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Neues wagen

Dieses letzte Jahr war für mich geprägt von ganz vielen kleinen Abschieden. Denn auf Ende Dezember würde Schluss sein, das wusste ich. Pensionierung! Welch verlockendes und auch beängstigendes Wort. Was geschieht mit mir, wenn ich nicht mehr meine tägliche Aufgabe vor mir finde? Wie fülle ich meine Zeit? Falle ich in ein grosses Loch? Diese Fragen liessen mich zeitweise doch einigermassen unruhig schlafen.

Davoser
Zeitung
02.01.26 - 07:00 Uhr
Ereignisse
Barbara Gassler.
Barbara Gassler.
zVg
Doch da ist auch die andere Seite. Nicht mehr müssen, nur noch dürfen. Den ­Neigungen und Interessen nachgehen zu können, ohne vom Korsett des Berufs­lebens eingeschränkt zu sein. Inzwischen freue ich mich darauf mehr, als dass ich mich vor dem Loch fürchte.

Doch zurück zu den Abschieden. Ein letztes Mal dieses Thema abdecken, ein letztes Mal mit jenem in Kontakt treten, ein letztes Mal die Zeitung gestalten.

Mitten im Abschied entdeckte ich aber auch Neues. So hatte ich nie, in den ganzen Jahren nicht, einen Erlebnisbericht geschrieben. Einmal wollte ich mir dieses Vergnügen doch auch noch gönnen. Dass ich mich damit ausgerechnet auf Curling-Eis wiederfand, hatte mit der Tatsache zu tun, dass genau zum richtigen Zeitpunkt ein Schnuppertraining ausgeschrieben war. Aber auch, dass ich schon lange neugierig war, was die Faszination dieses Spieles denn sei. Nun weiss ich es, und mein Weg dahin ist nachzulesen in der Ausgabe der DZ vom 25. November.

Oft wurde ich gefragt, worüber ich denn alles berichte. «Alles», pflegte ich zu antworten. «Notfalls auch über Hockey. Obwohl, da hätte ich wohl nur zu sagen, dass die Hemden nicht in den Hosen stecken.» Nun, Hochmut rächt sich, und so sass ich erst kürzlich am Benefizspiel der HCD-Ladies auf der Tribüne und stellte mit Schrecken fest, dass alle das Oberteil luftig über den Hosen trugen. Was nun? Notgedrungen vertiefte ich mich ins Spiel, beobachtete und verglich mit den Hockeyspielen, die ich schon gesehen hatte. Allen sei Dank, die mich irgendwann mal mit ins Stadion geschleppt oder vor dem Fernseher parkiert hatten: Es half sehr viel! Das Resultat ist nachzulesen in der DZ vom 2. Dezember. Dieser Text ist ebenfalls ein letztes Mal: Keine öffentlichen Jahresrückblicke mehr für mich. Häbed’s guat!

Barbara Gassler, Redaktorin DZ

Pascal Spalinger.
Pascal Spalinger.
zVg

Zurück zur Normalität

Nachdem ich im vorherigen Jahr froh sein musste, überhaupt überlebt zu haben – diese Erkenntnis reifte erst zu Beginn des aktuellen Jahres – verlief 2025 gesundheitlich in wesentlich ruhigeren Bahnen. In der Redaktion lief alles in geordneter Runde, und ich durfte in Davos und Klosters wieder diverse spannende Leute ­kennen lernen. Einer von mehreren Unterschieden: Während wir in Davos selten Besuch auf der Redaktion erhalten, ist dies in Klosters praktisch täglich der Fall. Dabei braucht es hin und wieder auch ein wenig Fingerspitzengefühl, beispielsweise wenn eine schluchzende Person eine Todesanzeige aufgeben möchte. Zusammengefasst kann ich sagen, dass ich mein Netzwerk in verschiedenen Bereichen weiter ausbauen konnte.

