×

Frisches Gemüse an der Promenade

Mitten im Ort, wo man eher an Hotels als an Salatbeete denkt, wächst Woche für Woche ­frisches Gemüse. Vor drei Jahren lag das Grundstück beim Schweizerhaus noch brach, heute gedeihen dort Salate, Radieschen und Frühlingszwiebeln in dichter Mischkultur.

Davoser
Zeitung
05.07.25 - 12:00 Uhr
Leben & Freizeit
Sascha Lautenborn in seinem Stadtgarten.
Sascha Lautenborn in seinem Stadtgarten.
bg
Die Idee entstand, als der Betreiber Sascha Lauterborn sah, wie viele Lebensmittel, vor ­allem Brot, in Hotels und Restaurants täglich weggeworfen werden. Gleichzeitig lag die ­Fläche mitten im Ort völlig ungenutzt da. Für ihn war klar: Hier muss etwas Sinnvolleres wachsen und er beschloss daraus einen Gemüsegarten zu machen. In den ersten beiden Jahren war es Gemüse und Salat, die er als reines Hobby anpflanzte. Der Erlös aus dem Verkauf diente vorwiegend zur Deckung der Unkosten. Jetzt, im dritten Jahr will er es jedoch wissen und hat sich zum Ziel gesetzt, den Garten langfristig zu einem ­finanziellen Standbein auszubauen. Mit dem Restaurant Hugos hat er einen Abnehmer gefunden, der grossen Wert auf regionale sowie saisonale Produkte legt. Aktuell sind das spezielle Salate wie Eichblatt, Lollo und Salanova in Grün und Rot. Daneben bietet Lauterborn Radieschen und Frühlingszwiebeln in kleineren Mengen an. Auch Privatkunden oder Nachbarn decken sich gerne bei ihm ein.

Maximaler Ertrag auf minimaler Fläche

Um sein Ziel künftig 200 bis 300 Salatköpfe pro Woche ernten zu können, wendet er das Konzept des «Market Gardening» an. Das bedeutet maximalen Ertrag auf kleiner Fläche durch Mischkultur und ­ohne Spritzmittel. Dabei pflanzt er verschiedene Gemüsesorten dicht neben­einander, was Schädlinge reduziert und die Bodenqualität verbessert. Ausserdem nutzt er eine automatische Tröpfchen­bewässerung.

Die Setzlinge bezieht er von einem biologisch arbeitenden Gemüsebetrieb im Rheintal. Die daraus wachsenden Pflanzen sind alle samenfest. Das heisst, dass sie Samen produzieren, die für die nächste Aussaat genutzt werden können. So entsteht eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft ohne ständige Neukäufe von Saatgut oder Setzlingen. Eine Idee, die Lauterborn in ­Davos ausprobieren möchte. Daneben zieht er in einem Pflanztunnel auch wärme­liebendes Gemüse wie Fleischtomaten, Cherrytomaten, Paprika, Gurken und Zucchini. Sie gedeihen dort ausgesprochen gut. Zusätzlich plant er bald Rüebli und Rucola in seinen Garten zu integrieren, um das Angebot weiter zu erweitern und die Vielfalt zu erhöhen.

Um sein Projekt weiter zu fördern, hat Lautenbron einen Antrag um Unterstützung aus dem «myclimate Klimafonds Davos» gestellt. Mit diesem will Davos bis zum Jahr 2030 der erste Tourismusort der Schweiz mit Netto-Null-Emissionen im Ort werden.

Vom Hobby zur Hauptbeschäftigung

Lauterborn sieht das Projekt trotz des grossen Arbeitsaufwands als Hobby, das ihm grosse Freude bereitet und in­zwischen sogar zu seiner Hauptbeschäftigung geworden ist. Besonders freut ihn die hohe soziale Akzeptanz in der Nachbarschaft: Es gibt keine Probleme mit Müll oder Diebstahl, stattdessen nur positives Feedback.

Dennoch ist er sich bewusst, dass die Zukunft ungewiss ist und das Grundstück irgendwann überbaut werden könnte. Bis dahin möchte er das Projekt erfolgreich weiterführen und Davos mit frischem, ­regionalem Gemüse versorgen.

Kommentieren
Wir bitten um euer Verständnis, dass der Zugang zu den Kommentaren unseren Abonnenten vorbehalten ist. Registriere dich und erhalte Zugriff auf mehr Artikel oder erhalte unlimitierter Zugang zu allen Inhalten, indem du dich für eines unserer digitalen Abos entscheidest.
Könnte euch auch interessieren
Mehr zu Leben & Freizeit MEHR