Frisch von der Leber
Selten hört man viel über sie. Selten stehen sie so im Mittelpunkt wie im Januar in Davos – die Trittbrettfahrer. Und ob das in Davos angenommene Gesetz richtig umgesetzt wird oder eben nicht, sei an dieser Stelle mal dahingestellt.
Selten hört man viel über sie. Selten stehen sie so im Mittelpunkt wie im Januar in Davos – die Trittbrettfahrer. Und ob das in Davos angenommene Gesetz richtig umgesetzt wird oder eben nicht, sei an dieser Stelle mal dahingestellt.
Ohne sie läuft nichts
Es gibt ein Ding, das den Umgang mit professionellen Trittbrettfahrerinnen und Trittbrettfahrern in der freien Wildbahn schwierig macht. So sind sie, ihrer Meinung nach, oft das wichtigste Zahnrädchen im System. Ohne sie ginge gar nix. Sie sind die Sonne im Universum des Betriebs. Die Welt würde sich ohne sie nicht drehen. Die Rekordumsätze würden nicht erreicht werden.
Ja, längst haben sie unsere Wirtschaft unterwandert. Sie sitzen in Grossraumbüros. Stehen auf Baustellen. Düsen auf Sonnenterrassen im Service umher. Doch meistens sind sie in Meetings zu finden. Egal in welcher Branche. Es ist so was wie ihr natürliches Habitat. Kann man eine Sitzung doch zu jeder Zeit ansetzen. Sieht es doch immer wichtig aus, ist der Terminkalender voll. Was dabei rauskommt, kann man dann auch perfekt zu einem späteren Zeitpunkt – am besten in einem Meeting – besprechen.
Auf dem Trittbrett der Kollegen
Aber fast das Schlimmste an der parasitären Lebensform ist, dass sie ansteckend ist. So ist oder war man im Leben selbst doch auch oft nur der Trittbrettfahrer. Ist ja auch ausserordentlich gemütlich. Gerade in der Gastronomie habe ich das nur allzu oft beobachtet. Und zugegeben war ich schon oft selbst froh, um das Trittbrett eines Kollegen. Gerade wenn der gemütliche Spieleabend am Tag zuvor wieder eher an eine Orgie aus dem alten Rom erinnerte als an ein gemütliches Beisammensein.
Vielleicht sind sie also gar nicht nur die lästigen Blutsauger am Rand. Es braucht sie teils sogar. Als Spiegel. Als Ausrede. Oder einfach als Erinnerung daran, dass kaum jemand immer trittfest durchs Leben marschiert. Manchmal findet man sich selbst, schneller als man denkt, auf dem Gepäckträger eines anderen. Unauffällig, bequem und froh, dass jemand anders lenkt und denkt. Und vielleicht hat gerade deshalb auch Petersilie etwas Respekt verdient.
Yves Weibel
Wir bitten um euer Verständnis, dass der Zugang zu den Kommentaren unseren Abonnenten vorbehalten ist. Registriere dich und erhalte Zugriff auf mehr Artikel oder erhalte unlimitierter Zugang zu allen Inhalten, indem du dich für eines unserer digitalen Abos entscheidest.
Bereits Abonnent? Dann schnell einloggen.