Zweites Solarprojekt in Graubünden wird gestoppt
Die geplante hochalpine Solaranlage in Splügen-Tambo wird nicht realisiert. EWZ stellt die Planung ein – wegen grosser Vorbehalte im Tourismus.
Die geplante hochalpine Solaranlage in Splügen-Tambo wird nicht realisiert. EWZ stellt die Planung ein – wegen grosser Vorbehalte im Tourismus.
Die geplante Solaranlage im Wintersportgebiet Splügen-Tambo wird aufgrund der Vorbehalte massgebender Akteure und Investoren im Tourismus nicht realisiert. Dies teilte das Unternehmen EWZ am Freitag mit und bedauert, dass ein weiteres Projekt im Rahmen des dringend geforderten Ausbaus von Solar-Freiflächenanlagen mit hoher Winterproduktion nicht umgesetzt werden kann. EWZ setze jedoch weiterhin auf Sonnenenergie – sowohl auf bestehender Infrastruktur als auch im Bereich von Freiflächenanlagen.
Nach dem deutlichen Nein der Stimmbevölkerung von Surses im Januar, ist das eine weitere Niederlage von EWZ beim Bau von Photovoltaikanlagen auf hochalpinen Flächen. In Surses hatte EWZ geplant, Strom für rund 20’000 Haushalte zu produzieren. Das zweite – nun ebenfalls gestoppte – Solarprojekt in Splügen hätte jährlich Strom für rund 4800 Haushalte produzieren sollen.
Deutliche Ablehnung: Auch Nandro Solar erleidet Schiffbruch
Nicht mit touristischen Plänen vereinbar
Das Projekt hat EWZ laut Mitteilung aufgrund von Vorbehalten aus dem Tourismus und der damit gesunkenen Realisierungschance eingestellt. «Gemeinsam mit dem Gemeindevorstand haben wir die Planungen für nachhaltigen Sonnenstrom aus Rheinwald an einem sehr gut erschlossenen Standort vorangetrieben», sagt Philippe Heinzer, Leiter des Geschäftsbereichs Energie bei EWZ. «Leider sprachen sich die massgebenden Akteure und Investoren im Tourismus immer deutlicher gegen das Projekt Tambo-Solar aus. Dies bedauern wir, denn Tambo-Solar hätte einen wichtigen Beitrag zur so dringend benötigten Winterstromproduktion leisten können.»
Christian Simmen, Präsident der Gemeinde Rheinwald, sagt: «Wir arbeiten seit längerem an Projekten zur touristischen Entwicklung der Region. Damit soll die regionale Volkswirtschaft gestärkt und nachhaltig gesichert werden. Eine Solaranlage in dieser Grössenordnung ist mit den geplanten künftigen touristischen Plänen leider nicht vereinbar.» Die Gemeinde würde es aber begrüssen, gemeinsam mit EWZ weitere Solarpotenziale in der Gemeinde zu prüfen.
Winterstrom wird dringend benötigt
Der Standort im Skigebiet Splügen-Tambo wäre aufgrund hoher Ertragswerte und der Einbindung in bestehende Infrastrukturanlagen laut EWZ ideal gewesen. Hochalpine Solaranlagen sind effizienter und liefern überdurchschnittlich viel Winterstrom. Dieser wäre dringend notwendig, um die ansteigende Stromnachfrage infolge der Dekarbonisierung zu decken und die Versorgungssicherheit zu erhöhen. EWZ hat bereits zwei hochalpine Solar-Grossanlagen in Betrieb. An der Albigna-Staumauer im Bergell und an der Staumauer am Lago di Lei produzieren sie Sonnenstrom. Beide Anlagen erfüllen die Erwartungen insbesondere in Bezug auf die hohe Stromproduktion im Winter.
Trotz des Entscheids gegen den Bau von Tambo-Solar und der Ende Januar erfolgten Abstimmung gegen das Projekt Nandro-Solar in der Gemeinde Surses ist EWZ von den Vorzügen und der Notwendigkeit hochalpiner Solaranlagen überzeugt. So wird EWZ gemeinsam mit der Gemeinde Rheinwald weitere Potenziale für Solaranlagen auf Gemeindegebiet prüfen. (red)
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