Widerstand gegen den drohenden Verlust eines Kulturguts
Eingebettet in eine beeindruckende Berglandschaft, gilt die historische Walsersiedlung als zentraler Identifikationspunkt für die Davoserinnen und Davoser sowie für Zweitheimische, Ferien- und Tagesgäste. Der Gegensatz dieser idyllischen Umgebung zum urbanen Davos spielt eine entscheidende Rolle in der touristischen Vermarktung. Ebenso wichtig ist die Bedeutung des Sertig Dörfji für die Vermittlung des kulturhistorischen Erbes der Walser und der Geschichte der Davoser Landschaft.
Trotz dieser einzigartigen Bedeutung wird das Sertig Dörfji durch Neubauprojekte bedroht. Am 20. März wurde eine Motion eingereicht, die einen sofortigen Baustopp und eine Korrektur eines Planungsfehlers fordert. Der Widerstand gegen die geplante Veränderung des Sertig Dörfji ist keineswegs ein überraschendes oder verspätetes Anliegen, sondern das Resultat einer langfristigen, auf offiziellen Empfehlungen basierenden Auseinandersetzung. Bereits am 14. Dezember 2023 wurde eine Interpellation beim Kleinen Landrat eingereicht, in der gezielt die Wahrung des Ortsbildes bei Neubauten in der historisch bedeutsamen Walsersiedlung hinterfragt wurde. In der verspäteten Antwort (April 2024) wurde dann unter anderem aufgeführt, dass das kommunale räumliche Leitbild (KrL) und die Wohnraumstrategie Entscheide der Exekutive und Legislative sind, anhand derer die Raumplanung umgesetzt wird. Weiter hat der damalige Kleine Landrat Simi Valär bestätigt, dass die Empfehlungen des Heimatschutzes sehr ernst genommen würden. Es gab deshalb keinen Anlass, weitere Schritte einzuleiten, da dem Kleinen Landrat vertraut wurde. Weiter wurde in der entsprechenden Interpellation nach der Befangenheit der Baukommission gefragt, auch da wurde in der Antwort vermerkt, dass die Baubehörde gemäss Art.4 Baugesetz Unterstützung durch Fachpersonen einholen darf und wird, um ihren Entscheid fundiert abzustützen. Dies wäre im delikaten Fall Sertig Dörfji dringend notwendig gewesen.
Die Kritik richtet sich besonders an die Baukommission, die Baubehörde und den Kleinen Landrat, welche alle bei der Entscheidung mehrere gewichtige Kriterien zum Schutz des Kulturguts Sertig Dörfji trotz vorliegendem Schutzstatus auf kantonaler- und Gemeindeebene sowie Einsprachen und Stellungnahmen des Heimatschutzes nicht ausreichend berücksichtigt haben. Diese Versäumnisse wurden erst bei der Erteilung der Baubewilligung offensichtlich, wodurch viele Personen vor vollendete Tatsachen gestellt wurden.
Um das Sertig Dörfji als Kulturgut zu bewahren, wurde am 27. März die Interessengemeinschaft (IG) Sertig gegründet. Die IG, die mittlerweile überparteilich viel Unterstützung erfährt, setzt sich entschieden für den Erhalt des einzigartigen Kulturerbes ein. Die von der IG Sertig lancierte Petition «Keine Neubauten im Sertig Dörfji» soll das breite öffentliche Interesse am Sertig Dörfji bekräftigen. Die Forderungen der IG Sertig sind klar: Bestehender Schutzstatus und Erhaltungsziele respektieren.
Erteilte Baubewilligungen widerrufen, vorhandene Baulandreserven auszonen
Das Sertig Dörfji kann wie bis anhin durch Um- und Weiterbauten weiterentwickelt werden, mit Respekt für den über Jahrhunderte gewachsenen Bestand. Für Neubauten auf der grünen Wiese ist dies jedoch ganz klar der falsche Ort.
Weiterführende Infos und Unterschriftsbögen zum Download unter www.igsertig.ch
Link zur Online-Petition: www.petitio.ch/petitions/7SQnX
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