Auch privat darf ich mit dem nun ab­laufenden Jahr zufrieden sein: Ich durfte mein Hobby Schach Davoser Kindern weitergeben, und einige wurden sogar so gut, dass sie ihren Papi oder das Nani besiegen, gegen die sie lange nur den Kürzeren gezogen hatten. Zudem wurde im Dezember der Schachclub Davos wieder ins Leben gerufen. Die Gründungsmitglieder sind motiviert, den alten Glanz des Clubs wieder aufleben zu lassen – ob dies gelingt, wird die Zukunft zeigen. Auch durfte ich unabhängig vom Beruf tolle Menschen kennen lernen und hoffe, dass diese Verbindungen auch im neuen Jahr bestehen bleiben.

Überhaupt wünsche ich mir vom neuen Jahr, dass es so wird wie 2025. Gesundheitliche Einschränkungen sind akzeptabel, wenn der Rest einigermassen stimmt. Mögen also die guten Beziehungen weiter gehen – vor allem jene mit denen, die sich in Krisenzeiten als wahre Unter­stützung erwiesen hatten.

Pascal Spalinger, Davoser und Klosterser Zeitung

Yves Weibel.
Yves Weibel.
zVg

Blick nach vorn

Yves blickt nicht nostalisch zurück – dafür hat er keine Zeit.

Am 25. Dezember sass er in der Bolgenschanze neben seinem Vater, der gerade eine Lesung hielt, als wäre Weihnachten erfunden worden, um Texte vorzulesen. Yves hatte einen kurzen Gasteinsatz, mehr Beobachter als Sohn, mehr Mitdenker als Mitläufer. Man merkt schnell: Er weiss, woher das kommt, was hier passiert. Und er weiss genauso genau, dass man Fussstapfen nicht ehrt, indem man drin stehen bleibt. Er nimmt mit, was taugt, und lässt den Rest liegen. Der eigene Text wartet ohnehin schon.

im Auftrag, Redaktion DZ

Regina Maier.
Regina Maier.
zVg

Ein Kleid zu Ehren Manns

Ob ich bereit wäre, einen der Redaktoren auf ein Event zu begleiten, um im Anschluss darüber zu berichten, fragte mich Hampi beim Vorstellungsgespräch. Klar. Die 150-Jahr-Feier zu Ehren Thomas Manns auf der Schatzalp war meine Idee.

Samstagabend die Veranstaltung, Montagmorgen Deadline für den Artikel. Das machte mich nervös. Was, wenn mir an diesem Sonntag nichts einfallen würde? Also begann ich im Vorfeld zu recherchieren. Bis ins Detail. Über Thomas Mann, seine Zeit auf der Schatzalp, über Hans Castorp. Ich versuchte, die Parallelen zu verstehen. Am Ende lag ein ausführlicher, vermeintlicher Artikel auf meinem Tisch. Alles war parat, ich hätte nur noch die Details des Events anpassen müssen.

Dann der Anruf von Yves, am Tag vor dem Anlass. Mein Artikel sollte die Panoramaseite werden. Sprich: viele Bilder, wenig Text. Laola. Die ganze Mühe umsonst? Natürlich nicht. Aber erst fühlte es sich mal blöd an.

Es kam jener Abend. Kostümball im Stil der 20er-Jahre. Ich in einem langen schwarzen Kleid, passend geschminkt und frisiert. Zwanzig Jahre war es her, dass ich zuletzt ein Kleid getragen hatte. Ich fühlte mich äusserst bizarr, gelinde gesagt.

Wie manch einer bereits gemerkt hat: Auf fremde Leute zuzugehen, ist nicht meine grösste Stärke. Und genau das musste ich nun tun, in einem Kleid. Die Veranstalter ansprechen, die Fotografen, sicherstellen, dass alles für die Panoramaseite zusammenkommt. Für den Job. Also Augen zu und durch. Und es funktionierte. Ein paar Tage später erschien die Panoramaseite.

Regina Maier, Redaktorin DZ

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