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Bach wäre begeistert gewesen

Am Karfreitag wurde im Rahmen der Davoser Abendmusik in der Kirche St. Johann die Johannes-Passion von Johann Sebastian Bach aufgeführt. Das zahlreich erschienene Publikum erhielt ein Konzert der Super­lative vorgesetzt.

Pascal
Spalinger
27.04.25 - 07:00 Uhr
Ereignisse
Chor St. Johann, Ensemble und Solistinnen respektive Solisten vermochten zu überzeugen.
Chor St. Johann, Ensemble und Solistinnen respektive Solisten vermochten zu überzeugen.
ps
Die Kirche war ausgezeichnet gefüllt: Nur an den äussersten Seiten des Kircheninneren hatte es noch ganz wenige Plätze frei, und selbst auf der Galerie lauschten gegen 30 Personen den Klängen des knapp zwei Stunden dauernden Konzerts. Von Solistinnen und Solisten, dem Chor St. Johann, der Kantorei ­Blaubeuren (D) sowie einem Ensemble – bestehend aus Damen und Herren des Collegium musicum Blaubeuren und der Cappella Vivace Rottweil (D) – intonierten die sogenannte «Fassung II», die von Johann Sebastian Bach 1725 geschaffen wurde. Die Erstaufführung der Johannes-Passion erfolgte 1724 in Leipzig (D). Die Reformationszeit liess deutsch­sprachige Passionsvertonungen aufkommen, wobei auch der Gemeindegesang einbezogen war, und einheimische «Dichter» lieferten dazu nun freie Texte. Aufgrund von Streitigkeiten mit der ­Kirchenbehörde – die måeinte, das Werk sei zu opernhaft – gab Bach der Ur­fassung seiner Passion eine neue Gestalt, die heute noch gerne wiedergegeben wird.

Hohe Authentizität

Während des Konzerts wähnte man sich ziemlich genau um 300 Jahre zurückversetzt. Bach hätte an der Inszenierung seiner Johannes-Passion wohl seine helle Freude gehabt. Das Orchester gab den Soli und Gesamt-Chören sowie Chorälen und Rezitativen mit seinem virtuosen Spiel einen grundsoliden Boden, und sowohl der Chor als auch die Solisten vermochten die Zuhörerschar zu überzeugen. Den ­Solistinnen Marie Hänsel (Sopran) und Anna-Maria Haberberger (Alt) sowie den Solisten Theo Rode (Tenor), Sebastian Schäfer und Nikolaus Fluck (beide Bass) durfte eine sehr gute Tonqualität attestiert werden. Die Rezitative waren gut verständlich, auch wenn sich die Sängerinnen und Sänger zuweilen in sehr hohen Tonlagen zu bewegen hatten. Unterstützt wurden sie von einem sehr homogen auft­retenden Chor. So wurde das Konzert nie langweilig, auch wenn es mit fast zwei Stunden länger dauerte als die üblichen Veranstaltungen im Rahmen der Abendmusik. Die Zuhörerinnen und Zuhörer konnten der Passionsgeschichte jederzeit problemlos folgen und spendeten am ­Ende des Konzerts reichlich Applaus. Gesamtleiter Ulrich Weissert sowie Cornelius Weissert, die Väter dieses einmaligen Projekts, durften mit dem Erreichten schlussendlich zu Recht zufrieden sein.

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