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Leben im Einklang mit der Natur: Wenn Füchse reguliert werden

Wenn Ende November Hoch-, Nieder- und Steinwildjagd abgeschlossen sind, kehrt in den Wäldern scheinbar Ruhe ein. Es gibt keinen saisonalen Jagdbetrieb mehr, keine konzentrierten Abschusstage. Und doch sind weiterhin Jäger präsent. Einzeln, still, unscheinbar. Es ist die Zeit der Passjagd, und mit ihr rückt ein Tier in den Fokus, das man selten sieht, dessen Präsenz aber spürbar ist: der Fuchs.

Davoser
Zeitung
18.01.26 - 07:00 Uhr
Klima & Natur
Der Rotfuchs wiegt rund fünf bis acht Kilogramm und wird in freier Wildbahn meist drei bis vier Jahre alt.
Der Rotfuchs wiegt rund fünf bis acht Kilogramm und wird in freier Wildbahn meist drei bis vier Jahre alt.
Archiv Somedia
Der Rotfuchs, fachlich Vulpes vulpes, gilt als äusserst anpassungsfähig und intelligent. Als sogenannter Kulturfolger nutzt er Übergangszonen zwischen Wald, Landwirtschaft und Siedlungsraum. Er beobachtet genau, lernt schnell und findet auch dort Nahrung, wo andere Wildtiere längst aufgeben. Mit sinkenden Temperaturen und knapper werdendem Angebot rückt er näher an den Menschen heran.

Spuren im Schnee, nächtliche Geräusche, Geruch oder Beobachtungen am Ortsrand. Der Fuchs zeigt sich kaum, aber er ist präsent. Für Menschen, die am Siedlungsrand leben, Tiere halten oder täglich draussen arbeiten, wird seine Gegenwart besonders deutlich. Er wird Teil eines Alltags, der vielen fremd ist, den andere jedoch sehr konkret erleben.

Nähe hat Folgen

Der Fuchs ist weder Feindbild noch romantische Naturfigur. Er ist Teil des Ökosystems und zugleich ein Wildtier, dessen Nähe zum Menschen Folgen haben kann. Füchse können Krankheiten verbreiten, insbesondere die Fuchsräude, die für die Tiere äusserst leidvoll ist und dazu führt, dass erkrankte Füchse vermehrt Siedlungen aufsuchen.

Daneben tritt die Staupe auf, eine hochansteckende Viruserkrankung, die neben Füchsen auch Hunde betreffen kann. Für ungeimpfte Hunde kann sie schwer bis tödlich verlaufen, für den Menschen besteht keine Gefahr einer Erkrankung.

Der Fuchsbandwurm ist als Zoonose, also als zwischen Tier und Mensch übertragbare Krankheit, bekannt, spielt heute im Alltag jedoch eine deutlich kleinere Rolle als früher. Nähe zwischen Wildtier, Mensch und Haustier verlangt deshalb besondere Aufmerksamkeit und Umsicht.

Passjagd, ruhig und gezielt

Die Passjagd ist Teil dieser verantwortungsvollen Haltung. Sie dauert von 1. November bis Ende Februar und unterscheidet sich deutlich von den anderen Jagdformen. Der Jäger streift nicht durch die Wälder, sondern löst das Patent für einen festen Standort, um von dort aus Raubwild zu erlegen. Geschossen werden darf nur von den bewilligten Standorten, häufig sind das der eigene Hof oder Stall.

Die Passjagd wirkt gezielt am Übergang zwischen Siedlungsraum und Natur. Sie greift dort ein, wo sich Füchse regelmässig dem Menschen nähern, nicht in den eigentlichen Lebensraum der Tiere.

Regulation mit Wirkung

Tierschutzorganisationen kritisieren die Regulation von Füchsen und vertreten die Ansicht, dass sich Bestände auch ohne menschliches Eingreifen natürlich regulieren würden. In der Praxis zeigt sich jedoch ein differenzierteres Bild.

Verenden kranke Füchse in der freien Natur, bleiben ihre infizierten Kadaver in der Landschaft zurück. Krankheitserreger können sich so über die Umgebung verbreiten, Aasfresser nutzen die Kadaver als Nahrung. Krankheiten werden weitergetragen und verstärken sich.

Wird ein Fuchs im Rahmen der Jagd reguliert entnommen, bleibt das Tier nicht in der Natur zurück. Es wird fachgerecht ­behandelt und entsorgt. Regulation bedeutet in diesem Zusammenhang nicht Eingreifen aus Prinzip, sondern Verantwortung für das Gleichgewicht zwischen Wildtier und menschlichem Lebensraum.

Verantwortung endet nicht beim Schuss

Die Verantwortung der Jäger endet nicht mit der Entnahme. Aus Respekt vor dem Tier gehört es für viele zur Selbstverständlichkeit, es vollständig zu nutzen. Der Fuchs bietet besonders im Winter ein weiches, dichtes Fell. Das fachgerechte Abziehen des Fells, Abbalgen genannt, erfordert Kenntnis, Geschick und Rou­tine.

Nach dem Abbalgen werden die Felle getrocknet und an Pelzhändler weitergegeben. Von dort gelangen sie zu Gerbern, die das Fell haltbar machen. Kürschner verarbeiten die gegerbten Felle anschliessend zu Kleidungsstücken und anderen langlebigen Naturprodukten. Pelz ist gesellschaftlich umstritten. Ein Fuchsfell aus der Region unterscheidet sich jedoch wesentlich von industriell hergestellten Pelzprodukten, da es aus einem verantwortungsvollen Umgang mit Natur und Tier stammt.

Für die Jäger selbst steht dabei kein Ertrag im Vordergrund. Der Erlös liegt bei etwa fünf bis sieben Franken pro Fell bei einem Arbeitsaufwand von rund einer Stunde. Prägend sind vielmehr Leidenschaft, handwerkliches Können und eine respektvolle, demütige Haltung gegenüber Natur und Tier.

Verantwortung im Alltag

Die Passjagd beschränkt sich nicht nur auf den Fuchs. Auch weiteres Raubwild wie Dachs oder Marder kann im Rahmen dieser Jagdform reguliert werden, jeweils innerhalb der geltenden Jagdzeiten. Die Passjagd bleibt oft unbeachtet, ist aber ein bedeutender Bestandteil eines Systems, das auf Erfahrung, Verantwortung und Nähe zur Landschaft beruht.

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