Jodeln wird Weltkulturerbe
Was einst als Ruf über die Alp begann, ist heute international anerkannt: Die UNESCO würdigt das Jodeln als lebendige Kulturform.
Was einst als Ruf über die Alp begann, ist heute international anerkannt: Die UNESCO würdigt das Jodeln als lebendige Kulturform.
Was lange als typisch schweizerische Volkskultur galt, ist seit Dezember 2025 offiziell Weltkulturerbe: Das Jodeln wurde von der UNESCO in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. Ausgezeichnet wird damit nicht ein einzelnes Lied oder ein bestimmter Stil, sondern eine lebendige kulturelle Praxis, die seit Jahrhunderten von Generation zu Generation weitergegeben und bis heute gepflegt wird.
Vom Alp-Ruf zur Volkskultur
Die Ursprünge des Jodelns reichen weit zurück. In seinem Ursprung diente der Jodel als Ruf- und Verständigungsform im alpinen Raum. Hirten nutzten den Wechsel zwischen Brust- und Kopfstimme, deren Klang besonders weit trägt, um über grosse Distanzen zu kommunizieren.
Hinweise auf ähnliche Rufgesänge finden sich bereits im Mittelalter. Der Begriff «Jodel» taucht jedoch erst später auf. Lange blieb der Gesang eine bäuerliche, mündlich überlieferte Ausdrucksform, fernab von Bühne oder Konzertsaal.
Ab dem 18. Jahrhundert begann sich diese Praxis zu verändern. Der Jodel fand Eingang in Volkslieder, wurde so Teil von Wirtshaus- und Festkultur und löste sich zunehmend aus seinem ursprünglichen Alltagskontext. Im 19. Jahrhundert entwickelte er sich verstärkt zu einem Ausdruck schweizerischer Identität.
Organisation und Weitergabe
Mit dem 20. Jahrhundert entstanden feste Strukturen: Jodlerchöre, regionale Zusammenschlüsse und nationale Feste. Der Eidgenössische Jodlerverband, gegründet 1910, trug wesentlich dazu bei, den Gesang zu organisieren und weiterzuentwickeln. Gleichzeitig blieb das Jodeln offen für regionale Unterschiede: vom wortlosen Naturjodel bis zum mehrstimmigen Jodellied.
Mit dieser historisch gewachsenen Rolle wurde der Eidgenössische Jodlerverband zum zentralen Ansprechpartner, als es darum ging, das Jodeln als immaterielles Kulturerbe zu erfassen. In enger Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Kultur wurden die Grundlagen für die spätere UNESCO-Kandidatur erarbeitet.
Eine wichtige Rolle bei der Erarbeitung der Kandidatur spielte auch die fachliche Begleitung. Die Hochschule Luzern brachte ihre Expertise ein. Sie ist die einzige Hochschule der Schweiz mit einem Studiengang Volksmusik, Jodeln kann als Hauptfach studiert werden.
Das Roothuus Gonten in Appenzell Innerrhoden spielte für die von der UNESCO geforderte nachweisliche Bewahrung und Dokumentation eine zentrale Rolle. Als Archiv- und Forschungsstelle sammelt, dokumentiert und digitalisiert es Naturjodel und Volksmusik und macht diese wissenschaftlich erschlossen zugänglich.
Diese klar definierten Trägerstrukturen waren ein entscheidendes Element der erfolgreichen Kandidatur.
Eine lebendige Praxis
Ausschlaggebend für die Aufnahme war diese Mischung aus gelebter Tradition in der Bevölkerung, Weitergabe durch Ausbildung, Dokumentation und Forschung sowie einem breit abgestützten Trägerkreis. Gewürdigt wird kein starres Kulturgut, sondern eine lebendige Praxis, die sich weiterentwickelt, im Alltag verankert bleibt und von vielen Akteuren, Jung und Alt, gemeinsam gelebt und weitergetragen wird.
Mehr als Musik
Jodeln ist nicht nur Gesang, sondern eine soziale Kulturform. An Jodlerfesten steht das gemeinsame Erleben im Vordergrund. Diese offene, gemeinschaftliche Haltung prägt die Praxis bis heute und erklärt, weshalb das Jodeln auch im 21. Jahrhundert Menschen anzieht.
Jodelanlässe 2026 - eine Auswahl -
28. Februar, 17 Uhr
Jutze & Singe Kirche St. Josef, Klosters
Abschlusskonzert des Projektchors mit dem Jodelchörli Silvretta und Kinderjodelchörli Silvrettastärnli.
26. – 28. Juni
32. Eidgenössisches Jodlerfest, Basel
Dreitägiges Grossfest mit über 1000 Vorträgen in verschiedenen Sparten und grossem Begegnungsteil.
26. Juli
Sertig Schwinget, Davos Sertig
Regionaler Anlass mit Auftritt des Jodelchörlis Parsenn Davos.
12. September
1. Eid. Jugendjodelfest, Grindelwald
Erstmals stattfindender Bundes-Jugendjodelanlass.
3. Oktober
51. Bündner Jodlertag, Chur
Kantonales Treffen der Jodlerszene.
31. Oktober
Konzert in der Marienkirche, Davos
Das Jodelchörli Parsenn Davos feiert sein 70-Jahr-Jubiläum.
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