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«Prüfet alles und das Gute behaltet»

Im doch eher verschlafenen Sertigtal geht es seit längerem rund. Grund sind bewilligte Neubauten, welche einigen doch sauer aufstossen. Aber die Bauarbeiten haben bereits begonnen, und doch liegt bei der Gemeinde ein Alternativprojekt auf. Zudem hat am Wochenende gar der «Abschied vom Sertig Dörfji» stattgefunden, organisiert vom Forum Bau+Kultur.

Davoser
Zeitung
29.06.25 - 17:00 Uhr
Kultur
Viele Interessierte trafen sich zum «Abschied vom Sertig Dörfji».
Viele Interessierte trafen sich zum «Abschied vom Sertig Dörfji».
zVg
Dass historische Siedlungen geschützt werden sollen, da sind sich die meisten einig. So bekam Monstein erst kürzlich ein Baumemorandum. Ein Segen für alle, welche die historischen Walsersiedlungen schützen wollen. Im Sertig gibt es ein solches Memorandum – noch – nicht. So konnten dann auch die beiden viel diskutierten Neubauten ohne Weiteres bewilligt werden. Und auch der grosse Protest der Gegnerinnen und Gegner kam doch sehr spät. Denn die Bauten sind bewilligt, und die Arbeiten haben nun ebenfalls schon begonnen.

Grosses Interesse beim «Abschied vom Sertig Dörfji»

Trotzdem versammelten sich am vergangenen Wochenende rund 80 Personen im Sertig zum «Abschied vom Sertig Dörfji». Unter den Teilnehmenden waren Landwirte, Anwohnende, Politikerinnen und Politiker sowie Zweitwohnungsbesitzende. Auch eine kleine Kuhherde war vor Ort. Die Stimmung sei geprägt von tiefer Sorge gewesen. Die zwei Neubauten am Ortseingang – das Tiny House sowie das Chalet – bedrohen nach Ansicht vieler Anwesenden das geschützte Ortsbild des historischen Weilers. Das Sertig Dörfji gelte als einzigartiges Beispiel gewachsener Walser-Siedlungskultur und stehe seit 1992 unter Bundes- und seit 2001 unter kommunalem Ortsbildschutz.

So erinnerte Historiker Thomas Gadmer von der Walservereinigung am Anlass an die jahrhundertealte Siedlungsgeschichte. Die traditionelle Bauweise, welche einem klaren Prinzip folge: Wohnhäuser mit dem First zum Tal, Ställe quer dazu. Die aktuellen Bauprojekte widersprechen laut den Kritikerinnen und Kritikern dieser Struktur. Was allerdings beim nun aufliegenden Alternativprojekt angepasst wurde. Die Gemeinde Davos hatte die Gesuche Ende 2024 trotz zahlreicher Einsprachen bewilligt. Die Bauarbeiten haben nun auch begonnen – obwohl mehrere juristische Schritte gegen das Vorgehen der Gemeinde eingeleitet wurden.

Politische Debatte im August

Im Frühjahr formierte sich breiter Widerstand: Über 1300 Menschen unterzeichneten eine Petition der IG Sertig, die der Gemeinde im April übergeben wurde. Zusätzlich gingen Einsprachen, eine Motion im Grossen Landrat sowie eine Aufsichtsbeschwerde beim Kanton ein. Letztere entfaltet jedoch keine aufschiebende Wirkung – die Bauarbeiten dürfen weitergeführt werden.

Laut der Gemeinde sind die Projekte ­gemäss geltender Bauordnung zulässig und beeinträchtigen das Ortsbild nicht wesentlich. Das kantonale Departement für Raumentwicklung prüft derzeit die Rechtmässigkeit des kommunalen Vorgehens. Die politische Debatte dürfte im August in der Landratssitzung weiter Fahrt aufnehmen.

Mehr Transparenz beim Genehmigungsprozess

Dass es bei Bauprojekten zu dermassen vielen Diskussionen kommt, ist doch ­speziell. Auch die Gemeinde selbst sieht in der Kommunikation Verbesserungspotenzial. So meint die Leiterin des Hochbauamtes, Valérie Favre Accola: «Es ist Aufgabe des Kleinen Landrats, sich kontinuierlich Gedanken zur Professionalisierung zu machen und die Abläufe zu verbessern. Seit Januar arbeiten wir seitens Hochbauamt daran, und wir werden in Kürze diesbezüglich kommunizieren – wir haben auch realisiert, dass wir Kommunikationsbedarf haben, wie sich der Genehmigungsprozess Baubewilligung gestaltet.»

Bleibt zu hoffen, dass in Zukunft Lösungen für alle Parteien gefunden werden und ganz nach dem Grundsatz gearbeitet wird, welcher in der Kirche steht: «Prüfet alles und das Gute behaltet.»

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