Warum Davos den Schnee erst liegen lässt – ein Winterdienst, der Fragen aufwirft
Davos verfolgt ein Schneeräumkonzept, das gerade in diesen Tagen immer wieder hinterfragt wird. Erst bleibt der Schnee liegen, man wartet, bis er festgefahren ist. Und dann, Tage oder sogar Wochen später, wird mit eisernem Einsatz gekratzt, gefräst und geschoben. Warum nicht gleich?
Davos verfolgt ein Schneeräumkonzept, das gerade in diesen Tagen immer wieder hinterfragt wird. Erst bleibt der Schnee liegen, man wartet, bis er festgefahren ist. Und dann, Tage oder sogar Wochen später, wird mit eisernem Einsatz gekratzt, gefräst und geschoben. Warum nicht gleich?
Wenn sich der Winter verändert
Doch die Bedingungen haben sich verändert. In den letzten Wintern kam es immer häufiger zu starken Temperaturschwankungen: ein paar Tage Schnee und Frost, gefolgt von Tauwetter, Sonne und Plusgraden. Diese Abfolge ist für den eingeschränkten Winterdienst ungünstig. Die Schneedecke durchnässt tagsüber, gefriert nachts zu spiegelglattem Eis – und genau dann sind die Mitarbeitenden des Werkhofs mit Hochdruck im Einsatz, um die Strassen wieder sicher zu machen. Aufgrund der sich stetig ändernden Bedingungen auch noch Wochen später.
Ein einheitliches System
Warum nicht Schwarz- und Weissräumung kombinieren? Diese Frage liegt nahe, ist in der Praxis aber kaum umsetzbar. Zum einen, weil der Fuhrpark klar auf ein System ausgerichtet ist. Fahrzeuge, Pflüge, Messer und Fräsen sind entweder für Weiss- oder für Schwarzräumung konzipiert. Das eine lässt sich nicht einfach für das andere einsetzen.Hinzu kommt, dass eine Schwarzräumung in einem stark frequentierten Ortszentrum kaum umsetzbar ist und sich nicht mit einer Landstrasse ausserhalb des Zentrums vergleichen lässt. Auch eine partielle Schwarzräumung ist keine Option: Fahrzeuge würden Schnee und Salz auf die weiss gehaltenen Fahrbahnen und Trottoirs tragen. Das würde erneut Schneematsch verursachen und zusätzlichen Reinigungsaufwand nach sich ziehen.
Ein bewusster Entscheid
Es gibt einen weiteren wichtigen Punkt, weshalb die Gemeinde den eingeschränkten Winterdienst verfolgt: die Ökologie. Schwarzräumen bedeutet unweigerlich hohen Salzeinsatz. In einer Gegend mit empfindlicher Natur, sensiblen Böden und fliessenden Gewässern hätte dies weitreichende Folgen. Enorm erhöht ist auch der Aufwand für Mensch und Material. Schwarzräumen erfordert nicht nur deutlich mehr Salz, sondern auch einen permanenten Einsatz. Sobald es zu schneien beginnt, muss durchgehend geräumt werden. Ein Unterbruch ist nicht möglich.
Ein weiterer Effekt
Marco Loher zeigt einen weiteren Effekt des weitgehenden Verzichts auf Salz auf: Ohne Salz bleibt der Schnee trockener und sauberer. Wo Salz eingesetzt wird, entsteht rasch klebriger Schneematsch, der nicht nur Strassen, Fahrzeuge und Umgebung angreift, sondern den Reinigungsaufwand in Eingangsbereichen und Läden enorm erhöht. Mit dem reduzierten Winterdienst entscheidet sich Davos bewusst für einen Weg, der Umwelt, Infrastruktur und Mensch gleichermassen schont.
Die stille Seite des Winters
Und dann, diese Stille auf den Strassen, selbst auf der Promenade. Der Schnee dämpft die Geräusche, alles wirkt ruhiger. Der Alltag wird langsamer, die Schritte bedachter. Man freut sich über den Schnee, über den Winter und über die weissen Strassen.
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