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Warm einpacken, der Nebel kommt – auch in Graubünden?

Im Herbst gibt es oft Nebel. Wieso eigentlich? Und bleibt Graubünden wirklich immer von Nebel verschont?

27.09.24 - 04:30 Uhr
Graubünden
Neblige Herbsttage im November: Ein Mann joggt oberhalb von Flims durch den Nebel.
Neblige Herbsttage im November: Ein Mann joggt oberhalb von Flims durch den Nebel.
Bild Livia Mauerhofer
Es ist Herbst: Ab Ende September sind die Nächte wieder länger als die Tage, und zu der längeren Dunkelheit kommt der Nebel, der den Tagen das Licht nimmt und sie düster macht. Doch wie entsteht Nebel eigentlich? Und wieso taucht er vor allem im Herbst auf? Roger Perret von «meteonews.ch» erklärt. 

Wie entsteht Nebel?

Weil im Winterhalbjahr die Nächte länger sind als die Tage, kann sich der Erdboden in klaren, windschwachen Nächten länger abkühlen, indem er Wärme abstrahlt. Dabei steigt die relative Luftfeuchtigkeit, denn die kalte Luft kann weniger Wasserdampf aufnehmen als die warme.

Steigt die Luftfeuchtigkeit in der Nacht auf 100 Prozent, also auf den Taupunkt, kann sie keine weitere Feuchtigkeit mehr aufnehmen: Sie beginnt zu kondensieren. Vereinfacht gesagt, wird das Wasser in der Luft wieder sichtbar.

Zunächst bildet sich also Dunst: Dabei beträgt die Sichtweite noch mehr als einen Kilometer. Von Nebel spricht man, wenn die Sichtweite unter einen Kilometer sinkt. Diese Art von Nebel wird Strahlungsnebel genannt, es ist die mit Abstand häufigste Nebelform.

Was ist der Unterschied zwischen Nebel und Hochnebel?

Nebel, so Perret auf «meteonews.ch», beschreibt bodenaufliegende Feuchtigkeit – also eine Wolke am Boden. Eigentlich dasselbe, einfach in der Höhe, ist Hochnebel – also eine Nebelschicht, die vom Boden zumindest leicht abgehoben ist.

Der Abstand zum Erdboden kann dabei nur wenige Dutzend Meter, aber auch mehrere Hundert Meter sein. Die Nebelobergrenze beschreibt dabei den nicht selten scharfen Übergang von Grau zu Blau. Der Hochnebel ist typischerweise zwischen 100 bis 500 Meter dick.

Unten grau, oben blau: Die Hochnebel-Grenze ist meist sehr scharf.
Unten grau, oben blau: Die Hochnebel-Grenze ist meist sehr scharf.
Bild Markus Timo Rüegg

Wieso ist der Hochnebel nicht immer gleich hoch?

Den grössten Einfluss auf die Obergrenze des Hochnebels hat gemäss Perret der Wind – sowohl seine Stärke wie auch seine Richtung. Die Bise, die im Herbst oft vor allem übers Mittelland weht, ist kalte Luft aus Nordosten. Diese kalte Luft ist schwer und fliesst daher nah dem Boden entlang. Auf diese Weise hebt sie den Nebel an – er wird zu Hochnebel.

Weht die Bise nur schwach, hat der Hochnebel meist eine tiefe Obergrenze, also unter oder um 1000 Meter. Bei einer mässigen Bise steigt der Hochnebel auf etwa 1500 Meter, bei einer starken Bise auf 1500 Meter oder höher.

Wann löst sich Hochnebel auf?

Damit Hochnebel sich auflösen kann, muss die Sonne genügend Energie liefern können, um die ausgekühlte Grundschicht über dem Erdboden zu erwärmen. Zwischen November und Februar ist dies gemäss Perret kaum der Fall. Besser sieht es im September und Oktober wie auch im März und April aus.

Hochnebel ebenfalls aufzulösen, vermag Wind, wenn er entweder wärmere Luft, also Südwest- bis Westwind, oder trockene Luft heranführt. Somit kann auch Bise Hochnebel auflösen. 

Kein Nebel in Graubünden: Bloss eine Mär oder wahr?

Kein Hochnebel in Sicht: Chur im Winter
Kein Hochnebel in Sicht: Chur im Winter
Bild Archiv

«Nebel ist in Graubünden sehr, sehr selten», bestätigt Perret. Der Grund: das Relief und die sehr kleinen Gewässeroberflächen. In Graubünden gibt es viele, zum Teil enge, Täler und wenige tiefe Flächen; zudem hat es keine grossen Seen, von denen viel Feuchtigkeit ausgehen würde. Keine guten Voraussetzungen also für Strahlungsnebel.

Wer den Eindruck hatte, in den vergangenen Jahre habe es im Churer Rheintal vermehrt Nebel gegeben, dem widerspricht Perret: «Statistisch gesehen ist das nicht nachweisbar. Der Nebel schleicht sich vom Bodensee das Rheintal hinauf, stoppt aber meist bei Sargans.»

Oben warm, unten kalt: Wie entsteht eine Inversionslage?

Bei stabilen Hochdrucklagen bildet sich in der Nacht Kaltluft. Diese kühlt immer mehr ab und wird von einer Schicht milderer Luft überlagert. Wenn die bodennahe Luft also feucht und kalt, jene in der Höhe trocken und warm ist, spricht man von einer Inversionslage. Unterhalb der Inversionsschicht findet dann kein oder nur wenig Luftaustausch statt, und die Schadstoffe werden nicht mehr über ein grosses Luftvolumen verteilt. Die Inversion wirkt also wie ein Deckel, der den vertikalen Luftaustausch verhindert. Das hat hohe Schadstoffkonzentrationen zur Folge.

Verkehrte Welt: Unten feucht und kalt, oben trocken und warm.
Verkehrte Welt: Unten feucht und kalt, oben trocken und warm.
Bild MeteoNews

Eine Prognose zur Auflösung des Nebels zu machen, ist übrigens sehr schwierig, weil sehr viele Faktoren mitspielen. Gemäss Perret geschehen dabei die meisten Fehlprognosen.

Simone Zwinggi ist Redaktorin bei Zeitung und Online. Nach einem Sportstudium wendete sie sich dem Journalismus zu. Sie ist hauptberuflich Mutter, arbeitet in einem Teilzeitpensum bei der «Südostschweiz» und hält Anekdoten aus ihrem Familienleben in regelmässigen Abständen im Blog Breistift fest. Mehr Infos

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