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Von Nadel und Faden zu Schnaps und Bier

Mit vierundzwanzig schon ein «Alter Hase»? Chantal «Chanti» Läderach steht hinter dem Tresen, wo andere feiern – und hat in wenigen Jahren mehr erlebt als manch langjährige Gastro-Grösse. Zwischen langen Nächten, Leidenschaft und kurzen Zündschnüren zeigt sie, warum junge Barkeeperinnen heute mehr sind als Servicepersonal: Sie sind Herz, Seele und Gesicht einer ganzen Szene.

Davoser
Zeitung
15.02.26 - 17:00 Uhr
Menschen & Schicksale
Chantal «Chanti» Läderach gehört bereits mit vierundzwanzig zu den «alten».
Chantal «Chanti» Läderach gehört bereits mit vierundzwanzig zu den «alten».
zVg
Man hört immer wieder von den «Alten Hasen» in der Gastronomie. Sie haben ihre Vorstellungen, Abläufe, ihren Berufsstolz. Doch was ist mit den «Jungen Hasen». Oft sind sie es, die einen auf den Sonnenterrassen, Bars und Restaurants bedienen. Chantal «Chanti» Läderach, die 24-jährige Richterswilerin und Barkeeperin im Ochsen2, weiss aber so gut wie ganz viele aufstrebende Gastronominnen und Gastronomen, dass bereits einige Jahre im doch harten Gewerbe reichen, um genug erlebt zu haben und sich so auch bereits in den Zwanzigern wie ein «Alter Hase» zu fühlen.

Ein Nachtschattengewächs, das seinen Garten fand

«Ich liebe den Job hinter dem Tresen», meint «Chanti», «natürlich nicht immer, aber ich habe viel Schönes in der Gastrobranche erleben dürfen.» Dass sie irgendwann in einer Bar anzutreffen sein wird – hinter einer solchen – stand eigentlich nie auf der Wunschliste des Lebens der jungen Zürcherin. Auch Davos kannte sie nur vom Hörensagen. «Es war eine sehr spontane Entscheidung, als ich mich um die Stelle als Barkeeperin im Tijuana beworben habe», blickt sie auf ihre Anfänge in Davos zurück. «Ich habe mich gleich in den Ort – also vor allem in die Leute – verliebt. Deshalb bin ich auch geblieben. Ich durfte wirklich schöne Zeiten erleben, will aber auch die etwas schwierigeren hier nicht missen und noch vieles ­erleben.»

Zwischen Gast und Gastgeberin

Es sei aber eigentlich nie der Plan gewesen irgendwann in Davos zu «stranden». «Ich war schon immer gerne im Nachtleben unterwegs», erklärt die in der ­Szene als «Partynudel» bekannte Barkeeperin, «es war sozusagen unumgänglich, dass ich irgendwann auch in diesen Business lande. Zu schön, bin ich zugleich an einem solchen Ort gelandet.» Gelernt hat sie es allerdings nie. Die berufliche Laufbahn startete sie nicht am Zapfhahn, sondern an der Nähmaschine. Noch heute ist das Schneidern eine grosse Leidenschaft. «Wenn ich meinen Freunden mal nicht mit Getränken helfen kann, dann sicher bei kaputten Kleidern oder Möbeln», meint sie lächelnd.

Von der Nähmaschine an der Zapfhahn

Man spürt: Was sie macht, macht sie mit Leidenschaft. Vielleicht ist da auch noch eine gute Prise jugendlicher Übermut dabei. Das sieht «Chanti» aber doch ein wenig anders: «Ich bin der Meinung, dass, wenn man in der Gastronomie arbeitet, man zeigen muss, dass man es gerne macht. Zugegeben, an manchen Tagen fällt das einfacher als an anderen.» Die Laune habe aber auch oftmals mit den Gästen selbst zu tun. «Ja, wenn ich an einem Abend davor etwas länger aus war oder ich halt einfach einen schlechten Tag habe, ist die Zündschnur auch bei mir etwas kürzer, das Lächeln etwas kleiner.» An solchen Abenden, gebe sie zu, sei die Leidenschaft dann auch nicht immer voll da. Aber zumindest versuchen, gut gelaunt rüberzukommen, versuche sie immer.

Begleitet von «Alten Hasen» auf dem eigenen Weg

Ja, man hört immer wieder vom Fachkräftemangel in der Gastronomie. Da ist es schön zu sehen, dass es noch junge, motivierte Leute gibt. Vor den «Alten Hasen» habe sie mehr als nur ein bisschen Respekt. «Ich durfte schon mit einigen alteingesessenen Gastronomen zusammenarbeiten», meint Chanti, «natürlich haben sie oftmals auch etwas andere Ansichten oder Vorstellungen. Aber ich glaube, wenn man so lange in der Gastronomie überleben kann, macht man es schon irgendwie richtig.»

Und zugegeben, von einer Karriere bei einer 24-Jährigen zu reden, ist doch etwas vermessen. Doch ist sie schon in einigen Bars in Davos, aber auch im Unterland herumgekommen, hat vieles gesehen und erlebt. Und ist so bereits mit 24 Jahren zu einem Gesicht in der Davoser Barszene geworden. Ob sie allerdings auch eines Tages ein «Alter Hase» hinter dem Tresen sein wird, weiss sie noch nicht. Dauert ja auch noch ein paar Jahrzehnte, bis es soweit ist. «Solange es passt und ich Freude am Job habe, werde ich es aber geniessen.»

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