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Nati künftig ohne HCD-Stürmer Corvi

Enzo Corvi hat bereits sieben Skorerpunkte auf seinem Konto und am letzten Wochenende mit dem HCD auch die Meisterschaftsspiele 5 und 6 gewonnen. Seine Formkurve zeigt nach einer Rückenoperation im Februar deutlich nach oben. Dennoch hat der 32-jährige Center seinen Rücktritt aus dem Schweizer Nationalteam gegeben.

Davoser
Zeitung
23.09.25 - 17:00 Uhr
Eishockey
Keine Nati-Einsätze mehr: Enzo Corvi konzentriert sich auf den HCD.
Keine Nati-Einsätze mehr: Enzo Corvi konzentriert sich auf den HCD.
Jürgen Staiger
Beim HCD läuft es zurzeit rund. Er weist auch nach sechs Meisterschaftsspielen eine blanke Veste auf. Am letzten Freitag besiegte er die SCL Tigers in Langnau mit 4:3. Und tags darauf bezwang er zu Hause den HC Lugano mit 2:0. Davos führt die Tabelle in der National League mit fünf Punkten Vorsprung auf Genf-Servette und sechs Zählern vor Lausanne, den ZSC Lions und den Rapperswl-Jona Lakers an.

Rund läuft es auch Enzo Corvi. Der HCD-Center hat mit zwei Treffern und fünf Assists bereits sieben Skorerpunkte auf seinem Konto. Im sechsten Meisterschaftsspiel blieb der 32-jährige Mittelstürmer gegen Lugano erstmals in dieser Saison ohne Skorerpunkt. Selbstverständlich ist diese stolze Bilanz des Mittelstürmers mit der magistralen Spielübersicht nicht. Denn im Februar dieses Jahres musste er sich einer Rückenoperation unterziehen lassen. In die Schlagzeilen geriet Corvi vergangene Woche jedoch nicht wegen seiner vielen Skorerpunkte, sondern weil sein Rücktritt aus der Schweizer Nationalmannschaft publik wurde.

«Ich brauche richtigen Sommer»

«Seit Frühling 2023 hatte ich ein rechtes Geknorze mit meinem Rücken», begründet Corvi seinen Rücktrittsentscheid. Der Center hatte damals an der Weltmeisterschaft in Lettland einen Bandscheibenvorfall. In den beiden folgenden Saisons musste er wegen Rückenproblemen die Meisterschaft vorzeitig abbrechen und auf die WM verzichten. «Dies hatte damit zu tun, dass ich als Eishockeyprofi nie einen richtigen Sommer hatte», erklärt Corvi. «Wenn man mit der Schweiz die WM bis fast Ende Mai bestreitet, folgen danach zur Erholung erst Ferien, und dann beschränkt sich das Sommertraining folglich auf fünf Wochen. Mittlerweile benötige ich jedoch 12 oder 13 Wochen Aufbau- und Konditionsarbeit, um mich vollumfänglich auf eine neue Saison vorzubereiten. Auch die kurzen Meisterschaftspausen wegen der Nati-Termine während des Jahres tun mir gut für die Erholung.»

Corvi bestritt für die Schweiz 86 Länderspiele, vier Weltmeisterschaften sowie die Olympischen Winterspiele 2018 in Südkorea und 2022 in Peking. Er rückte gleich bei seinem WM-Debüt 2018 mit neun Skorerpunkten ins Rampenlicht. Corvi stürmte gemeinsam mit Nino Niederreiter sowie abwechslungsweise mit Timo Meier oder Kevin Fiala, zwei weiteren NHL-Spielern. Die Schweiz verlor damals den WM-Final in Kopenhagen in der Verlängerung gegen Schweden unglücklich mit 2:3 nach Penaltyschiessen. International wäre die laufende Saison mit den Olympischen Eishockey-Wettbewerben im Februar in Mailand und der Heim-WM im Mai in Zürich und Freiburg eigentlich besonders reizvoll, auch für Corvi. «Natürlich ist es bitter, dass diese beiden Grossanlässe für mich nun kein Thema mehr sind», meint er dazu. «Aber ich muss auf meinen Körper hören und mich für die Gesundheit entscheiden. Denn ich möchte gerne noch vier, fünf Jahre weiter spielen.»

«Ich muss täglich trainieren»

Die letzte Saison war für Corvi bereits im Januar nach 42 Qualifikationsspielen wegen seiner Rückenbeschwerden zu Ende gegangen. Im Februar entschied er sich für eine Operation. Seither zählt Corvi auf die Unterstützung von René Baur als Personal Coach. Baur ist in Davos kein Unbekannter. Von 2015 bis 2018 war er beim HCD für das Off-Ice-Training zuständig. Danach kehrte der Südtiroler, der früher Eishockey-Goalie auch in Italiens Nationalteam war, in seine Heimat zurück. Baur arbeitet im Physio- und Reha-Center Bruneck in Reischach als Athletic-Rehatrainer. Nebenamtlich ist er zudem für den HC Pustertal und Italiens Nationalteam tätig. Baur weist grosse Erfahrungen mit Rückenproblemen von Sportlern auf. Für Corvi heisst das, dass es für ihn seit der Operation keine freien Tage mehr gibt. «Ich muss täglich trainieren und meinen Rücken mobilisieren», präzisiert der HCD-Stürmer.

Bereits sieben Skorerpunkte

Das zahlt sich offensichtlich aus. Corvi spürt keine Rückenschmerzen mehr. Obwohl er vor dem Meisterschaftsstart nur die beiden letzten Vorbereitungsspiele bestritt, befindet er sich in bemerkenswerter Form. Zum makellosen Meisterschaftsstart mit sechs Siegen in Folge trug der 32-Jährige zwei Treffer und fünf Assists bei. Erst beim 2:0-Sieg des HCD am Samstagabend gegen Lugano blieb Corvi erstmals ohne Skorerpunkt. Da trafen Filip Zadina und Tino Kessler. Für Corvi und seinen HCD folgt nun eine «Meisterschaftswoche der Wahrheit»: Am Dienstagabend gastiert er beim EV Zug, am Freitagabend beim Titelverteidiger und Champions-League-Sieger ZSC Lions in Zürich, und 24 Stunden später folgt das Heimspiel gegen Genf-Servette. Alle drei HCD-Gegner sind zurzeit unter den ersten Sechs klassiert.

Hansruedi Camenisch

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