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Forschung zu Klimawandel, Extremen und Naturgefahren im Alpenraum zeigt Wirkung

Der Kanton Graubünden und die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL führen das Forschungszentrum CERC in die nächste Phase. Die 54 Mitarbeitenden erforschen in Davos Lösungsansätze für den Umgang mit Klimawandel, Extremereignissen und Natur­gefahren in Gebirgsregionen.

Davoser
Zeitung
10.04.25 - 07:00 Uhr
Leben & Freizeit
Der Lenkungsausschuss CERC (v. l.): Jürg Schweizer, Marcus Caduff und Rolf Holderegger.
Der Lenkungsausschuss CERC (v. l.): Jürg Schweizer, Marcus Caduff und Rolf Holderegger.
Roman Oester

Ereignisse wie die Unwetterschäden in Lostallo, der Bergsturz mit fünf Millionen Kubikmetern Material am Piz Scerscen und der Felssturz in Brienz, der im Jahr 2023 internationale Aufmerksamkeit erlangte und wegen möglicher Folgeereignisse weiterhin die Evakuierung des Dorfes veranlasst, zeigen, wie bedrohlich Naturereignisse sein können. Mit dem Wissen über die Zusammenhänge, die im CERC erforscht werden, können sich ­Kanton und weitere Akteure fundiert auf zukünftige Ereignisse vorbereiten sowie Gefahren und Risiken präziser abschätzen.

Grünes Licht für die nächste Phase

Der Lenkungsausschuss, namentlich WSL-Direktor Rolf Holderegger, Jürg Schweizer, Leiter des WSL-Instituts für Schnee- und Lawinenforschung SLF, und Regierungspräsident Marcus Caduff, zeigte sich in seiner jährlichen Sitzung am 4. April sehr zufrieden mit den Resultaten der ersten, vierjährigen Leistungsperiode. Damit wurde eine solide Basis für den weiteren Aufbau des Forschungszentrums CERC geschaffen. Die Basis­finanzierung wurde im Jahr 2020 für die Jahre 2021 bis 2032 zugesichert.

Neue Arbeitsplätze

Das Forschungszentrum CERC wurde 2021 gegründet und in die Organisation des SLF in Davos eingebettet. Dabei wurden bisherige Forschungsthemen gestärkt und drei neue Forschungsgruppen aufgebaut. In den letzten vier Jahren konnten somit 31 neue Stellen geschaffen werden. Insgesamt zählt das SLF 170 Mitarbeitende, wovon 54 dem CERC zugeordnet sind.

«Dank der Zusammenarbeit mit dem Kanton Graubünden hat die WSL die einmalige Chance, ihre Kompetenzen am SLF in Davos zu erweitern. Das CERC entwickelt innovative Lösungen, basierend auf internationaler Spitzenforschung, und leistet so einen wichtigen Beitrag zur Bewältigung der Herausforderungen, die durch den Klimawandel in Gebirgsregionen entstehen», sagt Rolf  Holderegger, Direktor der WSL.

Leben im Gebirge – dank Forschung – attraktiv und sicher

«Der Wissens- und Technologietransfer hilft, Graubünden und andere Gebirgsregionen als attraktive, lebenswerte und sichere Lebensräume zu erhalten», erklärt Regierungspräsident Marcus Caduff, Vorsteher des Departements für Volkswirtschaft und Soziales. Mit den Ergebnissen der Aufbauphase bringt das CERC als erstes Leuchtturmprojekt der  Innovationsstrategie Graubünden die gewünschte Wirkung im Zusammenspiel Forschung, Bildung und Innovation.

Nächste Generation Fachleute

Die ETH Zürich beteiligt sich mit zwei Joint-Professuren an der Spitzenforschung in Davos. «Dank unserer Einbindung in den universitären Betrieb tragen wir zur Ausbildung der nächsten Generation von Fachleuten und Forschenden bei und stellen sicher, dass unsere Erkenntnisse weitergegeben, weiterentwickelt und angewendet werden. Der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen an der ETH Zürich ist sehr fruchtbar und ermöglicht interdisziplinäre Zusammenarbeit», sagt Manuela Brunner, Assistenzprofessorin am Institut für Atmosphären- und Klimawissenschaften der ETH Zürich und am SLF in Davos, wo sie die Forschungsgruppe Hydrologie und Klimafolgen in Gebirgsregionen leitet.

Top-Wissen für die Region

Forschende des CERC unter­suchen unter anderem im Parsenn­gebiet, wie sich bei einem Steinschlag ein rauer Untergrund auf die Bewegung der Steine auswirkt, wie weit sie kollern, um so die Grundlagen für ­Gefahrenhinweiskarten zu verbessern. Im Engadin rüsten sie eine Forschungsfläche mit modernen Mess­geräten aus, um dem Phänomen Murgang detailliert auf den Grund zu gehen. Sie werten Datenreihen aus, um zu analysieren, wie sich der Permafrost in Europas Gebirgen in Folge des Klimawandels erwärmt. Und sie leiten die internationale Kooperation «BugNet», in deren Rahmen sie unter anderem herausfinden wollen, wie sich der Klimawandel auf Insekten und damit auf die empfindlichen Ökosysteme in alpinen Regionen auswirkt.

https://cerc.slf.ch/de/



 

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