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Was will das «Spital-Postulat»?

Die Stimmbevölkerung hat im November deutlich der Entschuldung des Spitals zu­gestimmt. Allerdings ging ein Postulat ein, welches die Strategie auf den Prüfstand stellt (DZ 27. Januar). Die Antwort der Gemeinde auf den Artikel folgte sogleich (DZ 3. Februar). Wir lassen nun auch noch die Postulanten zu Wort kommen.

Davoser
Zeitung
15.02.26 - 07:00 Uhr
Politik
Spital Davos.
Spital Davos.
DZ Archiv

Yves Weibel: Das Postulat richtet sich keineswegs gegen das Spital und die Bevölkerung hat der Entschuldung zugestimmt. Aus welchem Grund habt ihr es trotzdem eingereicht?

Reto Keller: Die Bevölkerung hat mit einer grossen Mehrheit der Entschuldung zugestimmt. Das ist erfreulich und zeigt auf, dass die Bevölkerung ein Spital will. Dies will auch jedes Mitglied des Grossen Landrats, welches das Postulat mitunterzeichnet hat. Das waren immerhin deren zwölf. Aber, das grosse Ziel muss es sein, dass die Spital Davos AG wirtschaftlich tragbar wird. Es kann nicht sein, dass die Gemeinde als Eignerin der Spital Davos AG regelmässig Beiträge an das Spital bezahlen muss, um die wirtschaftliche Gesundung herbeizuführen. Aus diesem Grund ist das Postulat entstanden.

Was läuft in der bisherigen Spitalstrategie von Davos «falsch»? Was sind die grössten Knackpunkte?

Die jetzige Unternehmensstrategie basiert auf der momentanen Sichtweise der Spital Davos AG. Das mag aus Sicht der AG stimmig sein. Aber es fehlt eben die Betrachtung auf den gesamten Gesundheitsplatz. Es ist die Aufgabe der Exekutive, diese Betrachtung vorzunehmen. Aus unserer Sicht fehlt aber diese. Die Medizin hat sich in den letzten Jahren massiv gewandelt, spezialisiert und die Komplexität hat zugenommen. Die Qualität der Versorgung richtet sich insbesondere nach den Fallzahlen und das muss auch in die Überlegungen mit einfliessen. Vermehrt werden Leistungen, auch operative ambulant durchgeführt, was durch die Annahme von EFAS vom 24. November 2024 vom Schweizer Stimmvolk angenommen wurde und die Strukturen von Spitälern in den nächsten Jahren massiv verändern wird. Die Prozesse müssen anders gedacht werden, um ambulant effiziente Versorgung anbieten zu können. Wenn wir aber nur von Bettenzahlen hören, die gebaut werden sollen, ohne entsprechende Prozesse mit abzubilden, greift dies zu kurz. Zudem verschärft der Fachkräftemangel das Problem in der Peripherie und wird, wenn wir dies nicht sinnvoll planen, zu einer Bereinigung von Leistungen führen.

In einem ersten Schritt muss die Gemeinde die Strategie für den Gesundheitsplatz, also ein Gesundheitsleitbild festlegen welches insbesondere auch die Entwicklungen des Gesundheitswesens über die nächsten 20-30 Jahre versucht vorausschauend mit abzubilden. Wie soll der Gesundheitsplatz Davos aussehen, wie sollen die Schnittstellen zwischen den Anbietern ausgestaltet werden und welche Rolle soll die Spital Davos AG in diesem Gefüge übernehmen? Dabei ist der Blick von aussen genauso wichtig wie eben der Blick auf den gesamten Gesundheitsplatz. Und selbstverständlich müssen die Vorgaben vom Leitbild Gesundheitsversorgung 2026-2036 des Kantons in diese Überlegungen einfliessen. Wenn die Gemeinde 60-70 Millionen investieren will, dann muss klar sein, welche Strategie für den Gesundheitsplatz Davos verfolgt werden soll. Ohne diese aktualisierte Gesamtstrategie, die es nach unserem Wissen noch nicht gibt, kann keine abschliessende Eignerstrategie definiert werden. Diese wiederum ist notwendig, dass die Spital Davos AG ihre Unternehmensstrategie festlegen kann. Wir sind uns aber sicher, dass ohne klare Strategie für den Gesundheitsplatz Davos, es ein Kredit in dieser Dimension schwer haben wird.

