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Digitale Stromzähler für Davos – Das EWD tauscht bis 2027 alle Zähler aus

Das Davoser Stromnetz wird modernisiert. Neue digitale Zähler ersetzen nach und nach die bisherigen Modelle und schaffen die Grundlage für ein einheitlich steuerbares, digitales Netz. Warum jetzt umgerüstet wird, und was das für Haushalte bedeutet.

Davoser
Zeitung
15.12.25 - 12:00 Uhr
Ereignisse
Herkömmliche, mechanische Zähler besitzen ein einfaches Zählwerk und können keine Verbrauchsdaten übermitteln. Bild: mar
Herkömmliche, mechanische Zähler besitzen ein einfaches Zählwerk und können keine Verbrauchsdaten übermitteln. Bild: mar
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Was, wenn man den Stromverbrauch zu Hause genauso einfach ablesen könnte wie den Kilometerstand am Auto – und zwar in Echtzeit? Und was, wenn die Waschmaschine, die E-Ladestation oder der Boiler automatisch dann laufen würden, wenn der Strom günstiger ist? Genau das soll in Davos möglich werden. Bis Ende 2027 will das Elektrizitätswerk Davos (EWD) alle rund 15 000 Stromzähler im Versorgungsgebiet durch intelligente Messysteme, so genannte Smart Meter, ersetzt haben.

Im Gespräch mit Andy Kollegger, Vorsitzender der Geschäftsleitung des EWD wurde deutlich, wie umfassend dieser Wandel ist, und welche Chancen er bietet, etwa für mehr Transparenz, effizientere Abläufe und einen bewussteren Umgang mit Energie. Den gesetzlichen Rahmen dafür setzte der Bund mit der Energiestrategie 2050, deren Ziel die schrittweise Abkehr von der Kernenergie und die Umstellung auf erneuerbare Energien ist, um die Energieversorgung der Schweiz bis 2050 sicherzustellen. Das neue Stromversorgungsgesetz (StromVG) trat per 1. Januar dieses Jahres in Kraft. Darin festgelegt ist unter anderem, dass die Anbieter aktiv zur Senkung des Stromverbrauchs beitragen, weiter müssen sie nachweisen, dass Effizienzmassnahmen umgesetzt wurden. Ziel dieser Einspar­pflicht ist, ab 2028 schweizweit jährlich zwei Terawattstunden (zwei Milliarden Kilowattstunden) Strom einzusparen.

Pflicht zum Zählerersatz

In der Stromversorgungsverordnung ist (StromVV) definiert, dass alle Netzbetreiber mindestens 80 Prozent ihrer Stromzähler bis Ende 2027 mit intelligenten Messystemen, so genannten Smart Metern, ersetzen müssen. Das EWD hat mit dem Ersatz der Geräte bereits begonnen. Gut 60 Prozent der Zähler sind schon ersetzt, bis Ende 2027 soll das gesamte Ver­sorgungsgebiet mit intelligenten Messystemen ausgerüstet sein. Erst, wenn alle Verbraucher über einen Smart Meter verfügen, darf das System als Ganzes «smart aktiviert» werden.

Moderne Smart Meter verfügen über eine digitale Anzeige und können Messdaten verschlüsselt übermitteln.
Moderne Smart Meter verfügen über eine digitale Anzeige und können Messdaten verschlüsselt übermitteln.
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Wie ein Smart Meter funktioniert

Anders als herkömmliche Zähler erfasst ein Smart Meter den Stromverbrauch in 15-Minuten-Intervallen. Jeder Wert erhält dabei einen Zeitstempel. Dadurch entsteht ein detailliertes Verbrauchs­profil, das zeigt, wann wie viel Energie benötigt wird. Technisch läuft das über die Glasfaser: Swisscom und Swiss FibreCo bauen zusammen mit dem EWD in Davos ein FTTH-Netz (Fiber to the Home). Eine Glasfaser pro Hausanschluss ist für das EWD reserviert und ermöglicht die sichere und schnelle Datenübermittlung.

Wie sicher sind die Daten?

In der Schweiz gilt ein strenges Regime für Smart-Meter-Systeme. Alle Geräte müssen vom Eidgenössischen Institut für Metrologie (METAS) zertifiziert werden. Die Daten werden verschlüsselt übertragen und dürfen nur für klar definierte Zwecke genutzt werden – etwa für Abrechnung, Netzplanung oder gesetzlich erlaubte Lastflussanalysen. Eine Weitergabe an Dritte ist rechtlich untersagt. Damit bleibt gewährleistet, dass aus den Verbrauchsdaten keine Rückschlüsse auf das Verhalten einzelner Haushalte gezogen werden können.

Vorteile im Alltag: bewusster, flexibler, günstiger

Für den Verbraucher wird das System erst mit der begleitenden Software «smart». Wie Andy Kollegger im Gespräch erläuterte, liegt der grösste Nutzen nicht im Messgerät selbst, sondern mit den damit einher gehenden Möglichkeiten: Die App zeigt auf einen Blick, wo Energie fliesst und welche Geräte Lastspitzen verursachen. Erst diese Transparenz ermöglicht es, gezielt zu reagieren. Etwa indem Abläufe in günstigere Zeitfenster verschoben oder bewusst angepasst werden. Solche zeitlichen Verschiebungen entlasten das Netz und erhöhen die Effizienz des gesamten Systems.

Je gleichmässiger die Last verteilt ist, desto stabiler arbeitet das Netz, und desto klarer zeigt sich, wie sich der eigene Verbrauch zusammensetzt. Das erleichtert den bewussten Umgang mit Energie und fördert nachhaltige Gewohnheiten.

Warum das EWD auf 100 Prozent setzt

Viele Stromanbieter streben die gesetzlich geforderten 80 Prozent an. Das EWD geht bewusst darüber hinaus, denn erst bei vollständiger Abdeckung kann das System als Ganzes aktiviert werden – mit dynamischen Tarifen, präzisen Messwerten und automatisierten Prozessen für das gesamte Versorgungsgebiet. So wird es künftig einfacher, den eigenen Stromverbrauch gezielt zu steuern und die Kosten besser im Blick zu behalten.

Ein Schritt in die Energiezukunft

Mit den neuen Zählern entsteht ein Netz, das auf die Zukunft vorbereitet ist: auf mehr erneuerbare Energie, auf flexiblere Nutzung im Alltag und auf eine effizientere Steuerung des gesamten Systems.

Smart Meter im Vormarsch: In diesem Verteilerkasten wurden die Messgeräte bereits weitgehend ersetzt. Nur das Gerät für den Allgemeinstrom (oben links) ist noch mechanisch und wird später ausgetauscht.
Smart Meter im Vormarsch: In diesem Verteilerkasten wurden die Messgeräte bereits weitgehend ersetzt. Nur das Gerät für den Allgemeinstrom (oben links) ist noch mechanisch und wird später ausgetauscht.
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