Nachruf Hansruedi Camenisch
Am 4. März hat das blau-gelbe Herz von Hansruedi Camenisch unerwartet aufgehört zu schlagen. Beinah 50 Jahre lang begleitete der Sportjournalist den HC Davos, den Spengler Cup und die Schweizer Nationalmannschaft. In unzähligen Artikeln, Reportagen – aber auch in mehreren Büchern – hielt er Fakten, Anekdoten und Geschichten fest und dokumentierte damit ein grosses Stück Davoser Eishockeygeschichte.
Am 4. März hat das blau-gelbe Herz von Hansruedi Camenisch unerwartet aufgehört zu schlagen. Beinah 50 Jahre lang begleitete der Sportjournalist den HC Davos, den Spengler Cup und die Schweizer Nationalmannschaft. In unzähligen Artikeln, Reportagen – aber auch in mehreren Büchern – hielt er Fakten, Anekdoten und Geschichten fest und dokumentierte damit ein grosses Stück Davoser Eishockeygeschichte.
Nach seiner Schulzeit und einem Sekundarlehrer-Studium in Zürich verschrieb er sich Ende der 1970er-Jahre dem Sportjournalismus. Seit 1978 berichtete er über den HC Davos – zunächst als Sportredaktor in einer Zeit, in der noch von jedem Spiel ein ausführlicher Matchbericht in der gedruckten Zeitung erschien. Später prägte er während 23 Jahren als Chefredaktor die Bündner Zeitung, die 1997 Teil der Südostschweiz Mediengruppe wurde. Mit seiner Leidenschaft für den Sport, seinem enormen Wissen und seinem feinen Gespür für Geschichten wurde er zu einer prägenden Stimme des Bündner Sportjournalismus.
So blieb er auch nach seiner Pensionierung vor acht Jahren dem Schreiben und «seinem» HCD treu. Bis kurz vor seinem Tod verfasste Hansruedi Camenisch Jahr für Jahr dutzende historische und aktuelle Beiträge für die HCD-Webseite, das HCD-Magazin «Im Slot» sowie das Spengler-Cup-Jahrbuch. Darüber hinaus schrieb er als freier Mitarbeiter für die Davoser Zeitung. Als wandelndes HCD-Lexikon war er zudem Mitglied der Kommission Hall-of-Fame des Spengler Cups und wirkte als Co-Autor am 2021 erschienenen Jubiläumsbuch «100 Jahre HCD» mit.
Dabei standen für Hansruedi Camenisch stets die Menschen hinter den Geschichten im Mittelpunkt. Polemik war nie seine Art. Doch wenn Fehler passierten, sprach er sie offen an – sachlich, direkt und ohne Umschweife. Ob ein entscheidender Fehlpass oder ein fragwürdiger Transfer: Hansruedi scheute sich nicht, kritisch nachzufragen und zu berichten. So kam es im Laufe der Jahre auch ab und an zu einem emotionalen Wortwechsel. Etwa in den 1980er-Jahren mit Craig Sarner, später auch mal mit Arno Del Curto oder Christian Wohlwend. Nach einer Niederlage hielt er diesem vor der Garderobe einmal direkt entgegen, der Mannschaft fehle ein Spielkonzept. Solche Momente gehörten zu seinem Beruf und zu seiner Haltung als Journalist: ehrlich, kritisch und immer dem Sport verpflichtet.
In diesen knapp 50 Jahren begegnete Hansruedi Camenisch neben unzähligen Spielern der Schweizer Meisterschaft auch den grossen Persönlichkeiten des Welteishockeys. Viktor Tikhonov, Andy Murray, Evgeni Nabokov, Martin St. Louis, Håkan Loob, Patrick Kane, Joe Thornton – und vielen mehr. Diese Begegnungen waren für ihn weit mehr als nur Teil seiner Arbeit. Sie gehörten zu den besonderen Momenten seines Lebens. Denn Hansruedi war nicht nur Journalist – er war immer auch Fan. Mit derselben Begeisterung, mit der er über Eishockey schrieb, sammelte er Autogramme «seiner Helden». Auf originalen Spielerkarten und oft auch in den betreffenden Kapiteln der Bücher, die er selbst geschrieben hatte.
48 Jahre lang war Hansruedi Camenisch bei nahezu jedem Heimspiel des HC Davos auf der Medientribüne vor Ort. Zeitweise auch bei vielen Auswärtspartien, ob in der Schweiz oder im Ausland. Mit ihm verliert der Hockey Club Davos nicht nur einen Chronisten und treuen Begleiter, sondern auch einen Freund, dessen Leidenschaft, Wissen und unermüdliches Engagement den Klub über Jahrzehnte geprägt haben. Die Medientribüne im Eisstadion Davos wird ohne ihn leerer sein.
Markus Glarner (HCD)
Wir bitten um euer Verständnis, dass der Zugang zu den Kommentaren unseren Abonnenten vorbehalten ist. Registriere dich und erhalte Zugriff auf mehr Artikel oder erhalte unlimitierter Zugang zu allen Inhalten, indem du dich für eines unserer digitalen Abos entscheidest.
Bereits Abonnent? Dann schnell einloggen.