Welche Leistungen müssen in Davos zwingend bleiben, und wo sollte bewusst eine rote Linie gezogen werden?

Wichtig ist, dass die medizinische Notfallversorgungssicherheit und Tagesklinik gewährleistet ist. Leistungen, die angeboten werden, wie beispielsweise onkologische Therapien, müssen eine hohe medizinische Qualität aufweisen und zu guter Letzt muss die wirtschaftliche Tragfähigkeit auch gegeben sein. Planbare Leistungen können grundsätzlich auch woanders angeboten werden und müssen nicht zwingend in Davos erbracht werden. Eine Spezialisierung und Fokussierung des Angebots scheinen aus unserer Sicht unumgänglich.

Es darf nicht mehr sein, nur weil es wünschenswert ist, ein Angebot zu haben, obwohl das nicht wirtschaftlich ist. Die Ausnahme bilden Leistungen, welche die Bevölkerung oder der Kanton explizit bestellt. Aber auch hier muss dem Stimmvolk vom medizinischen Experten ehrlich aufgezeigt werden, was sinnvoll erbracht werden kann. Wenn das Davoser Volk dann sagt, wir wollen zum Beispiel eine Geburtenabteilung, dann kommt da ein Preisschild hin und das Volk entscheidet. Wir sind aber nicht sicher, ob es mittelfristig überhaupt möglich ist, die medizinische Qualität in diesem Bereich zu erhalten. Gerade die Geburtshilfe hat hier eher tiefe Fallzahlen, ist aber ein emotionales Thema und darf nicht dazu verwendet werden eine Abstimmung mit offenkundig falschen Tatsachen zu manipulieren.

Aus unserer Sicht hat die medizinische Qualität den höchsten Stellenwert und ist vor der Wirtschaftlichkeit zu werten. Schon jetzt gehen viele Davoser für spezialisierte Untersuchungen, die nicht notfallmässig erfolgen müssen ins spezialisierte Zentrum im Unterland oder in Chur. Im Umkehrschluss würden aber auch Patienten überregional nach Davos kommen, wenn hier ein hochkarätiges spezialisiertes Angebot bestehen würde, was die Dauerauslastung ermöglichen würde.

Ein funktionierendes Gesundheitsangebot ist teuer. Wie kann oder sollte Davos dieses, eurer Meinung nach, nachhaltig finanzieren?

Diese Frage ist die zentrale. Das können wir aber nicht beantworten. Unser Postulat zielt nicht darauf ab, dem Spital zu diktieren, wie es geführt werden soll und mit welchen Leistungen. Wir wollen zwei Dinge. Erstens vor der vertiefen Planung einen strukturierten Prüfbericht auszuarbeiten, wie der Gesundheitsplatz aufgestellt sein kann oder soll und zwar mit einer Perspektive über die nächsten 20–30 Jahre und zweitens aus diesen Erkenntnissen eine Eignerstrategie zu erarbeiten, welche klare Leistungsaufträge definiert welche die Qualität der angebotenen Versorgung mit einbezieht, eine tragfähige Finanz- und Infrastrukturstrategie enthält, ein regional integriertes Modell für die Versorgung abbildet, die Zusammenarbeit mit lokalen und überregionalen Gesundheitseinrichtungen aufzeigt und damit die Zukunft des Spitals sichert oder alternativ die Versorgung mittels Leistungsvereinbarungsauftrag sicherstellt.

Um dies alle zu erarbeiten, ist es wahrscheinlich hilfreich und notwendig die Unterstützung von externen Experten abzurufen. Diese bringen den zwingenden Blick von aussen mit.

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