und Musikstile mit nach Davos. Und auch spannende Biografien. Durch den Austausch mit der Bevölkerung und den ganz vielen verschiedenen Hosts wächst auch das Verständnis füreinander.» Fremdes sei nicht mehr fremd, sondern interessant. Möglich gemacht haben die Realisierung dieses neuen Festivals dann die Bergbahnen Davos Klosters, die auch verschiedene Betriebe damit bespielen lassen. Sie übernehmen Kost und Logis für die Musikerinnen und Musiker.

Das Herzstück des Projekts ist digital

Herzstück der «Singing City» ist eine innovative App. Eigens entwickelt für das Festival, bildet sie die zentrale Schnittstelle zwischen Künstlerinnen und Künstlern und den lokalen Betrieben und Privatpersonen. Sie alle können ein Profil anlegen, sich für die Teilnahme am Festival bewerben und anschliessend eigene Konzert-Slots definieren: Zeitpunkt, Rahmenbedingungen und die Atmosphäre, die sie sich wünschen. Die Musikerinnen und Musiker, die ebenfalls Profile führen, bewerben sich auf diese Slots. So entsteht ein flexibel steuerbares Matching, das es jeder Lokalität erlaubt, jene Musik zu veranstalten, die zu ihr passt – ob Singer-Songwriter, Folk, Indie oder Pop.

Über die App können beide Seiten kommunizieren, Absprachen treffen und einander nach Konzerten bewerten. Das digitale System erleichtert zudem die Koordination von über 30 Künstlerinnen und Künstlern, die sich im Dezember in Davos bewegen, und schafft Transparenz über freie Zeiten, verfügbare Bühnen und spontane Möglichkeiten.

Wöchentliche Jam Sessions im Mountain Plaza Hotel

Damit sich die Besucherinnen und Besucher wie auch die lokale Szene ein Bild aller teilnehmenden Artists machen können, veranstaltet das Festival wöchentliche Jam-Sessions im Mountain Plaza Hotel, wo sich die Acts der Woche musikalisch vorstellen. Die Sessions finden am Donnerstag, 4. Dezember, sowie am 10. und 17. Dezember jeweils um 20.30 Uhr statt und sind öffentlich zugänglich. Sie gelten inzwischen als ein besonderes Highlight der «Singing City»: überraschend und oft sehr intim – und stets mit einer besonderen Dynamik, wenn sich Artists treffen, die sich erst seit wenigen Tagen oder Stunden kennen.

Lokale Betriebe sind eingeladen, mitzumachen

Grundsätzlich kann jede Privatperson und jeder Betrieb in Davos mitmachen – von der Brocki Davos über den Fuxägufer und das Restaurant Stall Valär bis hin zum Alpine Inn oder der Bike Academy Davos. Gerade diese Vielfalt der teilnehmenden Orte macht einen grossen Teil des Reizes des Festivals aus. Musik findet in ganz Davos statt. Jedes Lokal steuert seine eigene Atmosphäre bei, und viele Geschäftsinhaberinnen und -inhaber berichten, dass die Konzerte eine besondere Nähe zu Gästen und Kundschaft schaffen. Eine spezielle technische Ausrüstung ist nicht nötig: Die Musikerinnen und Musiker bringen ihr Equipment selbst mit, benötigt wird lediglich ein Stromanschluss.

Wer teilnehmen möchte, kann die App «Singing City Festival» (iOS/Android) herunterladen, sich registrieren, sich auf das Festival bewerben und sofort eigene Konzert-Slots anbieten. Als Beitrag zur Finanzierung wird ein Mitgliederbeitrag von 120 Franken für den Verein Singing City erhoben. «Die Singing City ist ein Herzensprojekt, in das wir viel Arbeit und Leidenschaft gesteckt haben», sagt Widmer. «Aber eine App lässt sich damit nicht finanzieren. Der Verein ermöglicht, dass wir diese Vision weitertragen können.»

Mit der dritten Ausgabe steht die «Singing City» an einem Punkt, an dem sich zeigt, ob das Format mehr ist als eine kulturpolitische Idee: Es ist ein Projekt, das lokale Betriebe aktiviert, Begegnungen ermöglicht und Davos in den Dezemberwochen, parallel zum Songbird Festival Davos noch hörbarer und sichtbarer belebt. Die Kombination aus internationaler Strassenmusik, digitaler Vernetzung und lokaler Offenheit ist im Alpenraum bisher einzigartig.

Informationen und Programm unter: www.singing-city.com

Melli Zech und Tom Hauser geben ein Konzert in der Brocki «bim Walter Meier».
Melli Zech und Tom Hauser geben ein Konzert in der Brocki «bim Walter Meier».
zVg/Johannes Frigg
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