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Im Camp der Rangers statt beim HCD

Rico Gredig hat die ersten drei Meisterschaftsspiele des HCD verpasst – aus einem erfreulichen Grund allerdings: Der 20-jährige Davoser absolvierte in der NHL-Organisation der New York Rangers in den USA das Rookie Camp. Jetzt kämpft er wieder um möglichst viel Eiszeit beim HCD.

Davoser
Zeitung
26.09.25 - 17:00 Uhr
Eishockey
Rico Gredig hat im HCD-Training sichtlich Spass.
Rico Gredig hat im HCD-Training sichtlich Spass.
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Bevor die NHL-Teams ihre Saisonvorbereitung mit den Camps eröffnen, bitten sie ihre grössten Talente zu speziellen Rookie Camps. Einer solchen Einladung der New York Rangers folgte Rico Gredig in der zweiten Septemberwoche. Der Stürmer war im Juni des vergangenen Jahres im NHL-Draft von den Rangers gezogen worden. Nun gehörte er wie schon im Vorjahr zu den 22 Auserwählten des NHL-Traditionsklubs. Doch wie läuft ein Tag in einem solchen Rookie Camp ab? Gredig erzählt: «Wir Rookies übernachteten alle im selben Hotel. Am Morgen wurden wir ins Trainingszentrum der Rangers gefahren. Dort ist alles vorhanden. Diverse Köche erfüllen bei der Verpflegung die Wünsche der Spieler. Zuerst wird einmal gefrühstückt. Anschliessend folgt eine erste Trainingseinheit im Kraftraum. Wir hatten auch Krafttrainingtests. Dabei wurden unter anderem die Werte bei drei Minuten Vollgas auf dem Bike ermittelt. Im Mittelpunkt standen die täglichen Eistrainings. Sie waren höchst anstrengend. Fast auf jeden Spieler kam ein Trainer – so schien es mir zumindest. Man erhält viele Feedbacks gleich auf dem Eis.» Bekannte frühere NHL-Grössen habe er unter den Trainern keine erkannt, so Gredig weiter.

Von den 22 Rangers-Rookies im Camp hat natürlich jeder das Ziel oder zumindest den Traum, später in der NHL im Madison Square Garden auflaufen zu dürfen. Die Heimstätte der Rangers ist auch als «The Garden» bekannt und wird mit MSG abgekürzt. Es ist eine Mehrzweckhalle in Manhattan in New York City. Die Halle umfasst 19500 Zuschauerplätze. Sie hat einen eigenen Fernsehsender und bezeichnet sich selbst als «The World’s Most Famous Arena» – die berühmteste Arena der Welt. Unter den 22 Rookies sei der Konkurrenzgedanken noch nicht besonders gross gewesen, sagt Gredig. «Wir bildeten eine ziemliche Einheit. Aggressiver wurde es bestimmt mit dem Beginn des Hauptcamps.»

Mit Schlägerei für Aufsehen gesorgt

Im Rahmen des Camps absolvierte Gredig auch zwei Testspiele gegen die Rookies der Philadelphia Flyers. Der Davoser sorgte mit einer Schlägerei mit einem Flyers-Kontrahenten für Aufsehen. Sie geschah Schweizer Zeit in der Nacht vom 13. auf den 14. September. Videosequenzen davon zeigte HCD-Captain Matej Stransky seinen Teamgefährten mit Stolz bereits einige Stunden später in der Davoser Kabine beim Warm-up für das Meisterschaftsspiel gegen Ajoie. «Schlägereien gehören dort drüben zum Eishockey», bemerkt Gredig. «Jeder versucht, Eindruck zu hinterlassen. Ich bin grundsätzlich nicht der Schlägertyp auf dem Eis. Der Gegenspieler zettelte die Balgerei an. Da wehrte ich mich dann logischerweise. Keiner will als Weichei dastehen. Ich glaube, mein Gegner war ein Finne – sicher kein Amerikaner, denn die wissen, wie es bei einer Schlägerei zu und her geht.» Gredig wehrte sich übrigens erfolgreich. Er brachte seinen Gegner zu Boden. Letzte Saison hatte sich Gredig am Ende eines Trainings spasseshalber mit Brendan Lemieux gebalgt. «Brendan vermittelte mir gute Tipps, trug er in seiner NHL-Karriere doch schon einige Fights mehr als ich aus», meint Gredig dazu. «In der Schweiz lohnen sich solche Schlägereien allerdings nicht, weil man mit Spielsperren und Geldbussen sanktioniert wird.»

«Möglichst viel Eiszeit»

Den Sprung ins Camp der NHL-Spieler schaffte Gredig noch nicht. Die Zuständigen bei den Rangers begründeten diesen Entscheid nicht. «Sie äusserten sich über mich aber sehr zufrieden», sagt der Davoser. Und profitiert habe er allemal: «Die Intensität war in den Trainings und Spielen sehr hoch. Das Tempo muss vor allem auch im Kopf stimmen. Man hat weniger Zeit als bei uns in Europa, weil die Spielfelder in Nordamerika kleiner sind. Hinzu kam, dass die Amerikaner körperlich ­jeden Check fertig machten. Das ver­suche ich jetzt in meinem Spiel beim HCD mitzunehmen. Gedanklich bin ich gut bereit. Natürlich gebe ich mein ­Bestes. Ich kann mich noch deutlich weiterentwickeln. Dazu brauche ich möglichst viel Eiszeit.»

Antti Miettinen, der Europa-Scout der New York Rangers, wird Gredigs Leistungen wie schon in der letzten Saison ­aufmerksam verfolgen und den HCD-Stürmer mindestens einmal pro Monat auch im Stadion beobachten. «Wir sind in engem Kontakt», sagt Gredig. «Wenn die Rangers im nächsten Frühling wollen, dass ich in die USA komme, werde ich diesem Ruf folgen. Ein häufiges Hin und Her möchte ich jedoch nicht. Dann bleibe ich lieber in der Schweiz und hoffe, dass ich mich hier möglichst gut zeigen kann und so vielleicht den Sprung in die NHL schaffe. Mir ist bewusst, dass man von den NHL-Klubs schneller ­aufgerufen wird, wenn man in deren Farmteam in der AHL spielt. Pius Suter hat es aber auch von der Schweiz aus geschafft.»

HCD gewinnt auch sein siebtes Spiel

In der laufenden Meisterschaft wartet Gredig noch auf seinen ersten Skorerpunkt. Der HCD gab am Dienstag im siebten Spiel in Zug zwar seinen ersten Punkt in dieser Saison ab. Er setzte sich aber gegen den EVZ nach Penaltyschiessen mit 4:3 durch. In der Kurzentscheidung trafen Adam Tambellini und Simon Ryfors für die Bündner. Seine nächste Meisterschaftspartie bestreitet der HCD am Freitagabend in Zürich gegen die ZSC Lions. Tags darauf empfangen die Davoser um 19.45 Uhr Genf-Servette in der «zondacrypto-Arena».

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